Aus dem Wasserdruck Kapital schlagen

Von: P. St.
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Am Pilotprojekt zur Energierückgewinnung aus Wasserverteilungsnetzen ist auch das Wasserwerk Perlenbach beteiligt. Dessen Leiter Derk Buchsteiner (re.) begrüßte in Monschau Projektleiter Prof. Günthert von der Bundeswehr-Universität München. Foto: P. Stollenwerk
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Staatssekretär Thomas Rachel (4. v. re.) überbrachte den Verantwortlichen des Wasserwerks Perlenbach einen Bewilligungsbescheid über 150 000 Euro für das Energierückgewinnungs-Projekt. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Was ist intelligentes Druckmanagement? Handelt es sich hierbei vielleicht um ein Aufbauprogramm von Unternehmen für motivationsschwache Mitarbeiter? Weit gefehlt! Es um Wasser - genauer gesagt um Trinkwasser.

Die zentrale Wasserversorgung ist nämlich viel mehr als aufbereitetes Wasser durch ein Netz von Leitungen zum Verbraucher zu schicken. Wasserversorgung ist vor allem ein teures Unterfangen, weil sie jede Menge Energie schluckt. Durch das oben angesprochene „intelligente Druckmanagement“ lässt sich nun Energie im Wasserverteilungsnetz zurückgewinnen.

Wie das funktioniert, soll in den nächsten beim Wasserversorgungszweckverband Perlenbach getestet werden. Der kleine Wasserversorger aus der Eifel (18.000 Haushalte zwischen Kalterherberg und Kreuzau werden beliefert) wird als Verbundpartner an einem bundesweiten Pilotprojekt zur Energierückgewinnung teilnehmen. Gefördert wird diese Maßnahme von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Zum Start des Projektes überbrachte der aus Düren stammende Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel aus dem BMBF einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 150.000 Euro, den er jetzt in der Aufbereitung des Wasserwerks Perlenbach an die Projektpartner übergab.

Zuvor hatte der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns in seiner Funktion als Verbandsvorsteher des Wasserwerks die Bedeutung des Projektes herausgestellt, sei doch die sparsame Verwendung von Energie ein großes Thema für die Zukunft, wobei sich das Wasserwerk schon sehr früh der regenerativen Energieerzeugung verschrieben habe, beispielsweise durch den Bau und Betrieb und einer Wasserkraftanlage im Jahr 2003 mit einer Jahresproduktion von einer Millionen Kilowatt Strom.

Im jetzt anlaufenden Projekt geht es nun darum, den bislang energetisch ungenutzten Druckabbau im Verteilungsnetz des Wasserwerks Perlenbach wieder in elektrische Energie umzuwandeln und zu nutzen.

So pumpt das Wasserwerk Tag für Tag das aufbereitete Trinkwasser von der Talsohle Perlenau über 185 Meter Höhenunterschied hinauf zum Hochbehälter Mützenich. Für diesen Kraftakt, erläuterte Betriebsleiter Derk Buchsteiner würden täglich drei Millionen Kilowatt Strom benötigt. Durch die Anwendung des intelligenten Druckmanagements sollen 10 Prozent dieser Energie zurückgewonnen werden.

Als Wasserversorger in einer Mittelgebirgsregion ist ist das Perlbachwerk für das Projekt ein idealer Verbundpartner. Mit im Boot ist auch das ähnlich strukturierte Wasserwerk Ammersee in Bayern. Begleitet wird das Projekt von der Universität der Bundeswehr in München mit den Fachbereichen Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik. Universitätsprofessor Dr. F. Wolfgang Günthert erläuterte mit interessanten Details die wichtigsten Faktoren beim nachhaltigen Wassermanagement und einer ressourcenschonenden Wasserwirtschaft.

Gerade bei Wasserverteilungsnetzen mit großen Höhenunterscheiden biete sich großes Einsparpotential. Neben einer optimierten Energiebilanz für den Wasserversorger komme es auch zu einer geringeren Belastung des Netzes.

Staatssekretär Thomas Rachel berichtete, dass deutschlandweit insgesamt 12 Verbundprojekte mit zusammen 66 Partnern gestartet würden. Diese Projekte werden von der Bundesregierung mit 27 Millionen Euro gefördert. Die Dimensionen des Energieverbrauchs bei der Wasserverteilung seien enorm.

Der Verbrauch entspreche dem Bedarf von 1,6 Millionen Vier-Personen-Haushalten im Jahr. Bei einer funktionierenden Energierückgewinnung ließen sich rund 20 Prozent davon einsparen. Von dem Projekt, „das Modellcharakter für ganz Deutschland besitzen soll“, verspreche er sich innovative Lösungen zur Gewinnung von elektrischer Energie.

Das gesamte Pilotprojekt ist auf die Dauer von vier Jahren angelegt. Noch ist aber nicht sicher, ob diese Zeit auch ganz genutzt wird. Nach anderthalb Jahren, erläuterte Prof. Günthert, soll die technische Umsetzung auf den Prüfstand gestellt werden. „Dann wird man sehen ob es funktioniert“.

Wenn es bis dahin nicht gelungen sein sollte, aus dem überschüssigen Druck Kapital zu schlagen, dann wird der Versuch abgebrochen.

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