Bei der MonschauerTafel gibt jeder, was er kann

Von: Heiner Schepp
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Jörg Krause, Dorothea Schreiber und Benno Weber vor ihrer morgentlichen Einsammel-Tour. Wichtig ist ihnen die Feststellung, „dass wir nur eibnes von vielen Teams und nur drei von über 50 Ehrenamtlern bei der Monschauer Tafel sind“. Foto: Heiner Schepp
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Jörg Krause und Benno Weber beim Vorsortieren der vom Lebensmittelmarkt abgegebenen Ware. Mal sind das drei Kisten, mal eine ganze Palette und manchmal auch gar nichts. „Wir sind dankbar für alles“, sagen sie. Foto: Heiner Schepp
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Dirk Küpper ist als Leiter des Lagers beim Real-Markt in Imgenbroich ein wichtiger und hilfsbereiter Ansprechpartner für die Tafel-Mitarbeiter. In seinem Büro hängt die „Vereinbarung zur unentgeltlichen Abgabe von Lebensmitteln“, die genau regelt, was Küpper den Sammlern mitgeben darf. Foto: Heiner Schepp
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Überschuss der Wohlstandsgesellschaft: In 99 Prozent der Fälle ist es völlig unbedenkliche Ware, die aus Haltbarkeitsgründen oder wegen eines Verpackungsschadens nicht mehr verkauft werden darf. Foto: Heiner Schepp
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Neben dem Verkaufsladen der Tafel in Imgenbroich befindet sich ein großer Kühlraum. Dieser ist Vorschrift, wenn eine Tafel auch Aufschnitt und Molkereiprodukte verkaufen möchte. Ein bis zwei Tage kann die Ware hier noch lagern. Foto: Heiner Schepp
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Nicht alles, was die Tafel-Mitarbeiter so sammeln, geht zur Ausgabestelle nach Imgenbroich. Auch einige Schulen in der Umgebung, die für die Ganztagsbetreuung selbst kochen, werden beliefert – so wie St. Ursula in Monschau, die Förderschule in Eicherscheid oder wie hier durch Benno Weber die Schwalbenschule in Kesternich. Foto: Heiner Schepp

Imgenbroich. „Dann mal los!“ sagt Dorothea Schreiber und klettert auf den Fahrersitz des kleinen Lastwagens. Ihre Beifahrer an diesem frostig-kühlen Wintermorgen schließen noch die Türen am Gebäude und am Lkw und gesellen sich zur Fahrerin, die sagt, wo es nun hingeht: „Erste Station: Lidl“.

Es ist 8.15 Uhr, und die Donnerstags-Team der „Einsammler“ unter den fast 50 Tafel-Mitarbeitern beginnt seine Schicht. Die Frühschicht an diesem Tag sind neben Dorothea Schreiber aus Strauch, der Mitgründerin der Monschauer Tafel, noch Benno Weber (70) und Jörg Krause (68), beide aus Monschau, beide Rentner und beide schon einige Jahre ehrenamtlich für die Tafel tätig.

„Ich habe damals in der Tageszeitung etwas über die Tafel gelesen und gleich gedacht: Das ist eine gute Sache, da könnte ich mitmachen, jetzt, da ich als Rentner viel Zeit habe“, erzählt Krause, der früher ein Restaurant besaß.

Auch seine Beschäftigung nach Übergang in den Ruhestand hat etwas mit Essen zu tun – aber auf ganz andere Art und Weise. Jörg Krause und sein Team sammeln Lebensmittel ein, die den Ansprüchen im Markt nicht mehr genügen. Auf den ersten Blick sind die Bananen und Äpfel, die in einer Kiste auf der Rampe beim Lidl in Imgenbroich auf ihre Abholung warten, einwandfrei.

„Aber wenn neue Ware eingetroffen ist, hat diese Vorrang beim Kunden und somit auch beim Verkäufer“, weiß Dorothea Schreiber und sagt: „Unsere Tafel schafft eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel. Wir sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte.“

Zehn Kisten lädt das Trio an diesem Morgen beim Lidl ein, Tomaten und Radieschen, kleinere Mengen Konserven und gleich drei Kisten mit Salatgurken, äußerlich völlig unversehrt. Einen Lieferschein gibt‘s nicht, nur eine kurze Quittung, was abgeholt wurde.

Dann geht die Fahrt weiter, in Imgenbroich hat der Tafel-Lkw auf 500 Meter drei Adressen, doch an diesem Morgen kann sich Fahrerin Dorothea Schreiber das Zurücksetzen an die Rampe des Netto-Marktes sparen – ein Mitarbeiter des Discounters teilt per Handzeichen mit, dass man heute nichts für die Sammler habe.

Beim benachbarten Aldi-Markt stehen immerhin drei Kisten mit äußerlich völlig einwandfreiem Obst an der Rampe. „Wir bekommen hier sonst das Zehnfache“, ist für Jörg Krause auch diese Ausbeute eher geringer als sonst. Man werde aber nie ein Klagen der Leute von der Tafel hören, selbst wenn es mal wochenlang nichts gäbe, beteuern die Drei. „Wir freuen uns über jede einzelne Kiste“, sagt Dorothea Schreiber.

Bei der nächsten Station gibt‘s für das Trio davon wieder eine ganze Menge. Lagerleiter Dirk Küpper „hat da mal was vorbereitet“, und Benno Weber und Jörg Krause kutschieren mit dem Einkaufswagen ganze Paletten Yoghurt, Quark und süße Desserts zur Rampe, wo Kollegin Schreiber alles auf die Ladefläche kramt. Beim Real gebe es im Durchschnitt am meisten, loben die Leute von der Tafel.

Die Fahrt geht nun weiter nach Simmerath, um 9.13 Uhr biegt der weiße Tafel-Lkw in die lange Einfahrt zur Ladezone des Lidl ein. Drei Kisten voll mit Salatgurken warten hier unter anderem, doch Benno Weber ist ganz sicher, „dass die an den mittlerweile drei Ausgabetagen weggehen“.

Warum der Discounter in einer Woche drei Kisten zu viel habe und in der nächsten keine einzige Gurke, „erschließt sich uns nicht und ist auch letztlich egal, weil wir ohnehin keine Vollversorgung leisten können“, betont Dorothea Schreiber.

Auch beim Rewe ist das, was auf der Rampe auf die Tafel-Mitarbeiter wartet, heute zwar eher wenig, dafür gehört aber eine ganze Kiste mit Brot und Brezeln dazu, die im Laden weggehen wie die sprichtwörtlichen warmen Semmeln. Die Bäckereien, die ebenfalls die Tafel unterstützen, werden erst nachmittags abgeklappert.

Nach dem kurzen Abstecher zur Grundschule Kesternich, die wie auch einige andere selbst kochenende Schulen in der Nordeifel ebenfalls Lebensmittel von der Tafel erhalten, ist die Donnerstags-Frühschicht kurz vor 10 Uhr wieder in Imgenbroich und trägt das Sammelgut in den Kühlraum.

Weber, Krause und Schreiber sortieren hier noch grob nach Haltbarkeitsdatum und optischem Eindruck, „den Rest macht das Verkaufsteam“, kündigt Jörg Krause die Helfer an, die um Mittag kommen und alles für die Ausgabe am Nachmittag vorbereiten.

Für das Donnerstags-Trio aber ist die Schicht beendet, „ich muss noch ein paar Sachen einkaufen“, verrät Benno Weber. Aber diesmal benutzt er den Vordereingang.

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