Bewegende Oper reißt die Zuhörer mit

Von: Josef Schreier
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Das moderne Bühnenbild auf der Monschauer Burg zu Verdis Meisteroper „La Traviata“ korrespondierte gekonnt mit dem Inhalt der berühmten italienischen Oper. Foto: Josef Schreier

Monschau. Es war schon ein besonderer Glücksmoment, wie am Samstagabend auf der Monschauer Burg alles zusammenpasste. Endlich einmal spielte auch das Wetter in vollem Umfange mit, als Bürgermeisterin Margareta Ritter und der Schirmherr der diesjährigen Festspiele, Hubert Herpers vom Vorstand der Sparkasse Aachen, die Aufführung von Giuseppe Verdis Meisteroper „La Traviata“ mit Grußworten eröffneten.

Es war, zumindest zu Beginn, in der Tat einmal ein „lauer Sommerabend“, aber selbst als bei fortschreitender Zeit doch ein wenig Kühle über den Burghof zog, konnte dies das faszinierte Publikum kaum stören.

Ränge vollzählig besetzt

Die Ränge waren vollzählig besetzt, als der Dirigent Arn Goerke und die Kölner Symphoniker mit den melancholisch-sehnsüchtigen Streicherklängen des Vorspiels anhoben und das Drama um eine Pariser Lebedame und einen jungen Mann aus höherer Gesellschaft begann.

„La Traviata“ ist sicher eine der bekanntesten Opern von Verdi, ja eine der berühmtesten überhaupt und eine „Bank“ für jeden Kulturorganisator. Tatsächlich ist das Werk ja auch den Besuchern der Monschauer Burg schon früher begegnet, sogar in der gleichen Besetzung und Inszenierung wie an diesem Samstagabend.

Die bewährte und erfolgreiche Darbietung von damals konnte auch diesmal voll überzeugen und rief – bei zunächst verhaltenem Applaus zwischendurch – am Schluss wahre Jubelstürme hervor.

Eine eher traurige Geschichte

Dabei ist das Ganze freilich eher eine traurige Geschichte. „La Traviata“ - eine vom Weg des normalen Lebens Abgekommene ist die Titelgestalt dieses Musikdramas. Man erlebt den Versuch dieser gesellschaftlichen Außenseiterin, eine intensive Liebesbeziehung wirklich zu leben und dadurch ein menschlich erfülltes Leben zu finden. Dass dies wegen der unüberwindlich scheinenden gesellschaftlichen Zwänge und der dadurch hervorgerufenen tiefgreifenden Missverständnisse nicht möglich ist, ist schon am Beginn der Handlung absehbar. Gerade diese Oper steht so am Anfang einer musikalischen Richtung, die sich in realistischer Weise den gesellschaftlichen Problemen der Neuzeit aussetzt.

Giuseppe Verdis mitreißende Musik trägt im Vergleich dazu stellenweise fast etwas zu flott über die Abgründe hinweg, - lässt sie andererseits den Zuhörer und Zuschauer umso plastischer nachfühlbar werden. All‘ dies zusammen, - die anhaltende untergründige Aktualität und die musikalische Zugänglichkeit, macht sicherlich die Popularität gerade dieser Oper aus.

Die Brüchigkeit der Situation und der Handlung wurde durch die Inszenierung und durch das Bühnenbild in der Aufführung der Kölner Kammeroper sehr anschaulich gemacht. Die spärlich ausgestattete Bühne war geprägt von quer im Raum stehenden Säulen, die plastisch vor Augen führten, dass den handelnden Personen eine letzte Orientierung fehlte. Der Glanz und der musikalische Schwung der Ball- und Salonszenen wurde von beinahe magischen und unheimlichen Lichteffekten gleichsam untergraben. Vielleicht kam diesem Regieansatz sogar entgegen, dass das relativ klein besetzte Orchester eher etwas im Hintergrund verblieb und den Klangzauber der Partitur nicht ganz zum Leuchten brachte.

Gesangssolisten gut in Form

Auch konnte die Tonregie diesmal nicht restlos überzeugen. Was durch die Lautsprecher kam, war auch bei den Sängern akustisch etwas unausgeglichen.

Dennoch ist über die Gesangssolisten nur Gutes zu sagen. Vor allem die drei Hauptgestalten konnten die Geschehnisse musikalisch und darstellerisch sehr intensiv vergegenwärtigen.

Da war natürlich zunächst die Titelfigur Violetta Valéry, gesungen von Esther Hilsberg, deren von einer stabilen Basis getragenen dramatischen Sopran auch die höchsten Spitzentöne und schwierigsten Koloraturen sicher und musikalisch inspiriert gelangen. Antonio Rivera, dem Darsteller des Alfredo Germont, war es anzuhören, dass er in der italienischen Oper zu Hause ist. So konnte sich sein Tenor klangschön und geschmeidig entfalten. Seine große Arie in der zweiten Szene, die noch ganz von Liebesglück erfüllt ist, war außergewöhnlich differenziert gestaltet. Der dritte Protagonist, Alfredos Vater Giorgio Germont, wurde durch Petteri Falck verkörpert. Die Motivationen des besorgten Vaters und seine leider verspätete Einsicht in seine Schuld wurde durch die noble Gestaltung sehr präsent; Falcks schöne Baritonstimme kam nach der Pause noch besser zur Geltung.

Die übrigen Ensemblemitglieder fügten sich dem positiven Bild durchweg ein. Auch die Leistung des Chors ist hervorzuheben. Insgesamt erlebten die Besucher einen bewegenden und unvergesslichen Festspielabend.

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