Auf der englischen Decke lernt es sich am besten

Von: akas
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Das Ziel vor Augen: Campleiter Jon Cole (rechts) möchte den Kindern beim Sprachcamp in Rurberg die englische Sprache spielerisch näher bringen. Foto: Annika Kasties

Rurberg. Lernen kann so einfach sein. Weg mit dem Vokabelheft und dem aufwendig gestalteten Schulbuch. Alles, was der motivierte Schüler braucht, ist eine „English blanket“ – eine blaue Decke, auf der die deutsche Sprache verbannt ist und ausschließlich Englisch gesprochen wird.

Die „englische Decke“ gehört zum festen Repertoire der englischen Woche, die zurzeit in der Jugendherberge Rurberg veranstaltet wird. Im Rahmen des Berlitz-Sprachcamps verbringen 24 Kinder im Alter von neun bis 16 Jahren sieben Tage in der Jugendherberge und erkunden bei verschiedenen Aktivitäten die Nordeifel.

Das Besondere an der Ferienaktion: Die komplette Kommunikation mit den Betreuern läuft auf Englisch ab. „Unser Ziel ist es, die Hemmungen der Kinder abzubauen und ihnen zu zeigen, dass die englische Sprache Spaß macht“, erklärt Jon Cole, Leiter des Sprachcamps. Der 46-jährige Australier lebt seit 16 Jahren in Deutschland und betreut fast ebenso lange Kinder während ihrer Sommerferien beim spielerischen Erlernen seiner Muttersprache. An seiner Seite stehen in Rurberg mit einer Australierin und einem Amerikaner zwei weitere englische Muttersprachler.

Das Sprachcamp soll sich in seiner Struktur bewusst vom klassischen Schulunterricht unterscheiden. „Es gibt viele negative Beispiele von Englischunterricht. Einige der Kinder, die hier sind, haben schlechte Erfahrungen mit Lehrern und Fremdsprachen gemacht. Das wollen wir verändern“, betont Cole. Denn obwohl der Stundenplan, der die Wand im Aufenthaltsraum der Jugendherberge ziert, für morgens um 9 Uhr „English“ ankündigt, hat der Unterricht im Rurberger Sprachcamp nur wenig mit dem mitunter steifen Unterrichtsstunden an der Schule gemein.

Nach Altersklassen getrennt, lernen die Kinder in den Vormittagsstunden auf spielerische Weise den Umgang mit der englischen Sprache. Dazu gehören australische Kreidespiele ebenso wie das Basteln von Känguru-Handpuppen mit „scissors“ (Schere) und „sticky tape“ (Klebeband).

Auch die Vermittlung der Kultur ist den Betreuern ein Anliegen. „Die Kinder sehen hier, dass Englisch nicht nur in Amerika gesprochen wird. Es gibt eine große, englische Welt da draußen“, sagt Cole, der den Kindern viel über die Tierwelt seiner Heimat erzählt.

Die eigentliche Sprachleistung erfolge abseits des „Unterrichts“, weiß der Australier. In unterschiedlichen Workshops befassen sich die Kinder mit Fotografie, Graffiti, oder dem Falten von Origami-Tierchen. Und sprechen mit den Betreuern – wie nebenbei und als wäre es das Alltäglichste der Welt – ausschließlich Englisch.

Sich manchmal ein bisschen dumm zu stellen, gehöre gerade auch bei den jüngeren Campteilnehmern dazu, gesteht Cole, während er mit den Kindern die Straße entlang Richtung Jugendherberge geht. „Seht nur die schönen Schafe“, sagt er auf Englisch, auf eine Herde Kühe deutend. Die gewollte Korrektur folgt auf den Plan. „That‘s a cow – das ist eine Kuh“, bemerkt ein Junge aufmerksam.

Nur in Situationen, in denen es um die Sicherheit der Kinder geht – beispielsweise beim Bogenschießen auf der Wiese hinter der sowjetischen Kriegsgräberstätte Rurberg und beim Kanufahren auf dem Rursee – ist die deutsche Sprache erlaubt.

Der Fortschritt der Kinder durch das tägliche Sprechen der englischen Sprache sei enorm. „Es ist toll zu sehen, was die Kinder innerhalb von nur einer Woche lernen. Kinder, die anfangs kaum Englisch sprechen können, sind nach wenigen Tagen schon sehr weit“, betont Cole und ergänzt: „Irgendwann schaltet sich ein Hebel um und die Kinder sprechen auch untereinander Englisch.“

Viele der Teilnehmer besuchen das Sprachcamp immer wieder. Die 14-jährige Simone aus Roetgen ist zum zweiten Mal dabei. Die englische Woche habe ihr vor allem Selbstsicherheit im Umgang mit der Fremdsprache gegeben: „Ich spreche mittlerweile viel freier und kann auch mehr verstehen. Außerdem habe ich keine Angst mehr, wenn ich ein Wort nicht weiß und nachfragen muss.“

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