Biber ist an die Rur zurückgekehrt

Von: dm
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Biber
Der vor 130 Jahren in Nordrhein-Westfalen ausgerottete Biber ist wieder da. Über 250 Tiere leben an Gewässern in der Eifel und im Kreis Wesel. Foto: dpa

Rurberg/Einruhr. Gefällte Bäume und Fraßspuren unten an den Stämmen zeigen an: Der Biber ist da, er ist zurückgekehrt an die Rur zwischen Einruhr und Hammer. Auch ist der Castor fiber, was der lateinische Name von Europas größtem Nager ist, dabei, den Lebensraum der Urft zwischen Gemünd und der Staumauer zu erobern und zu besiedeln.

„Gedämpfter Biberschwanz”

Der Biber, einst in der Eifel gnadenlos verfolgt und ausgerottet, ist in der Nordeifel zu neuen Ehren gekommen: Er ist das Leittier der Ausstellung im Nationalpark-Tor in Rurberg.

Die Ausstellung erzählt in Wort und Film aus dem Leben des Bibers. Wer möchte, kann auch fühlen, wie weich ein Biberfell ist. Dass das ausgestellte Fell tatsächlich auch ein Biberfell ist, das versichert Michael Lammertz, im Nationalpark-Forstamt Fachgebietsleiter Kommunikation und Naturerleben, mit Nachdruck.

Der Biber musste einst als „Fastenspeise” herhalten. Vor über 1000 Jahren wurde der Nager mit kirchlichem Segen zum kaltblütigen, fischähnlichen Tier erklärt, dies wegen seines Schwanzes, der statt mit Haaren mit Hautplatten, die Fischschuppen ähneln, bedeckt ist. Der Biber war also im Mittelalter eine willkommene Bereicherung des Speiseplans, die Folge: Auch in der Eifel wurde dem Tier massiv nachgestellt. Schon um 1800 war der Biber in der Eifel ausgerottet, möglicherweise schon zur Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648). Und damit war der Biber in der Eifel sehr viel früher als aus anderen Regionen in NRW verschwunden.

Zudem hatte der Biber noch dieses Pech: Bibergeil, das Sekret aus den Drüsensäcken des Bibers, soll bei Gicht und Zitter helfen, bei Geschwüren und Schwindel; auch wurde Bibergeil eingesetzt gegen Krämpfe, hysterische Anfälle und Nervosität. Dass aus dem Biber eine kulinarische „Köstlichkeiten” wie „Gedämpfter Biberschwanz” werden kann, wurde so manchem Eifelbiber zum Verhängnis. Das Rezept dazu gibt es in der Ausstellung im Nationalpark-Tor am Eiserbachsee in Rurberg.

Ein ähnliches Schicksal wie der Biber musste hier in der Eifel auch der Fischotter erleiden: Mitte April im Jahr 1900 wurde an der Rur bei Hammer ein Fischotter erlegt, als erfolgreiche Jäger wurde dabei ein P. W. Jansen gefeiert, der innerhalb eines Jahres „zehn starke und drei junge Fischotter” erlegt hatte. Der Fischotter wurde damals für den „geringen Fisachbestand in der Rur” verantwortlich gemacht, wie die Zeitung berichtete. „Fischotter in Rotwein gedämpft” - das Rezept dazu gibt es ebenfalls im Nationalpark-Tor in Rurberg.

Bislang ist der Fischotter noch nicht wieder in die Eifel zurückgekehrt. Anders der Biber: Im Oktober 1981 wurden drei Biberpaare aus der Zuchtstation Popielno der polnischen Akademie der Wissenschaften im Tal der Weißen Wehe im Hürtgenwald freigelassen. Seither erobern sie wieder die Bäche und Flüsse der Nordeifel.

Im Nationalpark Eifel ist der Biber nun zu neuen Ehren gekommen - er ist das Leittier der Ausstellung im Nationalpark-Tor in Rurberg. Und: Sein Bild kann neuerdings auch als Münze geprägt werden: Ein 5-Cent-Stück kommt gegen eine Gebühr von einem Euro in einen „Medaillenpräger”, 10 bis 20 Mal an der Kurbel gedreht - und schon wird aus dem 5-Cent-Stück eine Medaille mit einem Biber-Bild (wir berichteten).

Flusskrebs und Perlmuschel

Das Leitthema der Ausstellung aber sind die „Lebensadern der Natur”. Besucher können außergewöhnlichen Tierspuren (wie die der Biber) durch die spannende Natur- und Kulturgeschichte der Eifel folgen oder die Lebensräume Fließ- und Stillgewässer aus der Perspektive eines Milans erleben. Flusskrebs, Perlmuschel und Biber gewähren Einblicke in ihr Leben und verdeutlichen die Bedeutung von Nationalparken. Die Filme zum Nationalpark sind teilweise mit Untertiteln.

Im vergangenen Jahr wurden in der Ausstellung insgesamt 76.000 Besucher gezählt, berichtet Michael Lammertz. In den bislang vier Nationalpark-Toren waren es zusammen 240.000 Besucher, dabei kamen die meisten Gäste aus der Region Aachen.
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