Baby-Besuchsdienst: Kein Kontrolleur, sondern Helfer

Von: Lars Odenkirchen
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„Das hätte es schon früher geben sollen”: Nicht nur bei Torsten (v.l.), Verena und Max Heckmann kommt der Besuch von Evelyn Warkentin gut an. Foto: Lars Odenkirchen

Baesweiler/Aachen. Das Kind retten, bevor es in den Brunnen gefallen ist - das ist im wahrsten Sinne des Wortes Evelyn Warkentins Job.

„Baby-Besuchsdienst” heißt das Angebot des städteregionalen Jugendamtes, in dessen Rahmen sie seit zwei Jahren jedes neugeborene Baby in Baesweiler und den drei Eifelkommunen Simmerath, Roetgen und Monschau besucht. Warkentin steht den frischgebackenen Eltern dabei mit Rat und Hilfe zur Seite: etwa Verena und Torsten Heckmann aus Baesweiler.

Freundlich ist die Begrüßung, die Evelyn Warkentin dort widerfährt. Alles ist ordentlich und sauber, der kleine Max liegt friedlich in seinem Bettchen und schlummert. Warkentin merkt schnell: Hier scheinen die Verhältnisse geordnet, die Voraussetzungen gut.

Einen weiteren Eindruck verschafft sie sich dann im ausführlichen Gespräch: Wie fühlen sich die Eltern in ihrer neuen Rolle als Mama und Papa oder nach der Geburt eines Geschwisterkindes? Helfen die Großeltern? Wo ist sonst noch Hilfe nötig? All solche Fragen versucht Warkentin zu klären.

Dabei verlässt sie sich auch auf ein wichtiges Utensil: Einen prall gefüllten Ordner, den die Eltern behalten dürfen und der Adressen, Tipps und Infos rund um die Entwicklung des Babys bereit hält. Auch ein kleines Begrüßungspaket für das Baby, das etwa ein Kuscheltier, ein Lätzchen und andere nette Kleinigkeiten enthält, bringt sie mit. Der Besuch kommt für die Eltern nie überraschend: Per Brief wird der Termin angekündigt.

„Wir finden, dass es so etwas schon viel früher hätte geben sollen”, erzählt Verena Heckmann: „Allein der Infoordner ist schon sehr hilfreich, man hat einen Überblick über die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen und weiß, an wen man sich bei Notfällen wenden kann.” Solche Reaktionen sind für Warkentin nicht ungewöhnlich.

Die meisten Eltern reagieren positiv, denn das Klischee vom „bösen” Jugendamt, dass die Kinder wegnimmt, versucht Warkentin von vornherein überhaupt nicht aufkommen zu lassen. „Ich bin kein Kontrolleur”, erklärt sie. Schnell das Eis brechen, eine Vertrauensbasis schaffen und ein Helfer sein: Das beherrscht Warkentin sehr gut.

So positive Erlebnisse wie bei den Heckmanns hat Warkentin allerdings nicht immer. Sie trifft auf junge, alleinerziehende Mütter, dieÊ überfordert sind, suchtkranke Eltern, die eigentlich schon mit sich selbst genug zu tun haben und sieht manchmal auch Wohnungen, die hygienischen Ansprüchen nicht hundertprozentig genügen.

Aber auch in intakten Verhältnissen kann ein Baby die Eltern überfordern: Schlaflosigkeit, Gewichtsprobleme oder Veränderungen in der Partnerschaft sind Sorgen, mit denen beinahe alle Eltern konfrontiert werden. Warkentin versucht, dann zu zeigen, wo es schnelle Hilfe gibt.

„Eltern waren früher nie auf sich allein gestellt, weil auch die Familie bei der Erziehung geholfen hat”, weiß die Expertin, „manche Mütter stehen heute aber völlig alleine da, haben keinen Kontakt zur eigenen Familie und zum Kindesvater. Da ist es doch klar, dass sie Probleme bekommen.”

Migrantenfamilien sind diesbezüglich allerdings häufig im Vorteil, wie sie festgestellt hat: „Da ist der familiäre Zusammenhalt oft noch intakter.” Doch egal wie groß eventuelle Probleme auch sein mögen, eines ist für Warkentin beruhigend: „Ich erlebe keine Schranken. Die Eltern sind mir gegenüber meistens sehr aufgeschlossen. Für viele bedeutet es aber immer noch ein Zeichen von Schwäche, wenn man sich Hilfe holt.”

Positive Resonanz im Altkreis Aachen

Während in Aachen der Baby-Besuchsdienst erst Ende 2010 startet, gibt es diese Form der frühen Hilfe inzwischen in allen neun Kommunen des früheren Kreises Aachen. Bei Befragungen kam der Dienst auch außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des städteregionalen Jugendamtes - also in Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath, Stolberg und Würselen - durchweg positiv an, hieß es am Mittwoch in der Sitzung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses.

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