Monschau - Aufbruchstimmung in der Altstadt

Aufbruchstimmung in der Altstadt

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Hübsch anzuschauen ist die Monschauer Altstadt, doch hinter den Fassaden der historischen Baubsubstanz verbergen sich eine Menge Probleme. Die neugegründete ISG Monschau möchte Bewohner und Gewerbetreibende auf einen gemeinsamen Kurs bringen, um dem Werteverfall nachhaltig zu begegnen. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Die Monschauer Altstadt. Vor rund 50 Jahren bot der historische Ortskern noch ein völlig anderes Bild: Monschau war das Zentrum des Monschauer Landes, und wer etwas zu erledigen oder zu besorgen hatte, kam mangels entsprechender Angebote in den Eifeldörfern nach Monschau. Diese Situation hat sich grundlegend geändert.

Heute ist Monschau fast eine reine Touristenstadt, und in die Altstadt kommen die meisten Menschen nur noch zwecks Freizeitvergnügen. Damit verbunden simd ein schleichender Werteverfall der Immobilien, ein markanter Bevölkerungsrückgang und ein Imageverlust.

Dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zuschauen möchte eine Gruppe von Initiatoren, die vor einigen Monaten die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Monschau aus der Taufe gehoben hat.

Ziel des Vereins (s. Box) ist es, sich aktiv den Problemen zu stellen und Maßnahmen zu ergreifen, die der Aufwertung des Stadtbildes dienen, oder wie es ISG-Vorstandsmitglied Hans-Benno Kaulard, selbst Inhaber eines Traditionsgeschäftes auf den Punkt bringt: „Wir möchten nicht nur klagen, sondern anpacken.“

An Ideen, Plänen und Wünschen mangelt es der ISG nicht, die auch die Ziele des inzwischen aufgelösten Verschönerungsvereins aufgreifen möchte und sich das Motto „Zukunft mit Geschichte“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Es steht aktuell nicht gut um die Monschauer Altstadt. Viele der rund 220 historischen Gebäude im Altstadtkern sind in einem baulich beklagenswerten Zustand, selbst wenn die Altstadt kürzlich in der Beliebtheitsskala der Redaktion von Geo.de, der digitalen Plattform des Geo-Magazins, auf Platz fünf der schönsten Kleinstädte Deutschlands gewählt wurde.

Die Abwärtsentwicklung in Monschau geht einher mit dem demografischen Wandel. Vor 60 Jahren lebten noch über 2000 Menschen in der Altstadt. Heute sind es im gleichen Bereich nur noch 300, und darunter bildet die ältere Generation auch noch den Hauptanteil.

Für jedermann sichtbar sind der wachsende Leerstand von Gebäuden und die rapide steigende Zahl von Ferienwohnungen. Sinkende Immobilienpreise sorgen dafür, dass der Marktwert der Altstadt-Immobilien im Sinkflug ist. In dieser Situation möchte die ISG mit Kreativität, Mut und Eigeninitiative wieder für einen zukunftsfähigen Branchenmix in Monschau und für einen attraktiveren Eindruck des gesamten Stadtbildes sorgen.

Wie könnte das konkret aussehen? Unkraut und Dreck sollen aus den Altstadtgassen verschwinden, verschmutzte Schilder sollen aufpoliert werden, Grünflächen gemäht und Spazierwege freigeschnitten werden. Treppenaufgänge sollen in Ordnung gebracht werden, und mehr Blumenschmuck soll Farbe in die Altstadt bringen. Ein spannender Ansatz ist sicherlich auch, dass auf dem Rahmenberg Ziegen dafür sorgen sollen, dass der Bewuchs kurz gehalten wird.

Das Rad lässt sich sicher nicht mehr in die 1950-er Jahre zurückdrehen. Da war Monschau die Einkaufs-, Handwerker-, Dienstleistungs- und Behördenstadt der Region schlechthin. Es gab mehr als zehn Lebensmittelläden, drei Metzgereien, drei Tabakgeschäfte, drei Schreiner, drei Automobilvertretungen und vier (!) Tankstellen im historischen Ortskern. Sechs Ärzte, drei Zahnärzte, ein Krankenhaus und massenweise Beschäftigte in der Textilindustrie dokumentieren die überragende Bedeutung Monschaus vor gar nicht so langer Zeit.

Doch dann, Anfang der 1960-er Jahre, folgte die große Krise in der Textilindustrie. Rund 1300 Arbeitsplätze in der Altstadt (z. B. in der Seidenfabrik oder den Rheinischen Wollwerken) und damit auch die Kaufkraft brachen innerhalb weniger Jahre komplett weg. Die kommunale Neugliederung 1972, wachsende Ansprüche an den Wohnkomfort und das sinkende Niveau in der Angebotsqualität von Handel und Gastronomie läuteten den Wandel in Monschau ein.

Vor diesem Hintergrund möchte die ISG nun für eine neue Aufbruchstimmung in der Altstadt sorgen. An kurzfristigen Erfolgen ist der Gruppe nicht gelegen, sondern an Maßnahmen, die über den Tag hinaus wirken. Ein Entscheidungsgremium (s. Box), das über die Verwendung der Mittel entscheidet, soll das Spektrum von Bewohnern und Gewerbetreibenden in der Stadt wiedergeben. „Das Fundament der ISG bildet das Engagement der Privatleute.

Die Eigenverantwortlichkeit der Bürger soll für die öffentliche Hand ein Signal sein, dass der Einsatz vor Ort gewährleistet ist“, beschreibt der 2. Vorsitzende Karl-Heinz Buchenthal-Heggen seinen Blick auf die ISG. An Ideen, dem Problem Leerstand zu begegnen, mangelt es ihm nicht. Solche Immobilien könnten beispielsweise als Ausstellungsflächen oder Präsentationsmöglichkeiten für Vereine dienen. Diesen Gedanken greift auch Kassierer Hans-Benno Kaulard auf: „Wir wollen nicht ständig nach der öffentlichen Hand rufen. Wir alle sind die Stadt.“

Voraussetzung für einen effektiven Ansatz ist eine Bestandsaufnahme sämtlicher Gebäude der Altstadt. Diese sollen sich in einer Datenbank finden, mit deren Aufbau inzwischen begonnen wurde, denn mancher Hausbesitzer, der in der Ferne wohnt, registriert überhaupt nicht mehr, dass seine Immobilie zusehends verfällt. Auch hier will die ISG aktiv werden. Vorsitzender Rolf Kaulard: „Die ISG versteht sich letztlich auch als organisierte Nachbarschaftshilfe.“

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