Monschau - Aukloster: Werke russischer Komponisten präsentiert

Aukloster: Werke russischer Komponisten präsentiert

Von: Josef Schreier
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Überzeugten vor allem mit ihrer betroffen machenden Ausführung der beiden Prokofjew-Werke beim Kammermusik-Abend im Monschauer Aukloster: Vadim Tchijik und Anna Carrere. Foto: Josef Schreier

Monschau. Schon zum fünften Mal konnte Florian Koltun, der rührige Kulturorganisator, am Sonntag einen neuen Zyklus der Monschauer Kammerkonzerte „Montjoie Musicale“ im Aukloster eröffnen. Das Modell hat sich etabliert, denn trotz des kurzen zeitlichen Vorlaufs konnte sich Koltun wieder über einen regen Zuspruch „seines“ Publikums freuen.

Immer wieder gelingt es dem Organisator, illustre Künstler aus aller Welt nach Monschau einzuladen. Und immer wieder sind es auch neue musikalische Landschaften, die er den Monschauer Klassik-Liebhabern nahebringt.

Diesmal ging es wieder um russische Musik mit russischen Musikern. Vadim Tchijik an der Violine und Anna Carrere am Flügel spielten Werke von Peter Tschaikowski und Sergei Prokofjew. Dabei waren es vor allem die Stücke von Prokofjew, die für Monschau Neuland erschlossen und die Zuhörer auch am meisten beeindruckten.

Zu Beginn gab es einige Werke von Tschaikowski, der wohl der bekanntere der beiden Komponisten ist. Diese Bekanntheit bezieht sich allerdings eher auf die großen Orchesterwerke und Opern. Die am Sonntag aufgeführten Kammermusikwerke gehörten dagegen wohl auch für den Komponisten selbst eher zu den Marginalien, wenngleich sie für die Biografie und die innere Charakteristik Tschaikowskis durchaus aufschließend sind.

So weist die dreisätzige Suite „Souvenir d’un lieu cher“ auf einen „geliebten Ort“ hin, der nichts anderes war als das Landgut von Tschaikowskis langjähriger, ihm von Angesicht unbekannter Gönnerin Nadeshda von Meck. Und die „Sérénade mélancholique“, welche die Künstler als zweites Werk spielten, weist deutlich auf die seelische Grundstimmung hin, die sowohl in Tschaikowskis Persönlichkeit wie in seinem Werk waltet.

Zusammen mit dem diesen Teil abschließenden „Valse-Scherzo“ bildeten diese Werke dann doch so etwas wie ein geistiges Porträt dieses großen Komponisten, dem die Darbietung durchaus entsprach. Wenn man dabei freilich manchmal den Eindruck hatte, als ob die Ausführenden bei Tschaikowski nicht ganz bei der Sache waren (vielleicht weil Tschaikowski für seine Landsleute so etwas wie „täglich Brot“ ist), so war dies bei dem jüngeren Komponisten Prokofjew doch etwas anders.

Hier hörte man bei dem Geiger Vadim Tchijik sofort einen energischeren, beinahe aggressiven Zugriff, und die Pianistin Anna Carrere hielt dem durch eine rhythmisch präzise und überaus aufmerksame Begleitung stand. Sicher verlangt Prokofjew auch dem Zuhörer einiges ab.

Auch dieser Komponist hatte infolge der politischen Umstände seines Lebens seelisch vieles zu verkraften, was sich bei ihm in einer Tonsprache äußerte, der man die innere Bedrängtheit und auch den Sarkasmus durchaus anhört, mit dem Prokofjew darauf antwortete. Schon die fünf „Melodien“ op. 35b, mit denen dieser Konzertteil begann, waren so alles andere als leicht eingängige, etwa bloß liedhafte Stücke.

Allerdings ist die am Sonntag dargebotene Folge in der Tat eine Bearbeitung gewesen von „Liedern ohne Worte“, die der Komponist für Singstimme (ohne Text!) mit Klavier zuvor geschrieben hatte. Dass auch das zweite, größere Werk Prokofjews, die D-Dur Sonate für Violine und Klavier op. 94b, die Bearbeitung eines vorherigen Werks für Flöte und Klavier war, schließt wohl einige Eigenheiten des gehörten Stücks auf.

Es ändert aber nichts daran, dass die Darbietung von Vadim Tchijik und Anna Carrere in seelischer Intensität und musikalischer Motorik nichts zu wünschen übrig ließ, ja geradezu betroffen machte. Für den starken Beifall des Publikums dankten die Künstler mit der Zugabe der berühmten „Vokalise“ von Sergej Rachmaninow.

Florian Koltun dankte den Künstlern, dem aufmerksamen Publikum sowie allen Sponsoren der Kammermusikreihe und wies auf die nächste Veranstaltung hin, die am Sonntag, 11. Dezember, 11 Uhr, in der Schloßkapelle Monschau stattfinden wird.

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