Ausbau abgelehnt: Braunkehlchen legt den Ravel-Radweg lahm

Von: Petra Förster
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Das seltene Braunkehlchen hat auf dem Abschnitt zwischen Kalterherberg und Sourbrodt in Belgien die Planungen für den Ravel-Radweg durchkreuzt. Foto: imago/Stock

Sourbrodt/Kalterherberg. Die Generaldirektion der Landwirtschaft, der Naturschätze und Umwelt, Abteilung Natur und Forste der Wallonischen Region, hat den Antrag auf Ausnahmeregelung für das Anlegen eines Ravel-Weges durch das Rurtal bei Sourbrodt abgelehnt. Die Enttäuschung bei den Befürwortern ist groß.

Zur Erinnerung: Zwölf Partner aus drei Ländern möchten in einem euregionalen Projekt einen in Europa einzigartigen Fahrradweg entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, der Vennbahntrasse, realisieren. Die Finanzierung ist gesichert, die Baugenehmigung für einzelne Teilabschnitte bereits erteilt.

Problematisch war und ist jedoch der Abschnitt zwischen Kalterherberg und Weismes, wo in einem Teil des Rurtales zwölf Braunkehlchen-Paare nisten. Das wallonische Straßenbauministerium hatte als Bauherr auf diesem Streckenabschnitt bei der zuständigen Generaldirektion der Wallonischen Region einen Antrag auf Abweichung von den Vorschriften zum Naturschutz eingereicht.

Vogelschutzrichtlinie

Mit Rücksicht auf die seltene Vogelart sollten die Bauarbeiten nicht zur Brutzeit der Tiere ausgeführt werden und die künftigen Nutzer durch Schilder und Tafel sensibilisiert werden. Doch der Antrag wurde mit Verweis auf die europäische Vogelschutzrichtlinie und das belgische Naturschutzgesetz abgewiesen. Die Generaldirektion stützte sich bei ihrer Entscheidung auf verschiedene Gutachten, so auf eines des hohen Rates der Natur der Wallonie.

Die ostbelgischen Naturschutzvereinigungen jubeln: Ihrer Ansicht nach sind Ruhezonen für die Fortpflanzung und den Nahrungserwerb für die wild lebenden Arten unabdingbar. Deshalb hatten sie sich schon frühzeitig für eine Alternativroute ausgesprochen.

Auf der anderen Seite, der Seite der Promotoren, ist die Enttäuschung groß. „Das ist eine äußerst schwierige Situation, weil die Strecke so ihren besonderen Charakter verliert”, so Tourismusministerin Isabelle Weykmans. Das Wort „Alternativen” mag sie in diesem Zusammenhang eigentlich nicht, „weil es keine wirkliche Alternative gibt”.

Nicht zur Belustigung

Hinter der Ravel-Strecke stecke ein besonderes touristisches Konzept, das als „Radeln und Spazieren auf flachen Wegen” besonders Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität anziehen soll.

Die Umgehung des geschützten Gebietes würde nicht nur eine acht- bis neunprozentige Steigung beinhalten, sondern auch durch ein bewohntes Gebiet (Bosfagne in Sourbrodt) führen, das recht unübersichtlich sei und die Fahrradfahrer in gefährliche Situationen bringen könnte. Dies möchte man vor allem für Familien vermeiden.

Weykmans verweist ebenfalls darauf, dass der Ravel-Weg nicht zur Belustigung der Bevölkerung gebaut werden soll, sondern einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstelle und helfen solle, die Region auf dem europäischen Tourismusmarkt als Top-Region für Fahrradfahrer und Wanderer zu positionieren. „Es ist das erste Mal, dass die Wallonische Region so entschieden hat. In anderen Gebieten führen auch Fahrradwege durch Natura 2000-Gebiete”, so die Gemeinschaftsministerin, die nun die Partner an einen Tisch bringen möchte.

Die Naturschutzvereinigungen verweisen indessen auf ihre Bereitschaft, touristische Initiativen wie den Ravel-Weg zu unterstützen und den Promotoren Hilfeleistungen zu geben, sofern der Einklang mit dem Naturschutz gegeben ist. Dies gelte auch für die alternative Strecke zur Umgehung des Rurtals.

„Die Naturschützer können zur Sensibilisierung und Information beitragen und die Gründe für die Umgehung zum Beispiel in Form von Informationstafeln erläutern”, schlägt Gerhard Reuter von Aves Ostkantone vor.
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