Monschau/Bourg St. Andeol - Autopanne als Beginn einer großen Freundschaft

Autopanne als Beginn einer großen Freundschaft

Von: Peter Stollenwerk
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Die Anfänge der Partnerschaft sind auch im goldenen Buch der Stadt Monschau verewigt. Sowohl Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter (re.) und Bourg-Kenner Hermann Mertens freuen sich auf das anstehende 40. Jubiläum wie auch Bernadette Rader und Theo Steinröx (li.) vom Partnerschaftskomitee. Foto: P. Stollenwerk

Monschau/Bourg St. Andeol. Zufälle bestimmen manchmal die Wege des Lebens oder ist der Zufall Bestimmung? Diese Frage, auf die es keine Antwort gibt, stellt sich auch bei näherer Betrachtung der Städtefreundschaft zwischen Monschau und dem südfranzösischen Bourg St. Andéol.

Wenn die beiden Städte mit ihrem historischem Charme, hier an der Rur, dort an der Rhone gelegen, in diesem Sommer auf eine 40 Jahre währende enge Beziehung zurückschauen, dann wird der Blick zwar hauptsächlich in die Zukunft dieser lebendigen und farbenfrohen Partnerschaft gerichtet, aber man erinnert sich auch gerne zurück an die Anfänge dieser großen Freundschaft.

Diese Anfänge reichen zurück in das Jahr 1969: Richard Bausch aus Aachen steuerte in diesem Sommer mit seinem Caravan über die Autoroute du Soleil sein Urlaubziel in Spanien an. Doch in Südfrankreich, nahe Montelimar, wurde die Reise wegen einer Autopanne unterbrochen. Hilfe nahte aus dem nahegelegenen Bourg St. Andéol in Form des Abschleppdienstes von Raymond Grasset.

Weil die Reparatur aber länger dauerte, beschloss Richard Bausch mit Ehefrau Kiki und den beiden Töchtern die Nacht auf einem Campingplatz nahe Bourg zu verbringen. Ehe die kontaktfreudigen Aachener die Reise Richtung Spanien fortsetzten, hatte man in Bourg im Café Concorde auch deren Besitzer Marcel und Marinette Fraysse kennengelernt.

Zurück in Aachen berichtete Bausch seinem Arbeitskollegen Ludwig Kirch beim Kreiswehrersatzamt von den Erlebnissen in Südfrankreich. Ludwig Kirch war zu dieser Zeit Ratsherr für die CDU in Monschau und wurde mit Beginn der kommunalen Neugliederung 1972 Fraktionssprecher im Stadtrat.

Gegenseitige Sympathie

Die Autopanne und die nette Begegnung in Bourg führte nun dazu, dass „Garage“-Besitzer Raymond Grasset zwei Jahre später mit seiner Familie einen Urlaub auf dem Campingplatz Rosenthal in Monschau verbrachte. Grasset, der ebenfalls Ratsvertreter in Bourg war, suchte während seines Eifel-Aufenthaltes auch den Kontakt zu den politischen Vertretern der Altstadt, so dass er mit Ludwig Kirch zusammentraf.

Zur gleichen Zeit wurde auf hoher politischer Ebene der deutsch-französische Freundschaftsvertrag von Bundeskanzler Adenauer und Staatspräsident de Gaulle unterzeichnet. Verbunden damit war die Aufforderung der Staatsväter, dass Städte beider Länder Freundschaften schließen sollten.

Aufgrund der ersten Begegnungen lag es natürlich auf der Hand, dass Monschau und Bourg eine „Jumelage“ eingingen, zumal auch gegenseitige Sympathie zu spüren war, aber es sollte noch drei Jahre bis zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde dauern...

Im Buch „Unter Freunden“, das aus Anlass der Feier des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft in Monschau im Jahr 2001 herausgegeben wurde, beschreibt Heinz Stollenwerk aus Imgenbroich, ebenfalls Ratsherr in Monschau, wie aus der Tuchfühlung Freundschaft wurde.

Im Jahr 1974 starteten die Familien Stollenwerk und Willms zu einem Spanien-Urlaub. Ein Abstecher nach Bourg St. Andéol war diesmal fest eingeplant. Heinz Stollenwerk war von Ludwig Kirch eingestimmt worden, und der Imgenbroicher Ratsvertreter wollte sich eigentlich nur einmal die Stadt anschauen, doch dann erlag er dem französischen Charme auf der ganzen Linie und der Spanien-Urlaub geriet zur Nebensache. Man war total angesteckt von der französischen Lebensart: der Funke war übergesprungen.

Die gegenseitige Sympathie war spürbar. Zurück in Monschau gelang es, die politischen Vertreter, allen voran Bürgermeister Paul Johnen und Stadtdirektor Bernhard Lauscher, von der Partnerschaftsidee zu überzeugen, trotz der Sprachbarriere und trotz 850 Kilometer Entfernung. Jetzt galt es, die offizielle Seite der Freundschaft auf den Weg zu bringen. Am 16. Oktober 1975 wurde dann in Monschau die Urkunde der Partnerschaft unterzeichnet und ein gutes halbes Jahr später, am 16. Mai 1976 in Bourg St. Andéol. Unter- zeichner waren die beiden Bürgermeister Gilbert Maurel und Paul Johnen.

Die erste offizielle Delegation aus Monschau war bereits am 10. Januar 1975 in Bourg eingetroffen. In seinen Erinnerungen an diesen Besuch räumte Paul Johnen später ein, dass beide Bürgermeister „größte Bedenken“ gehabt hätten, ob eine Partnerschaft funktionieren würde. Die Wunden des Zweiten Weltkrieges waren noch nicht verheilt, und es mangelte nicht an Vorurteilen, am Ende aber überwog der freundschaftliche Gedanke. Die anfängliche Mischung aus Euphorie und Abtasten ist längst einer soliden Freundschaft gewichen, und die jüngere Generation hat den Eindruck als hätte es diese Partnerschaft schon immer gegeben.

In diesem Sommer nun wird das 40-jährige Bestehen der Städtefreundschaft gefeiert. Einige der Gründungsväter auf beiden Seiten erleben dieses Jubiläum nicht mehr, aber die Erinnerung an die Anfänge der Partnerschaft und ihre Initiatoren wird bei den bevorstehenden Festlichkeiten vom 10. bis 15. Juli bestimmt nicht fehlen. Dann wird fünf Tage in Bourg gefeiert, und im nächsten Jahr gibt es die Neuauflage der Zeremonie in Monschau.

Runde Geburtstage der Partnerschaft wurden schon häufig gefeiert, und mit den Anekdoten könnte man ganze Bücher füllen.

Die Vorbereitungen für das „40-Jährige“ sind in vollem Gange; in Monschau laufen die Fäden beim Partnerschaftskomitee unter Vorsitz von Bernadette Rader zusammen. Anlässlich des Jubiläums in Südfrankreich wird eine Busfahrt organisiert, und die Vorsitzende hofft, „dass möglichst viele Menschen mitfahren werden“ (s. Box). Man rechnet damit, dass während der Feierlichkeiten rund 100 Monschauer in Bourg sein werden.

Dass die Partnerschaft lebendig ist, ist mannigfach unter Beweis gestellt In den zurückliegenden 40 Jahren haben sich viele Freundschaften zwischen Vereinen und Familien gebildet. Sogar einige Ehen wurden geschlossen. Mehrere Monschauer Familien haben sich in Bourg St. Andéol ein Feriendomizil errichtet oder dürfen sich sogar Besitzer eines Weinbergs nennen.

Zum 79. Mal nach Bourg

Das ganze Jahr über gibt es Begegnungen; die Stadtverwaltung Monschau steht durchschnittlich zweimal in der Woche mit dem Bürgermeisterbüro in Bourg telefonisch in Kontakt, vom 30. April bis 5. Mai weilt die Feuerwehr Höfen mit mehr als 30 Personen in der Partnerstadt, in den Osterferien war der Kanuclub Monschau zu Gast, Sarah Mertens aus Kalterherberg absolviert gerade ein zweimonatiges Praktikum im Bürgerbüro der Partnerstadt, und Hermann Mertens, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin der Stadt Monschau, wird im Sommer zum 79. Mal nach Bourg fahren. „Die Strecke ist mit den Jahren immer kürzer geworden“, sagt er und schmunzelt.

Insgesamt dürften es inzwischen mehr als 1000 Personen sein, die durch Besuche und Austausche aktiv in die Partnerschaft eingebunden sind. Ob mit dem Bus, dem Pkw, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß: Für die Partnerstadt war kein Weg zu weit.

Kommt auch Martin Schulz?

„Diese Partnerschaft ist lebendig; sie wird von den Bürgern getragen und definiert sich nicht über Projekte“, sieht auch Bürgermeisterin Margareta Ritter die Freundschaft auf gesunden Füßen. Sie wird auch die offizielle Monschauer Delegation beim Jubiläum anführen. Städteregionsrat Helmut Etschenberg wird ebenso zu den Jubiläumsfeierlichkeiten erwartet wie auch Regierungspräsidentin Gisela Walsken, die in der Nähe von Bourg an der Ardeche ein Feriendomizil hat. Eingeladen ist auch Martin Schulz, der Präsident des EU-Parlamentes.

„Die Partnerschaft ist lebendiger denn je“, freut sich auch Theo Steinröx als früherer Monschauer Bürgermeister und Aktivposten im Partnerschaftskomitee auf ein erneutes Wiedersehen mit den französischen Freunden.

Finanziert wird die Partnerschaft im übrigen durch den selbstlosen Einsatz des Partnerschaftskomitees beim Weihnachtsmarkt. Der nicht unerhebliche Erlös aus der Glühweinbude bietet eine verlässliche finanzielle Grundlage für Jugendbegegnungen und andere Aktivitäten.

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