Aus „Wortwäldern der Fantasie“ entstehen Gedichte

Von: P. St.
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Gedichte mit einer besonderen persönlichen Note verfasst: Nils und Hedwig Ponten. Foto: P. Stollenwerk

Mützenich. „Bitte komme schon bald, bringe mir den missenden Schlaf. Das Licht der Sonne verschwindet ohnedem fraglos. Sterne spiegeln sich – jeder für sich. Hab‘ nur noch den Rest des verbrannten Lichtes bis zum nächsten Morgen.“ So lauten die ersten Zeilen des Gedichtes mit dem Titel „Nacht“. Autor ist der 26-jährige aus Mützenich stammende Nils Ponten.

Dass ein junger Mann sich der literarischen Ausdrucksform des Gedichtes bedient, ist schon ungewöhnlich genug, aber Nils Lukas Nelson Ponten, wie er mit vollem Namen heißt, leidet unter einer schweren psychischen Krankheit. Im Alter von 16 Jahren erkrankte er an einer paranoiden Schizophrenie.

Inzwischen lebt er in einer Wohngemeinschaft in Schleiden und ist stundenweise bei der dortigen Caritas beschäftigt.

„Das alte Eifelhaus meiner Eltern, der große Garten und auch der Vennwind, der mich anrührt, ja manchmal auch zupackt, sind die Nahrung für meine Ideen“, sagt Nils Ponten. Er spricht von „lichtlebigen Wortwäldern der Fantasie“, aus denen die Gedichte entstehen. Persönliche Erlebnisse und Alltagserfahrungen in seinem von vielen Schwankungen geprägten Leben bilden die Grundlage für die Texte.

Über 150 Gedichte hat Nils Ponten inzwischen verfasst. Anfang des Jahres erschien bereits der zweite Gedichtband unter dem Titel „Mit Finde-Flügeln“, den er wie auch die erste Veröffentlichung im Jahr 2013 gemeinsam mit seiner Mutter Hedwig Ponten herausgegeben hat. „Meine Mutter ist meine Lektorin und Managerin“, erzählt der 26-jährige.

Hedwig Ponten (54), die die Texte ihres Sohnes überarbeitet und gemeinsam mit ihm in Gedichtform bringt, hat drei leibliche erwachsene Kinder und zwei Pflegekinder und arbeitete als sozialpädagogische Fachkraft. Die Inspiration und sprachliche Kreativität ihres Sohnes begleitet sie bereits seit vielen Jahren: „Die Gedanken meines Sohnes sind nicht nur geistig eine Bereicherung, sondern berühren auch die Seele.“

Je nachdem wie die Krankheit sich auf das Befinden von Nils Ponten auswirkt, sind seine Gedanken gehemmt, ein anderes Mal kennt die Fantasie dann keine Grenzen mehr. „Es ist für mich ein gutes Gefühl, mich durch meine Gedichte äußern zu können. Das gibt mir neue Lebensenergie“, sagt der 26-Jährige, dem als Folge seiner Krankheit eine Ausbildung verwehrt blieb.

Ab dem Jahr 2012 schreibt er seine Gedanken auf, nachdem seine Mutter ihn dazu ermuntert hatte, den oft wild und unkontrolliert im Kopf entstehenden Bildern durch gezielte Worte einen Rahmen zu geben.

Gemeinsam werden die Spontan-Texte überarbeitet. Hedwig Ponten hilft beim Sortieren der Gedanken und der sprachlichen Vollendung: „Durch das Schreiben sind ihm regelrecht Flügel gewachsen, und es entstanden auch viele neue Kontakte“, erzählt die Mutter. Außerdem findet sie, dass das Schreiben sich positiv auf den Verlauf der Krankheit ausgewirkt hat. Ihr gehe es darum, „die Gedanken von Nils in ein gesundes Leben zu führen“. Auch Nils Ponten selbst erfährt viele positive Reaktionen. „Dadurch werde ich animiert weiter zu schreiben.“

Es gibt bereits Anfragen für Lesungen, wobei das Autoren-Duo in diesem Punkt bereits über Erfahrungen verfügt. Im Rahmen der Lesereihe Lit.Eifel hielten Hedwig und Nils Ponten eine Lesung in Nettersheim vor großem Publikum ab, wobei man besonders den Einsatz von Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins Lit.Eifel heraushebt.

In der Stadtbücherei Monschau wie auch beim künftigen Festival Lit.Eifel 2015 sollen wieder Lesungen stattfinden.

Und noch einen beachtlichen Erfolg können der neue Gedichtband und seine Autoren verzeichnen. Das Gedicht „Nacht“ war ein Wettbewerbsbeitrag in der Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichtes. Der Wettbewerb wird von der Brentano-Gesellschaft ausgeschrieben.

Das oben erwähnte Gedicht „Nacht“ endet mit folgenden Zeilen:

„Nacht, bitte bringe mir die leisen Geräusche, ich will nicht mehr „Laut“.

Denn nach Dir legt die Sonne sich wieder auf das Land,

und tut so als würde sie schlafen und ist dabei befremdlich schrill.“

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