Aachen - AZ-Forum: „Fürs Theater geht es um alles”

AZ-Forum: „Fürs Theater geht es um alles”

Von: Matthias Hinrichs und Thorsten Karbach
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Reger Zuspruch: Uber 100 Gäste diskutierten beim Forum Kultur mit den AZ-Redakteuren Albrecht Peltzer und Robert Esser im Casino des Zeitungsverlages über die Zukunft des Theaters Aachen - und den Kulturbetrieb im Zeichen von Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Kapitän gibt den Kurs vor, die Mannschaft legt sich in die Riemen, um das gemeinsame (Saison-)Ziel in froher Eintracht zu erreichen. Wenn´s so einfach wäre...

Längst schippert auch das kulturelle Flaggschiff der Region nicht mehr in sicherer See. Was tun, wenn es ein ums andere Mal mächtig ins Schlingern gerät, weil es zu schwer trägt an seinen finanziellen Lasten - während die politischen Lotsen heftig hadern, wie sich die gefährlichsten Klippen sicher umschiffen lassen?

Die Frage stand im Mittelpunkt des AZ-Forums rund um die Perspektiven für das Theater Aachen im Speziellen und die regionale Bühnenlandschaft im Allgemeinen, bei dem unsere Redakteure Albrecht Peltzer und Robert Esser Dienstagabend im Casino des Zeitungsverlags rund 100 Gäste begrüßen konnten - allen voran und auf dem Podium: Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, Kulturdezernent Wolfgang Rombey, Dr. Ingrid Böttcher, Vorsitzende der Theater Initiative Aachen, Tom Hirtz, Leiter des Das Da Theaters, sowie die Ratspolitiker Harald Baal (CDU), Sibylle Reuß (SPD), Hermann Josef Pilgram (Grüne), Wilhelm Helg (FDP) und Andreas Müller (Linke).

4000 Unterschriften für den OB

Vorab: Auch nach rund zweistündiger Diskussion wurde der „goldene Kompass” in Sachen Kunst und Kultur dabei nicht gefunden - um bei der auch von den beteiligten Mandatsträgern weidlich strapazierten Metapher vom äußerst vielschichtigen und darum höchst schwierig zu steuernden Flaggschiff Theater zu bleiben. Aber: Von den heftigen Kontroversen hinter den politischen Kulissen, von Debatten über Spartenschließungen und andere extreme Grausamkeiten blieb so gut wie nichts. Weil sich alle Beteiligten der Erkenntnis von Ingrid Böttcher durchaus anschlossen: „Es geht jetzt um alles!” Mit 4000 Unterschriften für den langfristigen Erhalt des Theaters will die Initiative daher am 16. März beim OB vorstellig werden.

Sie dürfte offene Türen einrennen, vorerst. Was das Publikum keineswegs davon abhielt, mehr Transparenz im Hinblick auf Strukturen und damit Sparpotenziale zu fordern - und zwar beileibe nicht nur beim Theater, sondern in der gesamten Verwaltung. Damit, entgegnete Baal, sei man inzwischen ein großes Stück vorangekommen. Im kommenden Jahr werde der erste städtische Haushalt mit gesicherter Bürgerbeteiligung auf breiter Basis zur Debatte gestellt.

Mindestens so sicher ist aber auch: An einer Erhöhung der Eintrittspreise führt kein Weg vorbei. Apropos Transparenz: Wie die im Detail ausfallen wird, ließen sich die „Entscheider” auch durch hartnäckigste Nachfragen der Moderatoren nicht entlocken. Heißt: Immerhin in dieser Frage laufen die Diskussionen in den Fraktionen derzeit offensichtlich heiß. Helg ließ zumindest durchblicken, dass das Theater zwei Modelle vorgeschlagen habe; die Politik werde wohl, wenig überraschend, für den „nachhaltigeren”, also höher veranschlagten Dreh an der Einnahmenschraube votieren.

„Dem Fallbeil entgehen”

Schritte wie diese, unterstrich auch Baal immer wieder, seien schlechterdings unvermeidbar, damit der städtische Haushalt nicht über kurz oder lang unters „Fallbeil” der Kommunalaufsicht gerate. „Das wollen und können wir verhindern.” Ganz anders stelle sich das im Hinblick auf andere finanzielle Daumenschrauben dar, die den Kommunen in wachsendem Maße von oben angelegt würden. „Alles wird teurer - nicht nur die Kultur -, aber wir müssen immer mehr Geld ausgeben für Leistungen, die der Bund uns auferlegt”, so Pilgram. Dabei hätten gerade die Kultureinrichtungen - freie wie städtische - längst gelernt, ihre Budgets bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus auf Effektivität zu trimmen.

Und so ließen sich die Bühnenprofis Schmitz-Aufterbeck und Hirtz auch nicht auseinander dividieren, als die Diskussion im ZVA-Casino an Fahrt gewann. Etwa, als im Publikum die Verhältnismäßigkeit der Bezuschussung zwischen dem - siehe oben - Flaggschiff Stadttheater und dem kaum minder rührigen Das Da Theater nachdrücklich in Frage gestellt wurde. Mindestens 15 Millionen Euro wird sich die Stadt das Theater Aachen wohl bis auf Weiteres kosten lassen, bei zuletzt rund 140.000 Zuschauern jährlich. Das Das Da Theater muss - bei rund 40.000 Zuschauern - mit 40.000 Euro plus 10.000 Euro für seine Kinder- und Jugendsparte auskommen. Hirtz: „Wir dürfen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.” Schmitz-Aufterbeck: „Wir dürfen das kulturelle Gedächtnis dieser Stadt nicht auslöschen. Also müssen wir bereit sein, genügend Geld dafür auszugeben.”

Der Appell wurde allseits mit Applaus aufgenommen. Zumal CDU-Fraktionschef Baal versprach: „Wir müssen grundsätzlich eine Antwort auf die Frage finden, ob das Theater unumstößlich zu dieser Stadt gehört. Am 7. April ab 17 Uhr werden wir sie im Rathaus geben.”
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