Monschau - „Bester Fotograf des Jahres“ stellt in Monschau aus

„Bester Fotograf des Jahres“ stellt in Monschau aus

Von: avl
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Die Macher und Förderer der aktuellen Fotoausstellung im KuK Monschau (v.l.n.r.): Dr. Nina Mika-Helfmeier, Roger Ballen, Dr. Ulrich Pohlmann, Helmut Etschenberg und Hans-Otto Runkler. Foto: van Londen

Monschau. In der aktuellen Ausstellung „Retrospektive“ reiht sich der Fotograf Roger Ballen in die Riege vorzüglicher Fotografen wie Jürgen Klauke, Anton Corbijn, Jürgen Schadeberg und Jim Rakete, die das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau der Öffentlichkeit präsentiert, mit Nachdruck ein.

Zahlreich waren dann auch Interessierte zur Eröffnung nach Monschau gekommen – sicher auch, weil es die seltene Möglichkeit gab, dem Künstler selbst zu begegnen. „Solche Künstler wie Roger Ballen mit seiner tiefenpsychologisch wirkenden, auf konstruktive Art und Weise provozierenden Fotokunst verirren sich aber nicht ganz zufällig nach Monschau“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg. „Dass wir solche Ausstellungen hier vor Ort präsentieren können, ist kein Zufall, sondern harte Arbeit. Es ist eine Herausforderung, starke Netzwerke dies- und jenseits der Grenzen aufzubauen, um im KuK einen Querschnitt der zeitgenössischen Kunst zeigen zu können. Es ist auch eine Herausforderung, aus einer immensen Medienflut, mit der unsere Zeit zunehmend einhergeht, das zu selektieren, was Qualität hat, was Tiefe hat, was sich abhebt“, so Etschenberg weiter.

2009 präsentierte das Städtische Museum in München erstmals in Deutschland eine umfangreiche Retrospektive der Arbeiten von Roger Ballen von 1969 bis 2009. Der größte Teil dieser Sammlung wird der Öffentlichkeit nun im KuK ausgestellt. Der Ausstellungsparcours beginnt mit Fotografien, die zwischen 1969 und 1973 entstanden sind. Sie verraten bereits Roger Ballens Faszination für das Groteske und Abgründige und nehmen Merkmale späterer Serien wie Shadow Chamber vorweg: In letzterer, erscheint der Mensch oft nur noch in Fragmenten, während sich vom Künstler gefertigte Zeichnungen und Objekte ihren Platz erobern.

Hans-Otto Runkler, Vorsitzender des Kulturausschusses der Landschaftsversammlung Rheinland, überbrachte Grüße des LVR: „Wir haben das KuK schon öfter finanziell unterstützt – so auch bei dieser fantastischen Ausstellung zeitgenössischer Fotografie. Ich bin begeistert von dieser Sprache des Sehens.“

Dr. Ulrich Pohlmann, Kurator, Münchner Stadtmuseum/Sammlung Fotografie und Ballen-Experte, gab einen kurzen aber prägnanten Einblick in die Biografie des Künstlers. „Die Kunst Roger Ballens ist nicht einzuordnen. Trotz seiner internationalen Anerkennung, wird seine Kunst in seinem Land Südafrika immer noch als Provokation wahrgenommen.“ Kurz und sehr informativ führte Dr. Pohlmann durch das Leben und die Kunst von Ballen. „Bereits in seiner Kindheit ging der Fotografie-Pionier, der bekannte Henri Cartier-Bresson in seinem Elternhaus ein und aus. Das war sicher eine sehr inspirierende Begegnung für den jungen Ballen.“

Während Roger Ballen in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts seine Fotografien in den so genannten Dorps (kleine, ländliche Ansiedlungen in Südafrika) durch vor allem architektonische Motive der Häuser und Kirchen bewusst neutral hielt, zeigte er im Anschluss daran vor allem die Menschen, die dort leben. Dabei zeigte er auch die Abgründe des damaligen politischen Systems der Apartheid auf. Diese Arbeiten zeigen eine Mischung aus Aberglauben, Misstrauen und latenter Gewaltbereitschaft.

Ab den 90er Jahren vermitteln Ballens Bilder ein Gefühl von Voyeurismus. Einblicke in eine Welt, die selbst den Menschen in Südafrika mehrheitlich nicht bekannt ist. Sie überlassen den Betrachter in einem Gefühl des sich Fremdschämens. Sie zeigen Insassen psychiatrischer Einrichtungen, Außenseiter und Ausgegrenzte oder Psychogramme in Form von Familienbildern. Ballens Fotografie begleitete und beschrieb den Niedergang des Apartheidsystems – nicht durch politische, sondern durch psychologische Bilder.

Seine nachfolgenden Arbeiten seit 2000 bestechen mit noch mehr psychologischen Aussagen. Roger Ballen, der sich immer noch ausschließlich der analogen Fotografie widmet, lässt in seinen aktuellen Arbeiten Gesichter immer mehr verschwinden und konzentriert sich dafür auf Körperteile, die wie Symbole scheinen. „Für Ballen, der seine Werke gerne mit ‚Power Pictures of Mind‘ umschreibt, sind die Fotografien, die nicht mit Hilfe der Gesetze der Logik entschlüsselt werden können, die Wertvollsten“, erläuterte Dr. Pohlmann. Der Künstler selbst gab in einer nachfolgenden Gesprächsrunde kurze wie nachhaltige Antworten. Was es für ein Gefühl sei, wenn er arbeitet, so eine der Fragen. „Es ist wie wenn plötzlich eine alles erhellende Sternschnuppe auftaucht. Sie strahlt und erhellt und dann verschwindet sie wieder und man ist wieder von der Dunkelheit umgeben. Dann muss man sich wieder auf seine eigene Suche konzentrieren“, antwortete Roger Ballen. „Warum arbeitet er so, wie er es tut“, lautete eine weitere Frage? „Weil ich es tue“, strahlte der ansonsten sehr zurücknehmende Künstler, der kürzlich als bester Fotograf des Jahres ausgezeichnet wurde.

Die Ausstellung ist bis zum 22. Juni in den Räumen des Kunst- und Kulturzentrums in Monschau, Austraße 9, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten sind: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 17 Uhr.

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