Monschau - Ausstellung: Buchstabentanz im Monschauer Aukloster

Ausstellung: Buchstabentanz im Monschauer Aukloster

Von: mon
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Mit zwei Exponaten vertrat unter anderen Tosh Maurer die regionalen Künstler im Rahmen der Ausstellungsreihe VISPO. Foto: Vera Monterey

Monschau. Eine hochinteressante Ausstellungseröffnung einer vierteiligen Reihe unter dem Titel „VISPO, Bildformen regionaler und internationaler visueller Poesie“ beeindruckte am vergangenen Samstag zahlreiche Besucher im Monschauer Aukloster.

Die von der Studiengalerie VHS Aachen initiierte Ausstellung als Projektstarter in Kooperation mit dem Kulturbetrieb Düren (Museum Schloss Burgau), der VHS Heinsberg und der VHS Südkreis Aachen, dem Archäologischen Landschaftspark Nettersheim und dem Kreis Euskirchen und mit Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gefördert, zeigt hier, im Kreuzgang bis zum 18. November eine äußert variantenreiche und weltweit vertretende Kunstart, die Literatur und bildende Kunst vereint.

Kurator Winfried Adams und Dr. Claudia Franken, als Vertreterin der Studiengalerie VHS-Aachen kommentierten die einzelnen Exponate, beginnend mit der Darstellung der ersten Schriftsysteme der Welt, von der Sumerischen Keilschrift über das Demotische bis zur Arabischen und Lateinischen Schrift. Daneben die malerische Auseinandersetzung von Buchstaben zweier Sprachen kleiner Kinder, ineinandergreifend, Spiegelschrift, fast losgelöst von einem System.

Ein nächstes Bild der Ausstellung zeigt immer mehr die Loslösung von der Bedeutung eines Buchstabens. Die Collage einer Frau aus der Sahara, im zweiteiligen Gewand aus Cola- und Fantadosen, die damit ihren „sozialen Stand in der Gesellschaft“ vermittelt, verstärkt durch einen grünen Hintergrund, grün die heilige Farbe, das Grün des Korans. Ein Nomadenteppich aus Marokko beschreibt im Zeichensystem der Sahauris die Geschichte des „marche verte“, der Rückeroberung der Westsahara.

Einige Schritte weiter sind Arbeiten zu sehen, die sich mit Noten, der Brailleschrift und codierten Systemen auseinandersetzen und so Musik oder Lyrik veranschaulichen. Die Frottage einer Felsmalerei aus dem Jahre 5000 vor Christus erzählt Geschichten, ebenso wie ein marokkanisches Wahlplakat mit sehr vereinfachten Bildzeichen, vielleicht von und vor allem für Analphabeten. Von hier ein großer Schritt in das digitale Zeitalter, zur Typographie, zu lokalen Künstlern wie zum Beispiel zu Hartmut „Haki“ Ritzerfeld, zu Schreier und Leni Hoffmann oder zu Inkjets von Stephan Nelson: „Asemic Writing“ fasziniert mit der Sinnlosigkeit seiner Zeichen, einer Schrift, die es gar nicht gibt und schafft dennoch vor dem Auge des Betrachters eine neue Welt des Sehens und der Bilder.

Sehr grafische Arbeiten folgen mit den Exponaten von Nico Vassilakis, die mit längerer Betrachtung Bilder im Kopf des Betrachters auslösen, heraustreten aus dem Rahmen, hinein in die moderne Lyrik. Neben „Palimpset“ von Bernhard Zimmer, einem großformatigen Bild, dass durch Farbflächen und der Dichte der Farbe besticht und die mit der linken Hand geschriebenen Worte eines portugiesischen Gedichtes Papier zum Leben erweckt, erzeugen auch die nachfolgenden beiden Bilder von Tosh Maurer eine „lebendige Spannung“. Buchstaben aufgereiht, groß und klein, aus einer Spirale entsprungen, hüpfen und tanzen und scheinen dem Betrachter ins Gesicht zu springen.

„Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf“, erklärt der junge, aus Aachen stammende Künstler, der in der Kunstwerkstatt „willsosein“ der Lebenshilfe Aachen arbeitet und gefördert wird, nicht ohne Stolz. „Ich bin fasziniert von der Bandbreite, fasziniert von dem, was alles Kunst sein kann“, meinte Bürgermeisterin Margareta Ritter. Großen Dank für die detaillierten Ausführungen, sprach auch die Leiterin der VHS-Südkreis Aachen, Marlies Breuer aus. Die hervorragende Interpretation der Referenten Franken und Adams, ohne die so mancher die Sprache der Bilder, die leisen Töne der Brailleschrift, den „Schrei“ ins Nichts von Ritzerfeld und das Verwischen der Kulturen des Orient und Okzidents kleiner Kinder nicht verstanden hätte.

Bevor die Ausstellung zu dem nächsten Kooperationspartner im Raum Aachen auf Reisen geht, wobei, „work in progress – abermals die Exponate variieren und „lokale Künstler hinzugenommen werden“, so Dr. Beate Blüggel, Leiterin der VHS-Aachen, findet am 18. November um 19.30 Uhr eine Lesung mit der Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe im Aukloster statt. Eine Kooperation von Lit.Eifel und der VHS-Südkreis Aachen.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag: 11 bis 17 Uhr.

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