Monschau/Hoyerswerda - Aus dem Abenteuer wurde eine Erfolgsstory

Aus dem Abenteuer wurde eine Erfolgsstory

Von: Heiner Schepp
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Ein Meilenstein der Weiss-Expansion in Ostdeutschland: 1993 legten Verleger Hans-Georg Weiss (Mitte), Geschäftsführer Georg Weiss (rechts) und Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (links) den Grundstein für die Weiss-Druckerei in Sachsen.

Monschau/Hoyerswerda. Es begann als Abenteuer und wurde zu einer deutsch-deutschen Erfolgsgeschichte. Letztlich ist es dem Pioniergeist und der Tatkraft des 2008 verstorbenen Monschauer Verlegers Hans-Georg Weiss zu verdanken, dass heute in Sachsen und Brandenburg Wochenblätter mit einer Auflage von weit über zwei Millionen Exemplaren erscheinen und fast 500 Menschen in Brot und Arbeit stehen.

Die Anfänge dieser nun zwanzigjährigen Geschäftsbeziehung zwischen Monschau an der belgischen und Hoyerswerda an der polnischen Grenze klingen wie das erdachte Drehbuch eines Wende-Fernsehfilms. Drei nebenberufliche „Redakteure” der Betriebszeitschrift des Braunkohlekombinats „Schwarze Kohle” in Hoyerswerda hatten eine Vision: „In einer Zeit des Aufbruchs und der möglich gewordenen freien Meinungsäußerung wollte dieses Trio eine Tageszeitung herausgeben und schrieb alle renommierten Verlage in den alten Bundesländern an”, erzählt Geschäftsführer Helmut Lanio.

Doch der Erfolg ihrer Aktion war bescheiden: Es hagelte Absagen, den meisten Verlegern war das Risiko einfach zu hoch - mit einer Ausnahme: Hans-Georg Weiss, damals Präsident des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BDA), lud die drei Freizeit-Redakteure nach Monschau ein, sorgte für Unterbringung und traf sich mit ihnen zu einem lockeren Gespräch.

Tageszeitung ausgeredet

„Hans-Georg Weiss ließ sich von der Begeisterungsfähigkeit der Drei anstecken, überzeugte sie jedoch davon, dass eine Tageszeitung in ihrer Heimat zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu realisieren sei”, erinnert sich Helmut Lanio. Der Monschauer Verleger, selbst ein Visionär, machte die Besucher aus dem Osten mit dem Produkt „wochenspiegel” vertraut, verlängerte ihren Aufenthalt in Monschau und gab ihnen einen Tag Zeit, ein Konzept für eine kostenlose Wochenzeitung im Raum Hoyerswerda zu erstellen.

Der Wochenendtrip des Trios aus der ehemaligen DDR geriet zur Geschäftsreise mit Folgen: Bereits montags präsentierten Thorsten Werge und seine beiden Mitstreiter ihre Ideen in der Chefetage des Imgenbroicher Verlagshauses - mit Erfolg: Unter gewichtiger Fürsprache von Hans-Georg Weiss verständigte man sich, „50.000 D-Mark in dieses Abenteuer zu investieren”, erzählt Helmut Lanio, und auch Georg Weiss erinnert sich noch gut an den Moment der Entscheidung: „Mein Vater schaute zu mir herüber und meinte: "Ob wir nun 50.000 hier riskieren oder drüben, ist doch eigentlich egal! Lass es uns probieren!"”

Gesagt getan: Schon wenige Tage später reiste eine Monschauer Delegation, angeführt von Vater und Sohn Weiss, nach Hoyerswerda und konkretisierte mit den „Machern” vor Ort die Wochenzeitungspläne.

„Die politische Schiene”, unterstreicht Helmut Lanio, „spielte damals keine Rolle”. Zwar sei der örtliche CDU-Landrat mit am Tisch gewesen, „aber der hatte kein Geld und war uns nur bei Dingen wie der Bürosuche oder beim Beschaffen eines Telefons behilflich”, erzählt Lanio lachend.

Am 3. August 1990 wurde beim Monschauer Notar Franz Niewöhner der notarielle Vertrag für die Verlagsgründung unterzeichnet, und schon zwei Wochen später erschien der erste „wochenspiegel” im Raum Hoyerswerda.

„Unser Blatt schlug ein wie eine Bombe”, erinnert sich Helmut Lanio, und Georg Weiss erinnert er sich an einen „Flächenbrand” der positiven Art: „Nach nur einem Jahr hatten wir in Sachsen bereits 19 Ausgaben”.
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