Nordeifel - Beispiel Wasseramsel: Wie der Mensch die Natur beeinflusst

Beispiel Wasseramsel: Wie der Mensch die Natur beeinflusst

Von: Günter Krings
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Jagende Wasseramsel. Foto: Günter Krings

Nordeifel. Einst, vor mehr als 2000 Jahren, war unsere Heimat von riesigen, unüberschaubar großen Wäldern bedeckt, die sich fast nur aus Buchen und Eichen zusammensetzten. Fichten waren überhaupt nicht vorhanden, wohl natürlich Birken, Ahorn, Eschen, Ebereschen und andere Strauchgehölze. Wiesen oder andere freie Flächen gab es nicht, lediglich Kahlschläge, wenn Bäume altersbedingt starben oder vom Sturm umgeblasen wurden.

Wenn man nun versucht, sich vorzustellen, welche Vögel damals in diesen Wäldern lebten, dann waren es wohl in der Tat nur Waldvögel: alle Meisenarten, Kleiber, Baumläufer, Baumpieper, einige Spechtarten, Dohlen, Sperber, Habicht, Schwarzstorch, Waldkauz und andere Eulen, diverse Taubenarten, an der Rur vielleicht einige Enten, bestimmt Wasseramseln, Gebirgs- und Bachstelzen und sicherlich noch eine ganze Reihe anderer Vogelarten.

Nicht vorhanden in diesen Waldgebieten waren mit Sicherheit Sperlinge, Feldlerchen, Rebhühner, Schwalben und andere Feld- und Wiesenvögel.

Unser Gebiet war eine einzige undurchdringliche Naturlandschaft, die nirgendwo vom Menschen beeinflusst oder verändert worden war. Das änderte sich dann aber so ganz allmählich. Die Römer waren die Ersten, die Hand an die Naturlandschaft anlegten: Sie bauten Straßen, und nach spärlichen archäologischen Befunden wurden erste römische Bauernhöfe in unserer Region mit Feldern und Wiesen angelegt.

Vom Wald zur Kulturlandschaft

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches nahm der Wald wieder Besitz von den wenigen römischen Wohnstätten. Ab der Zeit der Karolinger, also circa 800 n. Chr., wurden im Verlauf des Mittelalters immer mehr Wälder gerodet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Die ursprüngliche Naturlandschaft wurde vom Menschen langsam, aber sicher in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Es gab dann wohl später nicht mehr einen Quadratmeter Land, den der Mensch nicht in irgendeiner Weise umgestaltet hatte.

Und in diese Kulturlandschaft rückten nun Vögel und andere Tiere vor, die es bis dahin nicht in unserer Region gegeben hatte. Seit dieser Zeit wurde die Natur ständig vom Menschen geändert und umgewandelt und wird auch weiterhin umgestaltet werden.

In einigen Beiträgen sollen solche Veränderungen in unserer Heimat in den letzten Jahrzehnten dargestellt werden.

Wenn sich die Kulturlandschaft wandelt, ändert sich zwangsweise auch deren Natur. Es wird heute häufig darüber berichtet, dass es weitaus weniger Vögel in Deutschland und anderen Ländern Europas gibt als vor 50 Jahren. Die Anzahl der verschiedenen Vogelarten hat zwar zugenommen, aber die Anzahl der Vögel hat erheblich abgenommen. Da wir in einer reinen Kulturlandschaft wohnen, kann die Ursache nur der Mensch sein, der diese Landschaft völlig verändert hat. Dazu das Beispiel der Wasseramsel.

Die Rur war bis ins hohe Mittelalter ein sauberer Gebirgsbach mit der dafür üblichen Fauna und Flora, die hier nicht aufgeführt werden kann Monschau war eine kleinere Ansiedlung um die Burg. Das änderte sich, als Tuchfabrikkanten sich hier niederließen und Fabriken und Wohnhäuser bauten, so dass die Stadt irgendwann rund 3000 Einwohner zählte. Die Fäkalien dieser Menschen wurden alle in die Rur entsorgt, was erst in den 1980er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Anlage einer Kanalisation geändert wurde. Dazu kamen noch die Abwässer der Fabriken: Waschen und Färben der Tuche verschmutzten das Wasser zusätzlich. Das Wasser der Rur war also ziemlich verschmutzt und nicht mehr trinkbar. Aber wer nun glaubt, die Rur sei ein toter Fluss gewesen, der irrt sich.

Die Fäkalien zerkleinerten sich im Wildbach schon nach wenigen hundert Metern und waren ein gefundenes Fressen für Kleinstlebewesen, die wiederum von Wasserinsekten und kleinen Fischen gefressen wurden, die wiederum von größeren Fischen, so dass noch im 19. Jahrhundert Fischotter in der Rur gelebt und gejagt haben. Diese Situation änderte sich mit dem Bau der Kläranlagen. Eine gute Naturbeobachterin aus Hammer berichtete schon in den 1980er Jahren, dass es kaum noch Kleinfische in der Rur gäbe. Kleinstlebewesen, Wasserinsekten und Kleinfische fanden keine Nahrung mehr und damit auch nicht die Wasseramseln, die in der Hauptsache von Wasserinsekten leben.

Bei früheren Untersuchungen wurden an der Rur zwischen Dedenborn und Obersee bis zu elf Wasseramseln gezählt, heute ist man froh, wenn man eine einzige findet. Diese Vogelart wird an der Rur und ihren Nebenbächen zwar nicht aussterben, aber die Reviere der Wasseramselpaare sind größer geworden, weil nicht mehr so viele Insekten im jetzigen Rurwasser leben können. Man muss wohl konstatieren, dass die Qualität des Rurwassers wieder das Niveau des ursprünglichen Gebirgsflusses erreicht hat.

Dass es bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ziemlich viele Wasseramseln in der Rur gab, ist also auf die Aktivitäten des Menschen zurückzuführen. Und dass es jetzt nicht mehr so viele Wasseramseln an der Rur gibt, ist ebenfalls auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Die Kulturlandschaft ist durch den Menschen geschaffen und wird sich immer wieder je nach den Bedürfnissen und Befindlichkeiten der Menschen verändern und damit auch deren Natur.

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