Bau-Boom in der Eifel: Händeringend Bauhandwerker gesucht

Von: P. St.
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Die bereits als neues Imgenbroicher Freibad in der Bevölkerung titulierte Baustelle wird nun ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt: Mit dem Bau von 20 Eigentumswohnungen, dem sogenannten „Riecksquare“, wurde in dieser Woche begonnen. Foto: P. Stollenwerk
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Für die Eifel bereits zahlreiche Projekte entwickelt: die Bonafide-Geschäftsführer Stefan Schepers (re.) und Oliver Domes. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Die Baukonjunktur in der Nordeifel boomt. Bereits seit rund drei Jahren sind die Auftragsbücher der Bauunternehmungen gut gefüllt. Vor allem Eigentumswohnungen in zentraler Lage sind heiß begehrt. Das Ergebnis dieses aktuellen Trends ist in Roetgen, Simmerath und Imgenbroich, den besonders beliebten Wohnstandorten in der Südkreis-Region, deutlich zu sehen.

Mehrgeschossige Wohnkomplexe, in der Regel einer recht einheitlichen architektonischen Linie folgend, entstehen hier. In der Roetgener Rosentalstraße ist diese Entwicklung ebenso zu sehen, wie auch im Simmerather Gewerbegebiet am Kraremann-Karree oder aktuell in Imgenbroich.

„Haben gutes Geld verdient“

Zahlreiche große Gebäudeprojekte hat in den zurückliegenden 20 Jahren auch Projektentwickler Stefan Schepers von der Bonafide Immobilien GmbH in Monschau auf den Weg gebracht. „Das hat Spaß gemacht, und wir haben auch gutes Geld verdient“, sagt der 56-jährige geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens. Er glaubt aber auch, mit den zahlreichen Wohnbauprojekten ein effektives Gegengewicht zum wachsenden Leerstand von Wohnhäusern in den Orten gefunden zu haben.

Der Trend ist nicht von der Hand zu weisen. Immer mehr ältere Ehepaare, deren Kinder sich längst eine eigene Existenz aufgebaut haben, sehen sich der Belastung, die ein Einfamilienhaus im Grünen auf einem abgelegenen Dorf verlangt, auf Dauer nicht mehr gewachsen. Es geht dabei oft weniger um die finanzielle Last als vielmehr um die alltägliche Arbeit, die die Pflege und Instandhaltung eines großen bebauten Grundstückes mit sich bringt.

„Die Nachfrage nach barrierefreien Eigentumswohnungen mit Balkon ist ungebrochen“, stellen Schepers und Oliver Domes (28), der Bonafide-Geschäftsführer, fest, und so stehen die nächsten Projekte folgerichtig bereits vor der Umsetzung. Vor wenigen Tagen wurde die Großbaustelle an der Trierer Straße/Ecke Bruchstraße in Imgenbroich eröffnet.

Hier entsteht das so genannte „Riecks-quare“. Die Namensgebung orientiert sich am Investor. Nach dem bewährten Konzept entstehen hier 20 Eigentumswohnungen. Besonders stark nachgefragt sind die Wohneinheiten bei Bürgern aus Monschau und Simmerath. Aber auch auf dem niederländischen Markt sind Wohnobjekte in der Eifel stark nachgefragt.

Im Frühjahr waren hier zwei leerstehende Wohnhäuser abgerissen worden, um Platz für das „Riecksquare“ zu schaffen. Dann aber lag die Abriss-Baustelle über Monate still, was bereits die ersten Spekulationen in der Öffentlichkeit hervorrief, doch hat Schepers eine ganz profane Erklärung für die Verzögerung: „Wir haben einfach keine Baufirmen und Handwerker bekommen; die waren alle ausgebucht.“

Der Projektentwickler legt aus Erfahrung Wert darauf, nur Unternehmen aus der Region zu beauftragen: „Eifeler Betriebe sind zuverlässig und liefern die beste Qualität.“ Selbst einen Baukran zu mieten, habe sich als problematisch erwiesen. „Sonst hätten wir längst begonnen.“

„Lohmühlenschatz“ in Planung

Aktuell in der Planung ist auch ein weiteres Wohnbauprojekt, der „Lohmühlenschatz“ in Simmerath. Im Neubaugebiet auf dem ehemaligen Sportplatz entstehen auf einem Grundstück von knapp 2000 Quadratmeter Größe auf 1240 Quadratmeter Wohnfläche 16 Wohneinheiten. Mit dem Bau wurde soeben begonnen. Zwei der noch nicht gebauten Wohnungen sind laut Projektentwickler Stefan Schepers bereits verkauft, zwei weitere seien reserviert.

Die derzeitige Attraktivität von Wohnlagen in Simmerath hat die Bonafide-Projektentwickler bewogen, mit einem neuen Finanzierungsmodell, dem sogenannten „Crowdfunding“, an den Markt zu gehen. Dieses Finanzierungsinstrument beruht auf dem Prinzip, dass eine Vielzahl von Geldgebern die benötige Kapitalsumme zur Verfügung stellt. Ein entsprechender Treuhandvertrag wurde mit der Berliner Online-Handelsplattform „Bergfürst“ abgeschlossen, die seit 2012 am Markt ist und die Darlehen verwaltet.

Die Gesamtsumme für die Finanzierung des Projektes „Lohmühlenschatz“ beläuft sich auf gut 2,5 Millionen Euro; die Projektgesellschaft rechnet mit einem Gesamterlös von gut 2,9 Millionen Euro. 1,8 Millionen Euro der Projektsumme werden über die ortsansässige Sparkasse finanziert, die Projektgesellschaft bringt 240.000 Euro Eigenkapital ein. Die verbleibenden 500.000 Euro sollen über „Crowdfunding“ finanziert werden.

Laut Stefan Schepers ist das bundesweit verbreitete Angebot bereits auf große Resonanz gestoßen. Es seien bereits 80 Prozent der benötigen Summe (Anteile zwischen 10 und 10.000 Euro sind möglich) eingebracht worden, was Schepers auch auf die ungewöhnlich hohe jährliche Verzinsung in Höhe von sieben Prozent zurückführt. In zwei Jahren soll der Bau abgeschlossen sein, dann endet auch die Laufzeit des Investment-Angebotes.

Dass er die 500.000 Euro nicht auch noch über einen deutlich günstigeren Bankkredit finanziert, begründet Schepers mit der Tatsache, dass er beim Projekt in Simmerath einerseits zwischen 13 und 14 Prozent Gewinn einkalkuliere und man zum anderen auch die Kreditgebühr der Banken in Abzug stellen müsse.

Dennoch weist auch die Projektentwicklungsgesellschaft in ihrem Exposé darauf hin, dass diese Vermögensanlage „mit erheblichen Risiken“ verbunden sei. Sie könne zum „vollständigen Verlust der Vermögens“ führen und auch der Ertrag sei nicht gewährleistet.

Das Risiko der Geldanlage besteht darin, dass die Geldgeber beim „Crowdfunding“ in der Regel nicht Eigentümer an der Immobilie selbst werden. Daher mahnt auch die Verbraucherzentrale zur Vorsicht: „Das sollten nur Leute machen, die bereit sind, hohe Risiken einzugehen“, sagt Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale Düsseldorf auf Anfrage der Lokalredaktion. Beim Finanzierungsinstrument „Crowdfunding“, das Pfister als ein „Produkt des grauen Kapitalmarktes“ bezeichnet, bestehe die Gefahr des Komplettverlustes des investierten Geldes.

Als verlässliche Altersvorsorge sei dieses Modell auf keinen Fall zu empfehlen. Die in Aussicht gestellte Rendite sei zwar in der Tat beachtlich, „diese gibt es aber nur, wenn das Projekt auch so verläuft wie geplant“. Die derzeitige Niedrigzinsphase, so Pfister, komme diesem Finanzierungsmodell zudem entgegen.

Die Kunden, so der Eindruck von Stefan Schepers, vertrauten aber der kurzfristigen Geldanlage für das Objekt in Simmerath.

Senioren-WG am Heldter Weg

Weitere Vorhaben in der Nordeifel liegen bei Bonafide bereits auf dem Tisch: Im Wohngebiet Heldter Weg in Simmerath soll eine Senioren-Wohngemeinschaft entstehen, am Erlenweg in Imgenbroich sind in einem Wohngebäude namens „Erlenhof“ 24 Wohneinheiten, die Hälfte davon Mietobjekte, vorgesehen, und in Roetgen hat man weiterhin die Ansiedlung eines Rewe-Marktes unterhalb des Vennhofes im Blick.

Nur mit der Kaufland-Ansiedlung (geplante Eröffnung im November) auf der grünen Wiese in Imgenbroich kann sich Schepers nicht anfreunden, weil er die Gefahr sieht, dass damit das gesamte Einzelhandelgefüge der Nordeifel erschüttert werde. Der 56-jährige scheute sich nie, kommunalpolitische Vorgänge wortstark zu kommentieren.

Dem Geschäft hat das nach eigenen Angaben nicht geschadet. Schepers: „Im Gegenteil. Das hat mir bislang viel positive Resonanz eingebracht.“

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