Ausstellung: Wie die Dörfer sich verändert haben

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Ein seltenes Fotodokument, das Walter Scheibler um etwa 1910 aufnahm, zeigt den Torfabbau bei Mützenich. Diesem damals wichtigen Erwerbszweig für das Venndorf widmet die aktuelle Ausstellung im Stadtarchiv Monschau eine kleine Dokumentation.
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Der Geschichtsverein des Monschauer Landes hat mit dem Verein für Heimatgeschichte Imgenbroich, dem Heimatverein Konzen und dem Heimatverein Uraalt Scholl Mützenich im Stadtarchiv Monschau die Fotoausstellung „Von Häusern und Menschen“ zusammengestellt. Federführend beteiligt waren (v. li.): Günter Völl (Mützenich), Helmut Willms (Imgenbroich), Bernd Läufer und Toni Offermann (Geschichtsverein), Fritz Steffens (Mützenich) und Manfred Huppertz (Konzen). Foto: P. Stollenwerk
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Walter Scheiber, Landrat, Lokalhistoriker und Ehrenbürger der Stadt Monschau (hier auf einem Gemälde von Paul Siebertz) hat der Nachwelt eine umfangreiche Fotosammlung hinterlassen.
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icht nur auf Dorfansichten konzentrierten sich die fotografischen Aktivitäten von Walter Scheibler. Seine künstlerische Neigung unterstreicht diese Aufnahme aus dem Hohen Venn (etwa 1910).
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Fachwerkbau in Konzen vor mehr als 70 Jahren. Die Ausstellung „Von Häusern und Menschen“ im Stadtarchiv Monschau widmet sich auch der historischen Bauweise im Monschauer Land.
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Die bäuerliche Romantik und das unbeschwerte Leben auf dem Land kommen auch in einigen Aufnahmen von Walter Scheibler zum Ausdruck. Dieses Motiv ist aus dem Heidbüchel in Imgenbroich.
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Kaum verändert hat sich auf den ersten Blick die Pfarrkirche Mützenich. Die in der Ausstellung gezeigten aktuellen Vergleichsaufnahmen machen aber die Unterschiede sehr wohl deutlich.

Monschau. Einen Schatz von rund 800 Fotoaufnahmen der Dörfer des Monschauer Landes, wie sie sich in den Kriegsjahren 1943 und 1944 noch unzerstört darstellten, hat der frühere Landrat, Lokalhistoriker und Ehrenbürger der Stadt Monschau, Walter Scheibler, der Nachwelt hinterlassen. Seine Aufnahmen zeigen ein unverfälschtes Porträt der Ortschaften von Leykaul bis Zweifall, von Alzen bis Rott.

Eine Auswahl dieser schwarz-weiß-Aufnahmen aus den Orten Imgenbroich, Mützenich und Konzen mit Widdau und Menzerath sind ab 16. Oktober nun in einer Ausstellung unter dem Titel „Von Häusern und Menschen Walter Scheiblers Fotos und der Lauf der Zeit“ im Stadtarchiv Monschau zu sehen. Der besondere Reiz der Ausstellung liegt nicht nur in der Betrachtung der gut 70 Jahre alten Aufnahmen, die alle vor 1945 entstanden, sondern in der Gegenüberstellung der Motive aus dem gleichen Blickwinkel, wie sie sich heute darstellen. Der Geschichtsverein des Monschauer Landes, der das Scheibler-Archiv hütet, hat gemeinsam mit den Heimatvereinen aus Imgenbroich, Mützenich und Konzen und dem gleichen dokumentarischen Anspruch diese Ausstellung zusammengestellt.

Im Krieg unterwegs

Dass Walter Scheibler, der damals bei der Kreisverwaltung beschäftigt war, in den Kriegsjahren seine fotografischen Aktivitäten ausdehnte, ging zurück auf den Wunsch der vom Nazi-Regime eingerichteten Forschungsstelle Deutscher Bauernhof, die bäuerliche Baukultur umfassend zu dokumentieren, um nach der drohenden Kriegszerstörung Anschauungsmaterial für den Wiederaufbau zu besitzen.

Ungehindert konnte er somit seiner Tätigkeit nachgehen, wobei sich sein Blick auf die sachliche Darstellung des Gesehenen konzentrierte.

Scheibler hatte auch bereits in den Jahren 1908 bis 1910 mit gekonntem fotografischem Blick seine Heimat ins Bild gesetzt. Dass er dabei auch über eine durchaus künstlerische Gabe verfügte und bereits Postkarten verlegte, ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Seine ersten Aufnahmen stammen übrigens aus dem Jahr 1899.

Die direkte Gegenüberstellung der insgesamt 100 historischen und aktuellen Dorfansichten in der Ausstellung geben dem Betrachter Gelegenheit, den Wandel der Zeit anhand der Veränderung der Gebäudesubstanz auf sich wirken zu lassen. Die Gegensätze sind dabei ebenso markant wie auch drastisch – je nach Umgang des Bauherrn mit seinem Eigentum. Auch bereits nicht mehr existierende Häuser sind zu sehen, und manche lassen sich auch nicht mehr exakt zuordnen. Hier hofft man auch auf sachdienliche Hinweise der Besucher.

Bernd Läufer vom Geschichtsverein des Monschauer Landes betont, dass es nicht Sinn der Gegenüberstellung sei, Fehlleistungen oder nicht dorfgerechte Bauweisen darzustellen, sondern „wertfrei die Entwicklung dörflicher Strukturen im Wandel der Zeit zu zeigen und die Menschen für die Besonderheiten der Ortschaften zu sensibilisieren“.

Dörfer stärker ins Bild rücken

Bisher habe sich das Stadtarchiv in seinen Ausstellungen hauptsächlich der Altstadt zugewandt, aber auch die Dörfer wolle man nun stärker ins Bild rücken. So soll im nächsten Jahr eine weitere ähnlich strukturierte Ausstellung mit Aufnahmen aus dem Scheibler-Nachlass erfolgen und die Orte Höfen, Kalterherberg und Rohren berücksichtigen.

Bereichert wird die aktuelle Ausstellung durch eine kleine Sammlung von Arbeitsgeräten, die einen Bezug zur historischen Bauweise in der Nordeifel herstellen. Entliehen wurde diese Gegenstände aus dem Bauernmuseum Lammersdorf und der Museum Uraalt Scholl in Mützenich.

Sehenswert ist zudem ein kleine Dokumentation zum Torfabbau im Hohen Venn bei Mützenich mit einigen seltenen über 100 Jahre alten Fotodokumenten.

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