Belgische Maut schon in Roetgen bezahlen

Von: Andreas Gabbert
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An der B 258 in Roetgen steht zwar ein belgisches Mautterminal, auf dem belgischen Teilstück zwischen Konzen und Fringshaus wird aber keine Maut fällig. Foto: A. Gabbert
Roetgen
Das Mautterminal in Roetgen an der B 258 wirkt wie eine Mischung aus einem Geld- und einem Parkautomaten.

Roetgen/Brüssel. Das Thema „Maut“ beschäftigt auch die Menschen im benachbarten Belgien. Dort soll am 1. April 2016 ein Mautsystem für Lkw über 3,5 Tonnen an den Start gehen. Schon seit Wochen werden an den belgischen Straßen Brücken mit Kameras und Lesegeräten für ein satellitengestütztes Mautsystem wie in Deutschland installiert.

Hinweise auf das geplante Mautsystem finden sich aber auch schon auf der deutschen Seite der Grenze, so zum Beispiel an der B258 in Roetgen, gegenüber dem Vennhof. Dort wurde jetzt ein neues Terminal aufgestellt. Es wirkt wie eine Mischung aus einem Geld- und einem Parkautomaten. „Satellic“ und „Viapass“ ist auf dem Gehäuse zu lesen. „Viapass“ ist der Name des Mautprojektes. „Satellic“ der Name des Betreibers des Mautsystems, und bei dem Terminal handelt es sich um einen Servicepunkt für das geplante Mautsystem.

Da liegt der Gedanke nahe, dass die Maut auch auf dem belgischen Teilstück der B258 zwischen Fringshaus und Konzen erhoben werden könnte. „Das wird aber nicht der Fall sein“, sagt Klaus Willems aus Eupen.

Der ehemalige Polizist hat sich als Experte für den Lkw-Verkehr in Belgien einen Namen gemacht. Er bietet Aus- und Weiterbildungsseminare im Transportsektor an und wurde von verschiedenen Gerichten und Staatsanwaltschaften in Belgien als Sachverständiger bestellt. Mit dem Zentrum für Aus- und Weiterbildung Eupen bietet er Informationsveranstaltungen zur geplanten Maut in Belgien an. Es handele sich um einen reinen Servicepunkt für die Lkw-Fahrer, sagt Willems. In der Grenzregion werde künftig nur auf Autobahnen und zwei Regionalstraßen eine Maut erhoben. Bei den Regionalstraßen handele es sich um die N62 von St. Vith zur luxemburgischen Grenze und die N3 von Aachen über Kelmis nach Lüttich, auf der jetzt schon eine Eurovignette Pflicht sei. Das ist auch auf den Übersichtskarten erkennbar, die unter www.viapass.be heruntergeladen werden können.

Von diesen Servicepunkten gibt es insgesamt zehn auf deutschem Gebiet. Eine Übersichtskarte ist unter www.satellic.be zu finden. Demnach ist einer der Servicepunkte in Monschau geplant, auf der Karte ist er aber noch mitten in einem Waldgebiet angesiedelt. Auf der Karte finden sich in der näheren Umgebung ein weiterer Servicepunkt in Hellenthal, einer an der Autobahn in Lichtenbusch und eben in Roetgen an der B258.

Für Lkw ab 3,5 Tonnen mit Motoren der Euro-O-Norm fallen künftig 14,6 Cent pro Kilometer an. Für umweltfreundliche Fahrzeuge mit der Euro-6-Norm müssen 7,4 Cent pro Kilometer bezahlt werden. Wer künftig mit einem Lkw über 3,5 Tonnen auf den mautpflichtigen Straßen in Belgien unterwegs ist, braucht außerdem eine sogenannte „On Bord Unit“ (OBU). Diese OBU registriert mit Hilfe von Satellitentechnologie, welche Entfernung der Lkw auf welcher Straße zurücklegt. Die Anzahl der gefahrenen Kilometer wird dann an ein Verarbeitungszentrum übermittelt, wo anhand der geltenden Tarife eine Rechnung erstellt wird.

Satellic hat die Nutzerregistrierung und die Ausgabe der On Bord Units am 1. Oktober gestartet. Bestellt werden können diese Geräte über die Internetseite www.satellic.be. Außerdem sind sie an den Servicepunkten wie in Roetgen an der B 258 erhältlich. Dafür müssen die Fahrzeugdaten (Kennzeichen, Fahrgestellnummer, die Euro-Emissions-Klasse und das zulässige Gesamtgewicht) und Informationen zum Fahrzeughalter über einen Touchscreen eingegeben werden, die Fahrzeugdokumente müssen gescannt und eine Kaution in Höhe von 135 Euro bezahlt werden.

Fahrer, die Belgien verlassen, können ihre On Bord Unit an einem Verteilungspunkt wieder abgeben, worauf die Abrechnung erfolgt und die Fahrer ihre Kaution zurück erhalten. „Das sollte man aber nur bei einmaligen Fahrten machen. Wer regelmäßig in Belgien unterwegs ist, sollte die OBU behalten“, rät Willems. Sonst müsse das Fahrzeug immer wieder neu registriert werden. „Die OBU kann immer nur mit dem registrierten Fahrzeug genutzt werden“, sagt Willems. Andernfalls müsse das eine Fahrzeug abgemeldet und das andere angemeldet werden.

Wer auf Mautstraßen nicht bezahlt, kann mit Hilfe von Erkennungsgeräten aufgespürt werden. Zuwiderhandelnde erhalten eine Geldbuße oder werden von einem Kontrollteam abgefangen und müssen sofort den vorschriftsmäßigen Zustand herstellen. „Bestraft wird das mit einem Bußgeld in Höhe von 1000 Euro“, sagt Willems.

Was die Einführung der Maut für eine Spedition in Grenznähe bedeutet, erläutert Thomas Palm aus der Geschäftsführung der Spedition Hermanns & Kreutz in Kalterherberg. „Mindestens zehn unserer Fahrzeuge legen täglich jeweils 400 Kilometer in Belgien zurück. Bei 240 Arbeitstagen und einem Tarif von 12,8 Cent pro Kilometer kommen jährlich rund 123.000 Euro zustande. Das müssen wir jetzt mit unseren Kunden verhandlen. Die Kalkulation wird dadurch nicht einfacher“, sagt Palm.

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