Roetgen - Bauplanung: Vorgehen sorgt für Unmut

Bauplanung: Vorgehen sorgt für Unmut

Von: Carsten Rose
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Das Schmiddenhaus: Der Abriss hatte vergangenes Jahr eine Debatte über die bauliche Entwicklung des Ortes ausgelöst, in die der Heimat- und Geschichtsverein weiterhin einbezogen werden will. Dessen Vertreter und die Politik haben unterschiedliche Ansichten über den künftigen Fahrplan der Gemeinde. Foto: Archiv/Stollenwerk
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Frank Martin (l.) und Rolf Wilden vom Heimat- und Geschichtsverein beklagen eine fehlende Diskursbereitschaft der Verwaltung. Foto: Rose

Roetgen. Der Abriss des Schmiddenhauses mit dem markanten Türmchen an der Bundesstraße in Roetgen hatte im Sommer 2014 eine Diskussion über die bauliche Entwicklung des Ortes ausgelöst. Um diese regionaltypisch und qualitätsvoll zu gestalten, haben Gemeindeverwaltung und Politik sich darauf verständigt, fachkundige Expertise aus dem Städtebau einzuholen und im Schulterschluss mit ortskundigen Akteuren wie dem Heimat- und Geschichtsverein eine nachhaltige Gestaltung der Gemeinde zu planen.

So sehen es Frank Martin, ehemaliges SPD-Ratsmitglied, und Rolf Wilden vom Heimat- und Geschichtsverein. Durch eine von Bauamtsleiter Dirk Meyer einberufene nicht öffentliche Sitzung am 22. Januar sehen sie sich nun vor den Kopf gestoßen und das Versprechen einer Beteiligung am Entwicklungsprozess gebrochen. Martin und Wilden befürchten, das künftige Ortsbild werde „öffentlichkeitsfern“ gezeichnet. Die Vertreter aus Politik und Gemeindeverwaltung weisen diese Kritik ab – und halten ihre Türen für Vorschläge der Bürger und Vereine weit offen.

„Ich habe das Gefühl, die Gemeindeverwaltung will keinen Diskurs auf breiter Ebene. Für mich hat das Hinterzimmermanier“, sagt Martin. „Wir vom Heimat- und Geschichtsverein sind davon ausgegangen, dass wir bei Gesprächen und einer Ortsbegehung zur baulichen Entwicklung Roetgens dabei sein werden. Wir waren ja auch beim Bauausschuss vertreten“, erklärt Rolf Wilden, der wie Martin vermutet, es würden bereits Entscheidungen bezüglich der baulichen Planungen getroffen.

Den Vorwurf eines Ausschlusses wollen sowohl die Gemeindeverwaltung als auch die Politikvertreter nicht gelten lassen. Annika Thelen vom Bauamt der Gemeinde verwies einerseits auf den organisatorischen Charakter der Sitzung: „Wir stehen noch ganz am Anfang, es geht rein um interne Vorbereitungen. In der Sitzung werden keinerlei Entscheidungen getroffen.“ Andererseits stellte sie klar, dass es der politische Regelfall ist, dass zu Beginn eines Entscheidungsprozesses nicht gleich externe Akteure einbezogen werden.

Bürgermeister Manfred Eis will den Vertretern des Heimat- und Geschichtsvereins die Sorge nehmen, bei der Gestaltung des Ortskerns gänzlich außen vor zu sein. „Der Fahrplan ist noch nicht geschrieben, es werden noch etliche Gespräche folgen. Ortskundige Bürger können ihre Gedanken einbringen – die Tür für Meinungen steht weit offen“, sagt Eis. Die Sitzung am 22. Januar sei ein reiner „Informationstermin“; zudem sei es ein „längerer Prozess“.

In dieselbe Kerbe schlägt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Onasch, der die Bedenken und Äußerungen seines Parteikollegens Frank Martin und des Heimat- und Geschichtsvereins nicht nachvollziehen kann. „Am 22. Januar findet ein vorbereitendes Gespräch statt. Es dreht sich um Organisatorisches – und nicht um Inhalte oder Beschlüsse.“ Onasch gibt auch zu verstehen, dass die „versprochene Beteiligung“ des Heimat- und Geschichtsvereins in einer Diskussionsrunde nach der nicht öffentlichen Sitzung stattfinden wird.

Als Experte für Städteplanung steht Prof. Rolf Westerheide den Fraktionen bei den Vorgesprächen zur Seite. Auch er unterstreicht, es sei noch kein Beschluss gefasst und kein Auftrag unterzeichnet. Und das werde auch unmittelbar nach der Sitzung am 22. Januar so sein. Letztlich ist auch er an die Entscheidungen der Politik gebunden. Eine Ortsbegehung, an der Frank Martin und Rolf Wilden gerne teilgenommen hätten, habe bereits mit der Bauverwaltung stattgefunden, um lediglich „Hinweise zu sammeln“.

Hinsichtlich einer möglichen Bürgerbeteiligung und dem Potenzial ortskundiger Akteure bezieht er klar Stellung: „Ich persönlich bin für Anregungen. Man soll mit und nicht gegen Akteursgruppen arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Politiker vor Vorschlägen der Bürger verschließen.“

„Typische“ Aussagen

Die Aussagen seitens der Verwaltung und Politik nehmen Frank Martin nicht die Zweifel, vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen zu sein – sie seien typisch. „Ich befürchte, der Diskurs wird nicht stattfinden. Es war in anderen Fällen nicht anders.“ Seiner Meinung nach wäre die Sitzung am 22. Januar der richtige Zeitpunkt, entsprechende Akteure einzuladen. „Es ist schon genug im Vorfeld besprochen worden.“

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