Bestattungskultur: Vom Baumgrab bis zum Aschestreufeld

Von: Peter Stollenwerk
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Pastor Karl Schnitzler aus Kalterherberg sieht einen starken Wandel in der Bestattungskultur. Der Kirche obliege inzwischen auch nicht mehr das Alleinstellungsrecht, sagt er. Foto: P. Stollenwerk
Bestattung Baum
Alternative Bestattungskultur: Wie bereits vielerorts üblich, gibt es auch auf dem Friedhof in Monschau die Möglichkeit der Baumbestattung auf einem pflegefreien Gemeinschaftsfeld.

Monschau. Die Auswahl ist groß: Soll es ein pflegefreies Urnengemeinschaftsgrab mit Grabliegekissen, eine pflegefreie Urnenreihengrabstätte mit liegender Gedenktafel, eine halbanonyme Grabstätte, ein Aschegrabfeld, ein Baumgrab oder doch lieber eine klassische Erdbestattung sein?

Wer sich in der heutigen Zeit mit dem Thema Tod beschäftigt - und der Totensonntag wäre ein gegebener Anlass -, der kommt an diesen existenziellen Fragen nicht vorbei. Die sogenannte Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren in der Nordeifel rapide gewandelt. Allein auf dem Friedhof in Höfen gibt es inzwischen 13 unterschiedliche Angebote bei den Bestattungsformen. Sogar eine muslimische Bestattung, bei der der Verstorbene in Gebetsrichtung nach Mekka niedergelegt wird, ist hier möglich.

Trauerpastoral auf der Agenda

Spürbar werden die Veränderungen der Bestattungskultur auch in den Gemeinden. Die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Monschau reagiert auf den gesellschaftlichen Richtungswechsel und in diesem November steht folgerichtig das Thema Trauerpastoral auf der Agenda. Pfarrer Karl Schnitzler hat in einem dazugehörigen Papier einige Denkansätze ausgearbeitet, die sich auch mit der veränderten Rolle der Kirche beschäftigen: „Inhaltlich möchte die Kirche als Volk Gottes dabei den Schmerz und die Trauer der Angehörigen eines Verstorbenen wahrnehmen und ihnen beistehen. Sie möchte die Realität von Tod und Sterben sehen und nicht verdrängen, aber das Alleinstellungsrecht der Kirche ist fraglich geworden.“

Pastor Karl Schnitzler, Subsidiar in der GdG Monschau und ein erfahrener Seelsorger bei der Trauerpastoral, glaubt, dass die Veränderungen in der Bestattungskultur auch mit dem veränderten gesellschaftlichen Stellenwert der Familie zusammenhängen. „Der Generationenvertrag hat sich aufgelöst“, stellt der 77-Jährige fest.

Noch eine weitere erstaunliche Feststellung hat der Seelsorger gemacht: Von der älteren Generation sei die Initiative ausgegangen, dass man den Hinterbliebenen nicht die jahrzehntelange Pflege von Grabstätten habe auferlegen wollen. Andererseits sei auch generell eine Tendenz in der Gesellschaft zu beobachten, dass die Menschen viel stärker als früher zur Individualisierung neigten. Und letztendlich, so Schnitzler, „spielt auch die Kostenfrage eine Rolle“.

Würdiger Umgang mit den Formen

Die Erdbestattung mit den Exequien habe vor rund 25 Jahren noch außerhalb jeder Diskussion gestanden, erinnert sich Schnitzler zurück an die Zeit, als er 1992 als Gemeindepfarrer nach Kalterherberg kam. Den Wechsel zu alternativen Bestattungen hat Karl Schnitzler als „Übergang ohne Schwierigkeiten“ empfunden. Als Seelsorger sehe er sich in der Verpflichtung, mit allen Bestattungsformen einen würdigen Umgang zu finden und sie gleichzusetzen, auch wenn Verabschiedungsfeiern inzwischen immer häufiger ohne liturgische Handlungen auskommen würden.

Nach wie vor sei es ihm ein wichtiges Anliegen, bei einer Verabschiedungsfeier den Verstorbenen auch persönlich zu würdigen und eine entsprechende Wertschätzung vorzunehmen. Eine Ausnahme sei nur, wenn eine Person in der Anonymität verschwinden soll. „Da liegt für mich die Grenze.“ Karl Schnitzler: „Für mich ist es entscheidend, dass es einen erfahrbaren und konkreten Ort für den Toten gibt, einen Platz, wo die Trauernden hingehen können.“

Es komme inzwischen regelmäßig vor, dass die Angehörigen keine Eucharistiefeier mehr wünschten, sondern nur noch einen Wortgottesdienst. Zudem würden immer mehr Laien Verabschiedungsfeiern übernehmen. Als Seelsorger müsse man die veränderten Prioritäten akzeptieren und erkennen, „dass heute der Bestatter die erste Kontaktperson für die Angehörigen ist, wo eventuell noch verbliebene Unsicherheiten geklärt werden“. Die Bestattung in Verbindung mit einer heiligen Messe sei künftig nur eine von vielen Möglichkeiten.

Mit der veränderten Bestattungskultur ändert sich auch der Stellenwert der Friedhöfe. Deren Funktion als sozialer Treffpunkt werde sicherlich zurückgehen, sagt Karl Schnitzler, und mit Interesse werde er verfolgen, ob die Angehörigen später noch ihre Toten auf den Gemeinschaftsfeldern besuchen würden.

Persönlich und mit Botschaft

Schließlich gehört für den Seelsorger neben persönlicher Zuwendung zur Bestattung auch die österliche Botschaft als wichtiger Inhalt bei der Trauerpastoral. Karl Schnitzler: „Die Antwort der Kirche ist das Gebet.“

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