Beklemmende Erlebnisse im Bunker

Von: P. St.
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Die noch gut erhaltenen Bunkeranlagen im Buhlert sollen im Rahmen des Leader-Projektes „Archäologische Landschaft” wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Im Jahr 1938 ist der Bunker mit der Nummer 139/40 im Buhlert im Rahmen des Limes-Programms erbaut worden. 70 Jahre später ist im wahrsten Sinne des Wortes Gras über das mächtige Betonbauwerk mitten im Wald gewachsen, aber ansonsten hat sich das wuchtige Verteidigungsmonument aus dem zweiten Weltkrieg kaum verändert.

Weniger als 100 Bunker von einst 3300 Anlagen des Westwalls in Nordrhein-Westfalen sind erhalten.

Und wenn man die tief in der Erde liegenden kleinen Festungen mit bis zu drei Meter starken Betonwänden betritt, dann kehrt auf eine beklemmende und direkte Weise die jüngste Geschichte ins Bewusstsein zurück, selbst wenn man den Krieg nicht erlebt hat.

20.000 Westwallbunker

Der Westwall mit insgesamt 20.000 Bunkern zwischen niederländischer Grenze und der Schweiz ist auch heutzutage noch ein authentisches Zeugnis der NS-Diktatur, und teils übereifrigen Sprengaktionen nach dem Krieg ist heute eine neue Betrachtungsweise gefolgt.

Höckerlinien und Bunker gelten als regionaltypische archäologische Denkmäler, denen man sogar einen touristischen Reiz nicht absprechen kann.

Das Amt für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat sich auch daher der Bestandsaufnahme und Aufbereitung von Bodendenkmälern unter dem Projekt „Archäologische Landschaft Nordeifel” angenommen.

Bei einem Ortstermin im Buhlert erläuterte LVR-Projektleiterin Dr. Ulrike Müssemeier jetzt das Vorhaben. Infotafeln und Wegweiser sollen die Bunker im Buhlert erlebbar machen. Finanziert wird es im Rahmen des touristischen Leader-Projektes.

Der bereits ausgeschilderte Westwallweg hinunter nach Simonskall führt direkt an den Bunkern vorbei.

In der Nordeifel wurden 24 Denkmäler (von der 300.000 Jahre alten Kakushöhle bei Mechernich bis zu den Westbunkern aus jüngster Zeit) in 13 Kommunen ausgewählt, um regionale Geschichte erlebbar zu machen, die archäologische Landschaft zu vernetzen und regionaltypische Schwerpunkte zu setzen.

Der Gesamtumfang des Projektes beträgt 170.000 Euro. 40.000 Euro kommen aus dem Leader-Programm der EU, 8000 Euro vom LVR und 60.000 Euro teilen sich die Kommunen.

„Ohne den Westwall wäre Hitler 1939 nie in Polen eingefallen”, macht Ulrike Müssemeier deutlich, welche massive abschreckende Wirkung die Verteidigungslinie im Westen auf die gesamte Welt ausübte.

Der Bunker 139/40 ist im Rahmen der zweiten Ausbauphase entstanden. In direkter Nähe befinden sich weitere gute erhaltene Bunkeranlagen, die alle in Richtung Vossenack ausgerichtet sind.

Hier tobte, praktisch nur einen Steinwurf entfernt, die Schlacht im Hürtgenwald, und die Bunker im Buhlert waren im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen, direkt in das Kampfgeschehen gegen Ende des zweiten Weltkrieges eingebunden.

Bei Artilleriebeschuss konnten sich ein paar Dutzend Soldaten in einen Bunker zurückziehen. „Da hockten die Soldaten, die den Befehl hatten, den Bunker nicht zu verlassen, dann wie in einer Mausefalle, wenn der Feind sich näherte”, erläutert Ulrike Müssemeier die Realität des Bunkerlebens, die sich auch heute noch dem Besucher erschließt, wenn er sich durch den engen Einstieg gezwängt hat und sich in der von der Kälte des Betons umschlossenen Räumen wiederfindet.

Simmeraths Bürgermeister Hubert Breuer, gleichzeitig Vorsitzender der lokalen Arbeitsgruppe beim Leader-Projekt, unterstrich beim Ortstermin, dass gerade bei der Aufarbeitung dieser Bodendenkmäler eine besondere Sachkunde und historische Sensibilität gefordert sei. Daher finde das Projekt des Landschaftsverbandes auch die volle Unterstützung der Kommunen.
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