Beruf und Familie vereinbaren: Urlaub wird zum Problem

Von: Heiner Schepp
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Annett und Uwe Thelenberg aus Rollesbroich sind berufstätig und deshalb auf Betreuungsangebote für ihre Kinder Charlin (5), Amadeo (7) und Maximo (9/hinten) angewiesen. Wenn die Eltern jedoch ihre Urlaubstage für die Nachmittagsbetreuung aufwenden müssen, bleibt kaum noch Zeit für gemeinsamen Urlaub. Foto: H. Schepp

Rollesbroich/Nordeifel. Zwei Zahlen zeigen das ganze Dilemma auf einen Blick: 59 Ferientage haben die Schulen in NRW in diesem Jahr – ohne Feiertage, Brückentage und bewegliche Ferientage. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer erhält im Jahr 30 Tage Jahresurlaub.

„Das kann nicht funktionieren, wenn beide Partner berufstätig sind und keine Familie im Hintergrund haben“, sagt Annett Thelenberg aus Rollesbroich, Mutter von drei Kindern und im Controlling bei der Firma Grünental in Aachen beschäftigt. Wie sie ihre Urlaubstage 2016 verplanen sollen und vor allem wie und wo ihre schulpflichtigen Kinder Charlin (5), Amadeo (7), Maximo (9) dann betreut werden sollen, wissen Annett Thelenberg und ihr Mann Uwe beim besten Willen noch nicht. „Ich habe hier in der Eifel keine Unterstützung durch die Familie und bin somit auf eine öffentliche Ferienbetreuung angewiesen“, sieht die Rollesbroicherin den Gesetzgeber in der Pflicht: „Bei den Kindergärten klappt das in unserem Falle wunderbar, weil die Kinder während der Schließzeiten ‚ihrer‘ Kita eine andere Einrichtung besuchen können; bei den Schulen aber leider überhaupt nicht!“

Sehr wohl erkennt die 40-Jährige die Bemühungen der Gemeinde Simmerath, der Stadt Monschau und des Jugendamts der Städteregion Aachen in diesem Bereich an, die in den vergangenen Jahren immer mehr Ferienbetreuungsangebote geschaffen haben (s. weiteren Bericht). Zumindest im Falle von Familie Thelenberg aber sind auch damit noch nicht alle Betreuungslücken zu schließen. „Man hört so viel über positive Veränderungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie – leider ist die Realität aber immer noch weit entfernt vom Ziel der ‚Vereinbarkeit‘ – zumindest bei uns in der Städteregion Aachen“, wandte sich Annett Thelenberg deshalb nun an Jugendhilfeträger und auch die Öffentlichkeit.

Die Gemeinde Simmerath bietet in diesem Jahr über den Trägerverein der Offenen Ganztagsschule zum dritten Mal eine zweiwöchige Ferienbetreuung für Grundschulkinder im Pfarrheim in Strauch an. 110 Kinder, überwiegend solche, die zu Schulzeiten die OGS besuchen, kannten in den Sommerferien 2015 keine Langeweile und zeigten mit der großen Nachfrage den Bedarf eines solchen Angebots auf. In Monschau besteht ein solches Angebot schon seit 2011 (damals übrigens auf Antrag des Bürgerforums 21) und greift noch weiter: Drei Wochen werden hier die Kinder in den „großen Ferien“ betreut, zusätzlich je eine Woche in den Oster- und Herbstferien.

Auch dieses Angebot wurde vornehmlich für gemeldete Monschauer Ganztagsschulkinder eingerichtet, jedoch kamen immer auch Nicht-OGS-Kinder und Teilnehmer aus den Nachbarkommunen in den Genuss der Betreuung. „Wir waren dabei bisher immer in der glücklichen Lage, kein Kind abweisen zu müssen“, sagt Britta Lambertz vom Förderverein Ferienfreizeit Monschau e.V. Allerdings habe man mehrmals auch die selbst gesetzte Höchstzahl von 50 betreuten Kindern „nicht ganz so eng gesehen“, sagt Lambertz, was aber in enger Abstimmung mit Marita Delvenne, seit der ersten Maßnahme 2011 sehr engagierte Leiterin des Angebots, geschehe.

Noch länger, nämlich schon seit 2008 hat das Jugendamt der Städteregion Aachen, seinerzeit initiiert von Jugendpfleger Ralf Pauli, großen Erfolg mit dem Kindermitmachzirkus – früher „Zappzarap“, mittlerweile „Soluna“. Hier sind die Kinder in den Sommerferien zwar „nur“ eine Woche ganztags betreut, dafür gibt es hier aber 150 Plätze, die meist schnell nach Anmeldebeginn belegt sind. Hier, wie auch bei den beiden anderen Angeboten, die das Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung (A 51) mitträgt, sieht Jugendpfleger Pauli aber inzwischen ein anderes Problem immer stärker auftreten, nämlich die Gewinnung von Betreuungskräften.

Familie Thelenberg hat sich nun auch schon für die Angebote in der Nachbarkommune angemeldet und erwartet die Anmeldetermine für die städteregionalen Angebote, obwohl „diese eigentlich noch früher bekannt gemacht werden müssten, weil viele Firmen die Urlaubspläne bis Dezember haben wollen“, wie Uwe Thelenberg anmerkt. Wenn man die – nach Auffassung der Thelenbergs – „raren Plätze“ ergattern kann, kommt das nächste Problem, nämlich den gemeinsamen Urlaub der Familie „drum herum“ zu planen.

„Es wird uns nicht gelingen, eine flächendeckende Betreuung in den schulischen Ferien zu ermöglichen“, sagt Ralf Pauli, der mit dem Jugendamt für die Erstellung des sogenannten Sommerferienplaners 60 Träger angeschrieben, aber nur wenig Rückmeldung bekommen hat. „Weil viele Träger von Ferienmaßnahmen und -spielen – auch aus Versicherungsgründen – nur geschlossene Veranstaltungen für ihre (Vereins-) Mitglieder anbieten“, sagt Pauli.

Für Familie Thelenberg wird das Jonglieren mit Urlaubs- und Ferientagen also weitergehen und noch verschärfen, wenn aus dem Vorschulkind Charlin nächsten Sommer ein Schulkind wird.

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