Simmerath - Aus dem treuen Tannenbaum wird Biomasse

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Aus dem treuen Tannenbaum wird Biomasse

Von: Heiner Schepp
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Zufrieden mit der Resonanz auf die erste Einsammlung von Weihnachtsbäumen in der Gemeinde Simmerath (Bild oben, von links): Ralf Sendscheid, Sprecherin Stephanie Pfeifer und Jürgen Wienands von der Regioentsorgung sowie Roger Nießen von der Gemeindeverwaltung. Unten: Auf der Deponie in Warden landen auch die ausgedienten Christbäume aus Simmerath und werden dort zu Biomasse weiterverarbeitet. Foto: Schepp/Schaum
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Von Heiner Schepp Simmerath. Gerade mal drei Wochen ist es her, da glänzte er festlich, lieb und mild in der guten Stube, legte schützend seine geschmückten Zweige über die Geschenkeflut und einte die Generationen in der Erinnerung an Christi Geburt.

Simmerath. Gerade mal drei Wochen ist es her, da glänzte er festlich, lieb und mild in der guten Stube, legte schützend seine geschmückten Zweige über die Geschenkeflut und einte die Generationen in der Erinnerung an Christi Geburt.

Doch im wohl beheizten Zimmer schwindet der frische Tannenduft rasch und bieten die treuen Blätter spätestens an Drei Könige meist nur noch einen traurigen Anblick. Dann heißt es: Nichts wie raus mit dem Bäumchen, ehe es die abfallenden Nadeln flächendeckend im Wohnzimmer abwirft. Was dann mit dem ausgedienten Weihnachtsbaum passiert, wird in der Stadt und auf dem Land ganz unterschiedlich gehandhabt.

Geselligkeit am Feuer

Ein schwedisches Möbelhaus beschwört um diese Zeit den Heiligen Knut, an dessen Ehrentag (13. Januar, das Ende der 20-tägigen Weihnachtszeit) man in den skandinavischen Ländern angeblich den Weihnachtsbaum einfach aus dem Fenster auf die Straße wirft.

Ganz so einfach ist das mit der Entsorgung hierzulande nicht. Immerhin hat der „Knuts Tag“ seit einigen Jahren auch den Weg in die Eifel gefunden, wird hier aber anders zelebriert: Auf einer großen Wiese werden alle Bäume aus der Nachbarschaft gesammelt und wird das große Feuer zum Anlass für ein wärmendes geselliges Beisammensein beim ein oder anderen Getränk genommen. In Imgenbroich beispielsweise wird „Knuts Tag“ um das letzte Januarwochenende in Menzerath, auf dem Heidbüchel und im Steinrötsch gefeiert.

Doch auch ohne Knut-Event weiß der Eifeler sich zu helfen: Wer den Weihnachtsbaum nicht zerlegt und im Kaminofen zu Wärme macht, der befeuert damit das erste Frühjahrsfeuer, wirft zumindest die Zweige auf den Komposthaufen oder bringt die weihnachtliche Zierde – ordnungswidrig – dahin, wo sie originär herkommt, nämlich in den Wald.

„Natürliche Lösung“

Zuständig in der Frage nach der Baumentsorgung fühlen sich auch manche Kommunen, aber auch da gibt es in der Nordeifel unterschiedliche Ansätze. Während man bei der Stadt Monschau von einer natürlichen Lösung (siehe oben) der Entsorgungsfrage ausgeht und die Gemeinde Roetgen die ausgedienten Weihnachtsbäume auf dem Parkplatz am Kuhberg sammelt, hat die Gemeinde Simmerath ihren Bürgern in diesem Jahr einen neuen Service angeboten: Am Donnerstag begab sich die Regionentsorgung, die auch für die übrige Entsorgung in der Gemeinde zuständig ist, auf Extratour. Zwei normale Müllfahrzeuge mit Presswerk fuhren am Vormittag das gesamte Gemeindegebiet ab, um herausgelegte Weihnachtsbäume einzusammeln.

Sturm und Dunkelheit

„Es war mehr als erwartet“, zog Fahrer Ralf Sendscheid nach etwa der Hälfte der Tour eine erste Bilanz. „Gezählt haben wir die Bäume aber nicht“, meinte er lachend. Nachteilig seien der sehr starke Wind am Sammeltag und die morgendliche Dunkelheit gewesen. „Oft konnte man kaum erkennen, dass da ein Baum am Straßenrand liegt“, regt Sendscheid an, die Weihnachtsbaumsammlung im nächsten Jahr mit der Leerung der Biotonne zu verbinden.

Zufrieden ist man mit der Neuerung auch bei der Gemeinde Simmerath. „Es ist ein Service für jene Bürger, die den Baum nicht verbrennen oder kompostieren können oder wollen. Und die Sammlung verhindert, dass viele Bäume als wilder Abfall in der Natur und auf Parkplätzen landen“, ist Beigeordneter Roger Nießen überzeugt. Die Sammlung wirke sich mit nur rund 20 Cent auf die Abfallgebühr aus – „dafür kann man es machen“, findet Nießen, auch wenn sicher nicht – wie vorsichtig kalkuliert– jeder zweite der rund 6000 Haushalte seinen Baum an die Straße gelegt habe.

Eine gute Sache ist die Weihnachtsbaumsammlung auch, weil so aus den ausgedienten Christbäumchen nach dem Schreddern auf der Deponie in Warden noch Biomasse und damit Energie gewonnen wird: „Die Energie aus 500 Weihnachtsbäumen kann einen Durchschnitts­haushalt rechnerisch ein Jahr lang mit Strom versorgen oder können diese 500 Bäume 1000 Liter Heizöl ersetzen“, heißt es beim Webportal energiezukunft.eu. Macht das Beispiel Schule, wäre das bei 29 Millionen Weihnachtsbäumen in Deutschland sicherlich auch ein hübscher Beitrag zur Energiewende.

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