Auf den demografischen Wandel reagieren

Von: hes
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„Miteinander für die Nordeif
„Miteinander für die Nordeifel” - unter diesem Slogan machen die Kreise Düren und Euskirchen sowie die Städteregion Aachen gemeinsame Sache gegen zukünftige Problemfelder der ländlichen Region. Foto: H. Schepp

Nordeifel. Wie ein Schreckgespenst geistert er durch Köpfe und Medien, der Begriff vom demografischen Wandel. Kein Bild ist zu schwarz, um darzustellen, was der Geburtenrückgang auf der einen und das immer höhere Alter der Menschen auf der anderen Seite in 20 oder 30 Jahren mit unserer Gesellschaft anstellen.

In der siedlungs- und strukturschwachen Eifel ist das Horrorszenario, das da gezeichnet wird, besonders drastisch. Leer stehende Schulen, Wohnhäuser und Geschäfte, heruntergekommene Straßen und Einrichtungen, fehlende Struktur und eine mangelhafte medizinische Versorgung sind da nur einige Schlagworte, die in diesem Zusammenhang gerne in den Ring geworfen werden.

Eine von 21 Modellregionen

„Miteinander für die Nordeifel” - unter diesem Slogan haben sich die Kreise Düren und Euskirchen sowie die Städteregion Aachen nun auf die Fahnen geschrieben, zu handeln statt schwarz zu malen. Ziel des „Aktionsprogramms regionale Daseinsvorsorge” ist die nachhaltige Sicherung der Infrastruktur im ländlichen Raum vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Die „Region Nordeifel” wurde als eine von bundesweit 21 Modellregionen ausgewählt, in denen das vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanziell unterstützte Aktionsprogramm gefördert wird.

Die Gesamtfördersumme des Projekts für alle 21 Regionen beträgt 6,5 Millionen Euro, der Zeitrahmen ist zunächst auf 18 Monate befristet, wie Professor Dr. Dirk Vallée vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr an der RWTH Aachen bei der Eröffnungsveranstaltung erläuterte.

Koordiniert von einer eigens zu diesem Zweck eingerichteten Regionalstelle wird eine Strategie zur regionalen Daseinsvorsorge erarbeitet, die den Problemfeldern des demografischen Wandels in ländlichen Gebieten vorausschauend entgegentritt und trotz des zu erwartenden Bevölkerungsrückgangs Konzepte zur dauerhaften Bereitstellung sozialer und technischer Infrastruktur aufzeigen soll.

Zunächst werden dafür in drei Patenkommunen im Rahmen von mehreren Zukunftswerkstätten zu verschiedenen Themenfeldern Szenarien vor Ort aufgearbeitet und mit der Bevölkerung Anregungen für eine strategische Verbesserung der lokalen Situation gesammelt. Die in den Werkstätten identifizierten Problemfelder und Wünsche fließen direkt in die zu entwickelnde Regionalstrategie ein.

Im Verlaufe des Projekts werden für die spezifischen Problemfelder lösungsorientierte Konzeptansätze erarbeitet, die schließlich in die Umsetzung gehen sollen. In einem weiteren Schritt werden dann die in den Patenkommunen entwickelten Konzepte für die übrigen Kommunen angepasst und die einzelnen Themenfelder so auf das gesamte Projektgebiet übertragen.

Die Patenkommune der Städteregion Aachen, die Gemeinde Simmerath, wird sich im Schwerpunkt mit der sozialen Infrastruktur auseinandersetzen, wie Ruth Roelen, Leiterin der Stabsstelle für Regionalentwicklung bei der Städteregion, erläuterte.

Darunter fallen beispielsweise die Themenfelder Kinderbetreuung, Bildung, Gesundheits- und Pflegeversorgung sowie die Problematik der wohnortnahen Erreichbarkeit von Nahversorgungsangeboten für die Bevölkerung. Mit den Bürgern sollen hierfür bedarfsgerechte und kostengünstige Lösungsansätze entwickelt werden.

Im Kreis Düren wurde die Gemeinde Hürtgenwald als Patenkommune ausgewählt. Hier geht es zunächst um die Bearbeitung der Themenfelder Kultur und Gemeinschaftsleben, „weil wir uns in diesen Bereichen gut aufgestellt sehen”, erklärte Walter Weinberger vom Amt für Kreisentwicklung und Straßen beim Kreis Düren.

Die für diese Bereiche wichtige Stütze des bürgerschaftlichen Engagements sei bei einem Bevölkerungsrückgang besonders betroffen, sagte Weinberger. In den Zukunfts-Werkstätten sollen daher unterstützende Lösungsansätze gefunden werden, die die Bereitstellung kultureller Angebote langfristig sichern und das Gemeinschaftsleben nachhaltig stärken.

Im Kreis Euskirchen werden vornehmlich die technischen Infrastrukturen behandelt, Partner ist hier die Gemeinde Hellenthal. Aufgrund des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Bevölkerungsrückgangs sind nach den Worten von Achim Blindert, Geschäftsbereichsleiter Bauen, Umwelt, ÖPNV und Abfall beim Kreis Euskirchen, in den Euskirchener Eifel-Kommunen deutlich steigende Bereitstellungs- und Wartungskosten zu erwarten.

Fragen, für die hier die Regionalstrategie Daseinsvorsorge Lösungen entwickeln wird, könnten unter anderem sein: Wie können die Gesundheitsversorgung oder Kinderspielplätze gesichert werden? Wie kann dem zunehmendem Leerstand und den steigenden Abwasserkosten begegnet werden?

Martin Spangenberg vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, beglückwünschte die Nordeifeler Projektgruppe zur Qualität ihres Konzeptes, die letztlich dazu geführt habe, dass die unabhängige Jury unter Vorsitz der ehemaligen Familienministerin Professor Dr. Rita Süßmuth die Nordeifel als eine von nur 21 aus 156 interessierten Regionen auserwählt habe.

Mehrwert für die Kommunen

Mit der Pressekonferenz in Eicherscheid, das beim europäischen Dorferneuerungswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” besonders erfolgreich abgeschnitten hatte, startete das Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge in seine interaktive Phase. Um die Regionalstrategie Daseinsvorsorge ergebnisorientiert entwickeln und damit einen bürgerorientierten Mehrwert für die Kommunen schaffen zu können, seien die Projektträger auf die Mithilfe der Bürger angewiesen, betonten die Partner.

Die Teilnahme an der ersten Zukunfts-Werkstatt in den Patenkommunen sei ausdrücklich erwünscht und biete die Möglichkeit, sich mit Experten aus Politik, Verbänden und Verwaltung auszutauschen.

„Die Meinung der Bevölkerung, Diskussionsbeiträge, Bedenken und Wünsche sind willkommene und wichtige Aspekte, auf die bei der Erarbeitung der Regionalstrategie keinesfalls verzichtet werden soll”, versicherte Frederic Wentz, Regionalkoordinator und Ansprechpartner des Projekts bei der Städteregion.

Ruth Roelen: „Die Ergebnisse der Regionalstrategie und deren Umsetzung sollen in erster Linie den Bürgerinnen und Bürgern zu Gute kommen, deshalb ist ein stetiger und kooperativer Dialog gefordert, der auch zukünftig helfen soll auftretende Problemstellungen lösungsorientiert anzugehen.”
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