Bachmann-Preisträgerin Petrowskaja als Lit.Eifel-Highlight

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Zahlreiche Literaturfreunde erlebten in der originellen Monschauer Begegnungsstätte „Estrade“ im Rosental eine ebenso berührende wie beeindruckende Lesung mit der ukrainischen Autorin Katja Petrowskaja. Foto: Renate Hotse/Agentur ProfiPress
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Lit.Eifel-Vorsitzende Margareta Ritter (Mitte) und Projektleiter Jochen Starke freuten sich, für den Abschluss der Lit.Eifel die Bachmann-Preisträgerin Katja Petrowskaja in Monschau begrüßen zu können.

Monschau. Mit einem echten Highlight ist am Mittwochabend in Monschau die Lit.Eifel 2014 zu Ende gegangen. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Bachmann-Preisträgerin Katja Petrowskaja bereitete ihrem Publikum in der gut besuchten Begegnungsstätte Estrade einen höchst interessanten und berührenden Abend, der mit einem regen Austausch der Autorin endete.

Mit den Worten „Ich bin Katja“ stellte sich die sympathische Autorin den Literaturfreunden vor. Für ihren ersten Besuch in der Eifel hatte die hochgelobte Autorin eine lange Anreise in Kauf genommen. Direkt aus Berlin führte ihr Weg ins „Estrade“, einer alten Turnhalle in Fachwerk-Bauweise, die das aus Holland stammende Betreiber-Ehepaar Juanita und Richard Vernout im vergangenen Jahr zu einem originellen Veranstaltungs-, Seminar- und Feriendomizil umgebaut hat.

Mit viel Herzblut und Fachwissen - Richard Vernout ist Gebäude-Restaurator – entstand eine Begegnungsstätte, in der Vintage auf moderne Kunst trifft. „Man spürt die Kreativität der Eigentümer“, lobte Monschaus Bürgermeisterin und Lit.Eifel-Vorsitzende Margareta Ritter die Atmosphäre des direkt an der Rur im Rosental liegenden Gebäudes.

Hier nun stellte Katja Petrowskaja ihr Werk vor, für das sie 2013 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, einem der höchst dotierten Literaturpreise. Das Erstaunliche: Die 1970 in der Ukraine geborene Autorin, die in Estland studiert und in Moskau promoviert hat und seit 1999 in Berlin lebt, hat ihr preisgekröntes und von den Kritikern überschwänglich gelobtes Buch auf Deutsch geschrieben.

In „Vielleicht Esther“, so der Titel des Buches, rekonstruiert die Ich-Erzählerin unter anderem den Mord an ihrer Großmutter durch die SS. Im Laufe der aufwendigen Recherchen folgt die Autorin in Kiew, Berlin, Warschau, Moskau und im „unglaublich schönen“ Österreich den Spuren ihrer Vorfahren und forscht nach ihren sowjetisch-russisch-jüdischen Wurzeln. Entstanden ist dabei kein großes Drama, sondern ein Buch, das aus 70 kurzen Kapiteln besteht.

Mal ernst, aber auch immer wieder mit einem Lächeln auf den Lippen oder einem Schmunzeln, ließ Katja Petrowskaja die Zuhörer teilhaben an den sehr persönlichen und eindringlichen Schilderungen. Auch Dinge, die sie fassungslos machen, trug sie mit einer stillen Heiterkeit vor. Ein paar Mal war die Autorin unschlüssig bei der Auswahl der Passagen.

„Ich weiß manchmal nicht, was ich lesen soll. Haben Sie eine Idee“, wandte sie sich an Lit.Eifel-Projektleiter Jochen Starke, der ihr, gut vorbereitet, weiterhalf. Auch diese kleine Unsicherheit machte den natürlichen Charme aus, mit dem sie ihre Zuhörer in Monschau für sich einnahm.

„Bewundernswert“ fand eine Zuhörerin ihre Virtuosität im Umgang mit der Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist. „Es ist ein russisches Buch, auf Deutsch geschrieben“, sagte Katja Petrowskaja. Die deutsche Sprache habe ihr die nötige Distanz gegeben, um die sehr persönliche Geschichte zu erzählen, in deren Mittelpunkt die Babuschka steht, die Großmutter ihres Vaters. Doch dieser weiß gar nicht mehr ganz genau, wie seine Großmutter hieß. Vielleicht Esther?

„Vielleicht Esther“ ist ein Buch, das in kein Genre einzuordnen ist. Als Roman kann man es kaum bezeichnen. Es ist Autobiografie, Reisebericht und Ahnenforschung und eine Sammlung von Erinnerungsfetzen in Einem. Katja Petrowskajas ganz eigener, experimenteller Weg, die Geschichte ihrer Familie niederzuschreiben, hinterließ in Monschau ein beeindrucktes Auditorium, das im Anschluss an die Lesung noch viele Fragen an die Autorin richtete.

Lit.Eifel-Vorsitzende Margareta Ritter hatte in ihrer kurzen Begrüßungsansprache festgestellt, dass auch die zweite Lit.Eifel viele begeisterte Literaturfreunde gefunden habe. Diese dürfen sich auf die Fortsetzung des kleinen, aber feinen Nordeifeler Literaturfestivals im kommenden Jahr freuen. „Das Programm 2015 steht und wartet schon auf die Zustimmung des Beirates“, sagte sie.

Der Zeitrahmen der dritten Lit.Eifel wird aber größer sein. Wie Margareta Ritter ankündigte, werden die Lesungen von April bis Ende November stattfinden, um den Literaturfreunden in der Eifel mehr Möglichkeit zu bieten, Veranstaltungen zu besuchen.

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