Nordeifel/Aachen - Bande beraubt Aachener auf eigenem Flohmarkt

Bande beraubt Aachener auf eigenem Flohmarkt

Von: Pia Sonntag
Letzte Aktualisierung:
10921162.jpg
Ricardo Lambertz steht in Mitten des Geschehens. Eine teure Uhr und diverse Jacken wurden bei seinem Hausflohmarkt gestohlen. Eine organisierte Bande hatte es auf die wertvollen Gegenstände abgesehen und griff ohne zu Zögern zu. Verletzt wurde niemand.

Nordeifel/Aachen. „Warum passiert ausgerechnet mir das?“, fragt sich Ricardo Lambertz, der aus Rurberg stammt und seit einigen Jahren in Aachen wohnt. Ricardo Lambertz, Sänger der Band „OneWay“, wurde am Sonntag in Aachen, während er einen Hausflohmarkt veranstaltete, ausgeraubt.

Der Flohmarkt fand in seiner Garage statt, um „den alten Kram“ loszuwerden, der sich über die Jahre angestaut hatte. Die ganze Geschichte fing harmlos an. Er wollte mit der Unterstützung seiner Freundin Nadine Halfen einige alte, teilweise noch wertvolle Kleidung, Schmuckstücke und weitere dekorative Accessoires verkaufen.

„Wenn man so einen privaten Trödelmarkt veranstaltet, denkt man ja zunächst nicht daran, dass einem in der Art und Weise so etwas widerfährt“, sagt er, als er die Geschichte Revue passieren lässt.

Am Sonntagnachmittag habe ein Pkw mit französischem Autokennzeichen angehalten und die Insassen hätten zunächst das Geschehen beobachtet. Nach einigen Minuten seien sechs Leute aus dem Wagen ausgestiegen, darunter eine Frau, zwei Männer und drei Kinder mit südländischem Aussehen.

Alle samt seien gut gekleidet gewesen und hätten nicht den Anschein gemacht, kriminelle Absichten zu hegen, sagt Lambertz. Sie seien durch die Garage geschlendert, hätten alles angefasst und die Kinder seien unbeobachtet an den aufgebauten Ständern vorbeigelaufen.

„Es brach schon auf einmal eine ganz schöne Hektik aus und man hatte das Gefühl, die Situation nicht mehr kontrollieren zu können“, erläutert der Betroffene. Die Leuten hätten auf Rumänisch und Französisch gemurmelt. „Es kehrte keine Ruhe ein und die Situation wurde immer unübersichtlicher“, berichtet Lambertz. Eine Frau der Gruppe habe ihn über eine goldene Uhr ausgefragt.

Wild gestikulierend habe sie mit gebrochenem Deutsch verhandeln wollen und den vorgeschlagenen Preis nicht akzeptiert. Im Hintergrund habe der Mann mit Lambertz Freundin über diverse Jacken und Schuhe diskutiert. Die Frau und der Mann seien lauter geworden, die anderen Männer und die Kinder seien unbeobachtet herumgelaufen. Nadine Halfen habe daraufhin versucht, die Kinder zu ermahnen und im Blick zu behalten, beschreibt der 24-jährige das Geschehene.

Im gleichen Moment sei einer der Männer mit verschiedenen Gegenständen im Auto verschwunden, ohne dafür bezahlt zu haben. „Ich wollte meiner Freundin zur Seite stehen und ignorierte die Frau, die immer noch lauthals versuchte, die Uhr für einen günstigeren Preis zu ergattern. Alles ging plötzlich ganz schnell und man hatte keine Kontrolle mehr über das Geschehen“, schildert der 24-jährige die Situation.

Ein Teil der Familie inklusive der Kinder sei bereits im Auto verschwunden gewesen und auf das fehlende Geld angesprochen, hätte die Frau plötzlich nur noch auf Französisch antworten können. „Ich habe nicht wirklich verstanden, was sie mir da genau zugeschrien hat. Auf einmal schnappte sie sich ihren Begleiter und lief in das Auto. Das alles ging so schnell, deswegen haben wir uns auch nicht das Kennzeichen merken können“, erzählt er fassungslos.

Insgesamt wurden Ohrringe, die besagte goldene Uhr und verschiedenste Kleidungsstücke gestohlen. „Das schlimmste an der ganzen Sache ist noch nicht mal der Verlust der Gegenstände, sondern die Dreistigkeit dieser Menschen einfach auf mein Grundstück zu laufen, sich zu bedienen und in dieser Weise aggressiv meiner Freundin und mir gegenüber aufzutreten. Wäre ich nicht so ruhig geblieben, hätte es wahrscheinlich schlimmer aussehen können“, schildert Lambertz die Situation.

Die organisierte Kriminalität ist an den Haustüren der Bürgerinnen und Bürger angekommen“, sagte bereits Sabine Vogt, Abteilungsleiterin beim Bundeskriminalamt, im November 2014.

Internationale kriminelle Banden greifen immer häufiger den normalen Bürger an. Mobile Gruppen suchen in wenigen Stunden ganze Nachbarschaften heim und verschwinden mit ihrer Beute. Viele dieser Banden kommen nach BKA-Angaben aus neuen EU-Mitgliedern wie Rumänien und Bulgarien.

„Ich kann wirklich nur jedem raten dem die gleiche Erfahrung zu Teil wird, Ruhe zu bewahren und sich bei suspekten Fahrzeugen das Kennzeichen aufzuschreiben. Wichtig ist auch, dass man nicht alleine einen Garagenflohmarkt veranstaltet, ansonsten haben diese Banden womöglich noch weniger Skrupel und es wird wahrscheinlich nicht „nur“ bei Sachschäden bleiben“, erklärt Ricardo Lambertz.

Sich ruhig zu verhalten und das Geschehene zu beobachten, empfiehlt auch der Pressesprecher der Kriminalpolizei Aachen, Paul Kemen: „In den letzten Wochen sind zwei Fälle bekannt, wo ausländische Banden Diebstähle unter anderem beim Handwerkermarkt in Aachen begangen haben. Typisch bei diesen Vorfällen war, dass ein Teil der Gruppe die Verkäufer abgelenkt und die restlichen Mitglieder währenddessen zugegriffen haben. Ich kann deswegen auch nur jedem Bürger raten, ein wachsames Auge zu haben und solche Stände nicht alleine zu betreiben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (8)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert