Aachen/Roetgen - Beim Wind herrscht politische Stille

Beim Wind herrscht politische Stille

Von: stm/ess
Letzte Aktualisierung:
Welche Auswirkungen haben neue
Welche Auswirkungen haben neue Windkraftanlagen in Aachen - wie hier im Münsterwald? Dazu wurden im Aachener Umweltausschuss drei Gutachten vorgestellt. Diskutiert wurde darüber aber nicht. Die Politik hatte es vorher so verabredet. Die auf diesem Bild noch fehlenden roten Markierungen an den Rotorenblättern sind mittlerweile übrigens „eingearbeitet” worden. Simulation: Ingenieur- und Planungsbüro Lange

Aachen/Roetgen. Bei der Sitzung des Umweltausschusses herrschte geradezu Besucherandrang. Rund 50 Bürger - ungewöhnlich für eine Ausschusssitzung - waren gekommen, weil es um das Thema neue Windkraftanlagen in Aachen ging - und das gleich in Form dreier Gutachten.

In allen Bereichen, wo diese insgesamt 16 Anlagen entstehen sollen - also im Münsterwald bei Roetgen und im Aachener Norden - gibt es Bürgerinitiativen gegen die Neubauten.

Den Weg zur Sitzung hätten sich die Bürger allerdings sparen können. Denn die Politik hatte sich vorher verabredet, jedoch nicht um weiter zum Thema zu diskutieren, sondern um sich die Gutachten von ihren Erstellern präsentieren zu lassen. Als Konsequenz gingen denn auch einige Besucher nach kurzer Zeit wieder.


Ausschussvorsitzende Sabine Göddenhenrich (Grüne) begründete das kollektive Schweigen damit, dass zu wenig Zeit gewesen sei, die vorliegenden Gutachten im Detail zu studieren. Überdies wolle man lieber in die Diskussion eintreten, wenn alle - auch die noch ausstehenden Expertisen - auf dem Tisch lägen.


In der Folge wurde dann ziemlich lange vorgetragen, was ohnehin für jedermann im Internet bereits seit geraumer Zeit nachzulesen ist und interessierte Bürger zum Teil auch selbst als Ausdrucke mitgebracht hatten. Es ging um die Auswirkung neuer Windanlagen auf das Landschaftsbild, auf die Tierwelt und auf die Grundstückspreise.

Alle drei Expertisen kommen wie berichtet zu dem Ergebnis, dass die geplanten Windkraftanlagen - ob im Süden oder Norden - vertretbar seien. Die Politik tat das, was sie sich vorgenommen hatte - sie nahm die Ausführungen einstimmig zur Kenntnis (wobei man Kenntnisnahme schlecht ablehnen kann). Das wars.

Zumindest fast. Denn zwischendurch hatte noch Klaus Meiners als stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt das Wort ergriffen. Es ging um die Panne, die beim Gutachten zum Landschaftsbild passiert war. Erst durch den „sachkundigen Bürger” (Meiners) Rainer Ständer aus der Eifelgemeinde Rott war man aufmerksam geworden auf einen gravierenden Fehler. In allen Simulationen dieses Gutachtens fehlen rote Warnmarkierungen an den Rotorenblättern, die die Auswirkungen auf das Landschaftsbild deutlich beeinflussen können. Im Gutachten hatte es geheißen, die Stadt wolle auf die Markierungen verzichten. Dabei sind sie ab 150 Meter Höhe vorgeschrieben - und die neuen Anlagen sollen gleich 185 Meter hoch sein. Der Gutachter hatte den Verzicht auf die Markierungen denn auch als Argument benannt, warum die neuen Anlagen seiner Ansicht nach „vertretbar” seien.

„Ich nehme diesen Fehler auf meine Kappe”, so Meiners in der Sitzung. Es habe Missverständnisse gegeben. Warum er die Verantwortung für den Fehler übernimmt, wird sein Geheimnis bleiben. Denn im Gutachten ist die Höhe der Anlagen mit 185 Metern genau benannt - weswegen sich die fehlenden Markierungen eigentlich hätten ausschließen müssen.

Mittlerweile, so Meiners, sei das Gutachten korrigiert und werde zeitnah in der neuen Version ins Internet gestellt. Die geänderte Grundvoraussetzung änderte allerdings nichts am Fazit des Gutachters, der auch in der Umweltausschusssitzung die neuen Anlagen als vertretbar einstufte.


Letzteres ist für Rainer Ständer, der die Stadt Aachen auf den Fauxpas hingewiesen hatte, „nicht nachvollziehbar”: „Im Gutachten war die rote Signalfarbe noch eine Rahmenbedingung, um die Anlagen im Münsterwald als vertretbar einzustufen, und jetzt wird so getan, als sei das im Prinzip alles nicht so wichtig und es wird einfach vom Tisch gewischt.”

Als „enttäuschend” bezeichnete Ständer, der selbst als Zuhörer bei der Sitzung war, deren Verlauf. Natürlich sei es der Politik gestattet, zu schweigen, aber „nur so da sitzen und gar nichts sagen, das schafft eine Menge Frust bei den Bürgern”, zumal etliche „Ungereimtheiten” nicht aus der Welt geschaffen worden seien. Das hätte man mit einem Frage-Antwort-Spiel erledigen können.

Sobald die vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen angekündigte Korrektur des Gutachtens ins Internet eingestellt sei, werde er sich damit intensiv auseinandersetzen, kündigte Rainer Ständer bereits an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert