Bäume fordern Europa heraus

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Auf dem „Roetgener Teil” des
Auf dem „Roetgener Teil” des Vennbahn-Radweges liegen immer noch die Bäume, die der Sturm dort am 8. Dezember umgeweht hat. Leser Wolfgang Biegmann hat das Foto am Donnerstag gemacht. Foto: am Donnerstag gemacht.

Nordeifel. „Wir waren sowieso mit dem Freischneiden beschäftigt und hatten gerade den Hächsler dabei, da haben wir die paar Bäumchen, die da herumlagen, gleich mit durch die Maschine gejagt!” So einfach geht das in Simmerath. In Roetgen ist das viel komplizierter.

Im Dezember haben sich einige Sturmtiefs über der Region ausgetobt. Eines davon am 8. Dezember, erinnert sich unser Leser Wolfgang Biegmann aus Roetgen. Das Sturmtief legte etliche Bäume flach, deutsche Bäume wohlgemerkt, die auf der belgischen Trasse des Vennbahn-Radweges landeten.

Während der Simmerather Bauhof am Donnerstag mit dem Windbruch kurzen Prozess gemacht hat, steht Roetgen vor einem dicken Problem. Es ist nicht offiziell geklärt, wessen Kaminholz das einmal werden soll, das der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Eupen, der Städteregion in Aachen oder der Gemeinde Roetgen. Mit der Konsequenz, dass die deutschen Bäume auch einen Monat nach dem Sturm noch auf dem belgischen Radweg liegen.

Inzwischen hat sich jemand eigenmächtig und ohne bilaterales Abkommen erbarmt, die Bäume mit einer Kettensäge durchtrennt, auseinandergeschoben, damit man mit einem Fahrrad auf einem Radweg weiterkommt, und sich mit dieser Hilfsaktion wahrscheinlich strafbar gemacht. Denn streng genommen kann man nicht einfach mit der Kettensäge auf belgischem Territorium herumsägen.

Was die Zuständigkeit angeht, klinkt sich die Städteregion sofort aus. Für Pressesprecher Detlef Funken muss diese Frage zwischen der Gemeinde Roetgen und der DG Ostbelgiens verhandelt werden, denn die DG sei auf 99 Jahre Erbpächterin der Trasse und damit zuständig. Ein Vertrag müsse noch ausgehandelt und unterzeichnet werden, sagt Funken.

Dem widerspricht Roetgens Bürgermeister Manfred Eis nicht. Doch das Siegelwachs ist noch längst nicht angewärmt. Etwas verschnupft wirkt der Verwaltungschef bei diesem Thema, auch wenn er versichert, dass die Gemeinde mit der DG nicht im Streit liegt, aber mit dem Entwurf einer diesbezüglichen Vereinbarung „sind wir nicht einverstanden. Was da von uns verlangt wird, kann die Gemeinde Roetgen weder personell noch finanziell leisten”.

In dieser Vereinbarung soll rund um die Vennbahn alles Mögliche geregelt werden: Wer schneidet frei? Wer führt kleinere Reparaturen aus? Wer hat die Verkehrssicherungspflicht? Diese Frage ist brandaktuell. Durfte die deutsche Gemeinde überhaupt nach dem Sturm den belgischen Radweg sperren, weil dort Bäume umgekippt waren? Und weil die Angelegenheit immer komplizierter wird, besteht Bürgermeister Eis auf der Vereinbarung. Erst wenn die Tinte trocken ist, geht es weiter, es sei denn, die Belgier holen die Bäume selber von ihrem Staatsgebiet weg. Aber dürfen die das, wo es sich doch um deutsche Bäume handelt?

Es führt also kein Weg daran vorbei, der Vertrag muss her, und möglichst schnell, sonst haben die Bäume auf dem Radweg schon wieder Wurzeln geschlagen. Bürgermeister Manfred Eis bleibt bürokratisch korrekt: „Ich kann nicht einfach die Bäume dort wegnehmen, sonst bin ich schnell in der Haftung und habe plötzlich Pflichten, die ich nicht haben möchte.”

Eis sieht sich dabei „im Gleichschritt” mit der Gemeinde Simmerath. Offenkundig aber nicht mit der ganzen Gemeinde. Da gibt es einen kleinen Bauhof, der das geeinte Europa in die Praxis umsetzt, einfach so. Dabei haben die fleißigen Arbeiter nicht nur auf belgischem Gebiet operiert, sondern auch noch im Staatsforst. Denn neben der Trasse gehört das Gelände (wie ein Schlauch) dem Landesbetrieb Wald und Holz. Da sind also dessen Bäume einfach weggehächselt worden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert