Nordeifel/Schmidt - Bedenken der Bürger nehmen Trianel in die Pflicht

Bedenken der Bürger nehmen Trianel in die Pflicht

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Auch vom Pumspeicherkraftwerk
Auch vom Pumspeicherkraftwerk Rursee betroffen: das Schilsbachtal. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel/Schmidt. Wenn das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee gebaut wird, dann ist auch die Frage zu klären, wie das Kraftwerk an das Stromnetz angeschlossen werden soll. Dazu gibt es ein so genanntes Raumordnungsverfahren, in dem geprüft wird, über welche Trasse die Anbindung erfolgen könnte.

Mitten auf der Trasse dürfte der Eifelort Schmidt liegen. Grund genug für den Nideggener Stadtrat, jetzt zu einer Sitzung nach Schmidt einzuladen, in der die Betreiber, die Trianel GmbH, die Pläne erläutern und sich den Fragen der Bürger stellen konnten. Gerade mal 30 Anwohner aus Schmidt hatten sich zu dieser Sondersitzung des Rates im „Schützenhof” eingefunden.

Drei derartige Projekte plant der Stadtwerke-Verbund Trianel derzeit parallel: am Rursee, im Kreis Höxter und in Thüringen. Im Sommer 2013, so Trianel-Sprecher Elmar Thyen, soll die Entscheidung fallen, welches der drei Projekte realisiert werden soll. Vermutlich erst im Jahr 2022 könnte das Wasserspeicherkraftwerk dann in Betrieb gehen.

Dass sich die Begeisterung über das Projekt in Schmidt in Grenzen hält, ist auch Trianel bekannt. SPD-Stadtverordneter Eduard Müllejans: „Wir dürfen mit dem Projekt keinen touristischen Totalschaden erleiden. Hier gehen die Lichter aus, wenn die Touristen ausbleiben.”

Seine Befürchtung: Wird das Wasser aus dem See gepumpt, könnte der Wasserspiegel um bis zu zwei Meter schwanken - das hätte spürbare Auswirkungen nicht nur für den Segelsport. Zudem muss in der Bauphase das Wasser der Talsperre teilweise komplett abgelassen werden. Mülle-jans: „Wenn Touristen einmal wegbleiben, kommen die nie wieder.”

„Natürlich ist Schmidt während der Bauphase der am meisten betroffene Ort. Deshalb versuchen wir auch, auf lokale Befindlichkeiten zu achten”, betonte Thyen bei der Diskussion um die Trassenführung. In Schmidt würde das Erdkabel nach derzeitiger Planung mitten durch den Ort laufen - parallel zur schon existierenden europäischen Gasleitung.

Anwohner Dieter Krapp fehlt es an einer Risikoanalyse für die Verlegung des Erdkabels. Immerhin handelt es sich um eine 380 Kilovolt-Leitung. Erhöhe sich dadurch die Bodentemperatur? Wie oft müsse das Kabel erneuert werden? Trete Strahlung auf? wollte der Anwohner wissen. Thyen: „Natürlich werden wir eine Unbedenklichkeitsprüfung nachweisen. Die Stadt kann natürlich auch eine Risikoanalyse fordern.”

Aussicht auf Gewerbesteuer

Genau das hat sie in ihrem Beschluss im Rahmen des Raumordnungsverfahrens auch mit großer Mehrheit getan. Versüßt hat Trianel den Stadtverordneten den Beschluss mit einem Ausblick. Auch wenn im Gesetzentwurf für die 380 kV-Leitungen von einer Konzessionsabgabe nicht die Rede sei, werde man sich dafür einsetzen. Und: Thyen schaffte es mit dem Köder Gewerbesteuer zu verblüffen. Neben Simmerath stünde auch Nideggen und Heimbach natürlich Gewerbesteuer zu. Über die Verteilung müsse man natürlich noch sprechen, Zahlen könne man auch noch nicht nennen.

Am kommenden Mittwoch, 17. Oktober, zieht es auch den Rat der Stadt Heimbach wieder aus dem Sitzungssaal hinaus. Im Haus des Gastes geht es um 19 Uhr ebenfalls um das PumpspeicherkraftwerkRursee. Dann wird das Unternehmen zu 60 weiterführenden Fragen der Verwaltung Stellung nehmen.

Man habe immer betont, dass man das Projekt nur mit der Region gemeinsam entwickeln werde. „Daher ist es wichtig, dass diese Fragen beantwortet werden, auch wenn wir mit einzelnen Betroffenen über den Stand dieser Fragen hinaus sind”, erklärte Trianel-Sprecher Elmar Thyen.

Vieles hat sich seit der ersten Vorstellung des Projekts konkretisiert. So geht man nun nicht mehr davon aus, während der Bauphase im Bereich des Staudammes ein Zwischenlager einzurichten. „Hauptflächen für Zwischenlager und Geräte werden am Oberbecken und in der Schilsbachbucht angeordnet”, heißt es in der bereits vorliegenden, schriftlichen Antwort. Klar scheint jetzt aber schon zu sein, dass auf die Heimbacher deutlich mehr Schwertransporte zukommen werden. Trianel schätzt, dass während der gesamten sechsjährigen Bauzeit rund 200 000 Massentransporte anfallen werden. Im Mittel ergeben sich laut Trianel bei einem Baubetrieb von fünf Tagen je Woche durchschnittlich 115 Massentransporte oder stündlich sieben Fahrzeuge in der Zeit von 7 bis 22 Uhr.

Gleichzeitig verweist Trianel auf die 200 bis 300 Monteure, die während der Bauphase in der Region untergebracht und verpflegt werden. Handwerkerleistungen würden ebenfalls bevorzugt an lokale Unternehmen vergeben.

Entschädigung und Marketingkonzepte

Auch wenn Trianel sich bewusst ist, dass es durch den Baubetrieb beim Pumpspeicherkraftwerk und die Absenkung des Wasserpegels zu spürbaren Einschränkungen für die Bevölkerung und die touristischen Einrichtungen am Rursee kommen wird, geht der Energieversorger aus Aachen davon aus, dass die langfristigen, und auch positiven Auswirkungen überwiegen werden - eine Einschätzung, die gleich mehrmals zu lesen ist.

Neben konkreten Entschädigungen für den Tourismus sollen für die Zeit des Baus Marketingkonzepte erarbeitet werden, die auch nach der eigentlichen Bauphase ein Miteinander von energetischer und wassersportlicher Nutzung ermöglichen. Hinsichtlich der Auswirkungen auf den Tourismus verweist Trianel auf einen Fachbeitrag auf der Homepage. Der Betrieb des Pumpspeicherkraftwerks habe demnach kaum Auswirkungen auf den Tourismussektor.

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