Woffelsbach - Aus für das Jugendferienheim am Rursee?

Aus für das Jugendferienheim am Rursee?

Von: P.St.
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Über zwei Drittel seines Lebens hat Jöb Kersting (78) als Verwalter des Jugendferienheim im Schilsbachtal verbracht. Jetzt möchte der Eifelverein das Gelände verkaufen. Die jugendtouristische Nutzung soll erhalten bleiben. Foto: P. Stollenwerk
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Anfang der 1960er Jahre diente das Gelände im Schilsbachtal zunächst als reiner Zeltplatz am Rurseeufer.

Woffelsbach. Einer der idyllischsten Plätze am Rursee ist vom Zeitgeist überschwemmt worden. Das im Schilsbachtal nahe Woffelsbach gelegene Jugendferienheim des Eifelvereins soll 55 Jahre nach seiner Gründung verkauft werden.

Generationen von Kindern erlebten hier in der abgelegenen Rurseebucht mitten im Eifelwald unvergessliche Ferienabenteuer, aber der Wandel der Zeit und neue Formen eines zeitgemäßen Angebotes in der Natur für junge Leute ließen das Jugendferienheim schon seit Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten. In den letzten Jahren gab es kaum noch Buchungen, und der Eifelverein als Eigentümer des Jugendferienheims nahm als logische Folge Abstand von weiteren Investitionen in die Unterhaltung der Unterkünfte.

Stattdessen beschloss der Eifelverein bei seiner zurückliegenden Herbsttagung in Daun bei 401 Ja- und drei Nein-Stimmen den Verkauf des Ferienheims am Rursee. Das weitläufige Gelände mit Steinhäusern und Blockhütten bietet weder heutige Standards wie Warmwasser und Heizung noch zeitgemäße Küchen- und Sanitäranlagen. Schulklassen und Jugendgruppen können dieser spartanischen Unterbringung offenbar keine romantische Note mehr abgewinnen.

Als wesentliche Auflage bei den Verkaufsverhandlungen sollte aber die weitere jugendtouristische Nutzung der Immobilie im Vordergrund stehen. Diesen Gedanken unterstrich am Montag auch der Simmerather Bürgermeister, Karl-Heinz Hermanns, auf dessen Gemeindegebiet sich die Einrichtung befindet. Eine jugendtouristische Nutzung in diesem Bereich sei unbedingt wünschenswert, um jungen Besuchern die Naturlandschaft in der Eifel näherzubringen.

Hermanns ist auch Beisitzer im Hauptvorstand des Eifelvereins. Im Heft 1/2016 der Vereinszeitschrift „Die Eifel“ wird er mit der Feststellung zitiert, dass nach einer jüngsten Brandschau der Städteregion Aachen weitere kostenintensive Auflagen hinzugekommen seien. Herangezogen wurde ein Gutachten, dass die Kosten für die Beseitigung von Brandschutz- und Hygienemängeln sowie Instandsetzungen und Modernisierungen zur Wiederaufnahme des Betriebs bei einem Mindeststandard auf mindestens 230.000 Euro beziffert. Neue Strom- und Wasserleitungen kämen noch hinzu.

Manfred Rippinger, der Hauptgeschäftsführer des Eifelvereins in Düren, bestätigte am Montag, dass die Verkaufsverhandlungen auf einem guten Weg, aber noch nicht abgeschlossen seien. Auch er bekräftigt die Absicht des Eifelvereins, dass die Philosophie der naturnahen jugendtouristische Nutzung des Geländes auch von einem neuen Betreiber fortgeführt werden solle. „Die Jugendlichen sollen Natur im Schilsbachtal weiterhin hautnah erleben können.“

Der Eifelverein selbst sehe sich nicht mehr in der Lage, das Jugendferienheim fortzuführen, betont Rippinger. Die Intention bei der Gründung vor fast 60 Jahren sei es gewesen, vor allem der Deutschen Wanderjugend einen naturnahen Aufenthalt in unberührter Umgebung zu bieten. Das habe auch über viele Jahrzehnte funktioniert, aber inzwischen hätten sich die Zielgruppen verändert. Viele Jugendherbergen verfügten heute über einen hotelähnlichen Charakter, wodurch der Reiz einer eher rustikalen Unterbringung wie im Schilsbachtal immer stärker zurückgegangen sei.

Manfred Rippinger betont auch, dass dem Eifelverein die Entscheidung, das Haus zu verkaufen, nicht leichtgefallen sei. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch, dass man gemeinsam mit dem Verwalter des Jugendferienheims, Jöb Kersting, „eine sozialverträgliche Lösung“ finde. Kersting, inzwischen 78 Jahre alt, zog bereits im Jahr 1960, zunächst gemeinsam mit seinen Eltern ins Schilsbachtal, wo der Eifelverein für seinen soeben eröffneten Zeltplatz einen Verwalter suchte. Ab 1967 übernahm er dann das Haus in Eigenregie und baute es immer weiter aus. Bis zu 60 Jugendliche konnten in den Fachwerkhäusern und Blockhütten Platz finden.

Rippinger erinnert in diesem Zusammenhang an die großen Verdienste und das Engagement von Jöb Kersting um das Jugendferienheim. Aber für den Eifelverein gelte es nun, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und zu neuen Ufern aufzubrechen.

In die Diskussion um die zukünftige Nutzung des Geländes im Schilsbachtal hat sich auch die Familie von Verwalter Jöb Kersting eingebracht. Neffe Christof Kersting hat gegenüber dem Eifelverein das Interesse der Familie an einem Erwerb der Immobilie ins Gespräch gebracht, aber inzwischen erfahren, dass die Verhandlungen mit einem bevorzugten Interessenten „bereits sehr weit gereift“ seien.

Christof Kersting räumt ein, dass es selbstverständlich dem Eifelverein überlassen sei, die Immobilie zweckgebunden zu verkaufen, bekräftigt aber in diesem Zusammenhang, dass man vor allem „an einer Lösung interessiert ist, die die Einzigartigkeit dieses ökologisch wertvollen Gebietes schützt“.

Eine solche Lösung scheint sich indes abzuzeichnen. Dem Vernehmen nach sind die Verkaufsverhandlungen mit einem bereits am Rursee ansässigen Anbieter von naturnahem Jugendtourismus kurz vor dem Abschluss. Dieser hat sich dem Jugendtourismus in einer qualifizierten Form mit neuen Erlebnisreizen verschrieben.

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