Ausstellung „Monschau mon amour“ des Aktionskünstlers HA Schult

Von: mon
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„Kunst war nie selbstbezogen, sondern von monumentaler Dichte“, so Kunsthistoriker Klaus Honnef. Das bestätigen die „Trash-People“ von HA Schult und die begleitende Ausstellung im Aukloster. Dorit Schlieper (v. l. n. r.), Ulrich Koch, Klaus Honnef, HA Schult, Margareta Ritter und Kaspar Vallot. Foto: V. Monterey

Monschau. „Welt kaputt - Monschau heil“, so fasste HA Schult kurz und treffend seine „guten Gefühle“ zu seinem Aufenthalt in der Altstadt und seiner großen Ausstellung der „Trash People“ auf dem Monschauer Marktplatz unter dem Titel „Monschau mon amour“ zusammen, die am vergangenen Donnerstag im Bürgerhaus des Auklosters mit einer begleitenden Ausstellung im Kreuzgang offiziell eröffnet wurde.

Nach 43 Jahren sei das „so eine Art Heimkehr“, dorthin zurück, wo er einst im Rahmen der Ausstellung „Umwelt-Akzente“ für Furore gesorgt hatte.

Die mit großer Spannung erwartete Ausstellung der Armee von 200 „Müllmenschen“, gefertigt aus Metallschrott und zusammengefügt aus Montageschaum, die bis zum 27. Oktober für Gesprächsstoff weit über die Grenzen der Eifel hinaus sorgen wird, hat an diesem Eröffnungstag schon jetzt seine Erwartungen erfüllt: Die Auseinandersetzung mit dem Thema Umwelt, der Kontrast von Alt und Neu, das Gegenüberstellen von einst zu heute.

„Ein Risiko eingegangen“

Eröffnet wurde die Vernissage von Bürgermeisterin Margareta Ritter im Beisein des Künstlers HA Schult und Ehefrau Anna Zlotovskaya, sowie seiner Muse Elke Koska, den Vertretern von Stadt und Rat, vielen Künstlern und Freunden der Kunst, Sponsoren und Förderern, unter anderem Ulrich Koch, Geschäftsführer der MVA Weisweiler („Wir hätten noch viel Material für ihn“) und unzähligen Besuchern aus Nah und Fern.

Mit dabei waren natürlich auch jene, die einst federführend die „Umwelt-Akzente“ aus der Taufe gehoben hatten, unter anderem Kaspar Vallot, einst Ausstellungsleiter und der Kunsthistoriker und Kritiker Professor Klaus Honnef.

Großen Dank sprach Ritter auch jenen aus, welche die Ausstellung möglich gemacht haben, die erneut „ein Risiko eingegangen sind“ und mit Rat und Tat angepackt haben, darunter Dorit Schlieper und Helmut Lanio von der Monschau Festival gemeinnützigen GmbH und der Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmen (AMU), dem Ortsvorsteher Georg Kaulen und dem insgesamt ganzen „tollen Team“, die für die Vorbereitung, der Aufstellung der „Armee“ und der Ausrichtung der Vernissage gesorgt haben.

„Wir sind offen für Kultur“, bestätigte die Bürgermeisterin, „ein lebendiges Monschau“ mit großen „Perspektiven für die Zukunft“. Klaus Honnef bestätigte in seiner folgenden Rede, er habe den Eindruck, sich „in einer Metropole der Kunst aufzuhalten“.

Damals, vor 43 Jahren sei das anders gewesen, „damals herrschte eine aufgeladene Stimmung“. Vieles habe sich verändert, aber nicht der Künstler. Und abermals habe sich bestätigt, „weder der Künstler HA Schult noch seine Kunst passen in einen Rahmen“.

Als „Pionier“ von der Kunstzeitschrift „Art News“ betitelt, sei Schult nicht postmodern, nicht modern, sondern treffender als „vorästhetischer Künstler zu bezeichnen“. Seine Kunst habe stets ein gegensätzliches Ziel verfolgt, als wolle sie eingreifen in das Getriebe einer Gesellschaft.

Er wolle nicht die Kunst verändern, sondern den Betrachter selbst, dessen „Sehen, Denken und Fühlen“. Mit den „Müllmännern“ habe Schult ein „Zeichen der Zeit gesetzt“, habe seit über einem halben Jahrhundert unseren Schrott und Müll genutzt - und - damit „Magie“ erschaffen.

Diese Magie erfasst den Besucher, der sich auf dem Skulpturenpark auf dem Monschauer Marktplatz umsieht, wo eine Armee von Schrottmännern, starr und steif in Reih und Glied aufgestellt, zurück starren auf die Verursacher des Mülls, auf uns alle. Und wer noch genauer hinsieht, spürt Leben.

Keine Skulptur gleicht der anderen, jede ist anders in ihrer Farbgebung, in Form, Struktur und Ausdruck, je nach Tageslicht und Schattenwurf variieren Eindruck und Ausdruck. Insgesamt ist es die Masse an Skulpturen, welche die Faszination ausmacht.

Die rostigen, gedeckten Farben passen sich der Herbststimmung an, der Kontrast einzelner Farbflecken, eine türkisfarbene Dose hier, ein Stück leuchtendes Rosa dort schaffen Spannung und Bewegung vor dem Hintergrund der alten Fassaden, als würde sich die Armee gleich in Bewegung setzen.

Moskau und Monschau

Obwohl die Müllmenschen schon in der ganzen Welt unterwegs waren, greifen sie ein „wichtiges Problem“ auf, so Kaspar Vallot, „dass wir unseren begrenzten Planeten ausbeuten“, Ressourcen in nur wenigen Jahrzehnten verbrauchen. Eben mit dieser Ansammlung von Schrott mache der Künstler „das Problem bewusster“.

„Einzigartig“ findet auch Hermann Mertens, stellvertretender Bürgermeister von Monschau die Aktion, auch in Hinblick der Historie der weit gereisten „Trash-People“, die noch im September unter dem Titel „People del Mar“ im Mittelmeer bei Barcelona.

Vorher waren in der Arktis, vor den Pyramiden Gizehs, an der chinesischen Mauer, in Paris, Moskau und Peking und vielen anderen bekannten Orten auf der Welt und nun auf dem alten Marktplatz Monschaus.

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