Auf dem Simmerather Markt ist immer etwas los

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Schon lange dabei: Katchogat Bandiang flechtet Lara (4) und ihre Schwester Emily (8) bunte Strähnen in die Haare. Foto: Barbara Berger

Simmerath. „Rot oder Pink?” Katchogat Bandiang legt den Kopf zur Seite und schaut ihre junge Kundin fragend an. Die Antwort kommt umgehend und mit voller Überzeugung: „Pink”, soll es sein. Darauf hat Katchogat gewartet.

Sie nickt zustimmend: „Gute Wahl”, und sucht in den knallbunten Strähnen, die als dickes Bündel von der Decke des weißen Zeltes baumeln, nach der gewünschten Farbe.

Inzwischen hat es sich die achtjährige Lara auf dem Stuhl neben dem über und über mit farbenfrohen Bändern, Perlen und anderen Bastelutensilien bedeckten Tisch bequem gemacht.

Und während sie sich noch bemüht möglichst still zu halten, geht es schon los: Mit einem gekonnten Griff wickelt Katchogat Bandiang die künstliche Strähne um ein paar Haare, um dann mit flinken Fingern echtes und künstliches Haar zu verflechten.

Es dauert keine Minute und schon sticht ein grell pinkfarbenes Zöpfchen aus Laras sonst braunen Haaren hervor. Während Lara sich glücklich verabschiedet, klettert schon die nächste kleine Kundin auf den Stuhl.

Katchogat Bandiang wirkt zufrieden. Offensichtlich kommt ihre Kunst heute gut an. Aber sie winkt ab: „Auf dem Simmerather Markt ist eigentlich immer etwas los”.

Viele Stammkunden

Katchogat muss es wissen, schließlich ist die Lammersdorferin ein alter Hase, was den Simmerather Markt betrifft. Schon seit sechzehn Jahren kommt sie regelmäßig. Oder waren es sogar siebzehn? Nachdenklich wiegt sie den Kopf und zeigt dann ihr strahlendes Lächeln: „Seit langem auf jeden Fall”, betont sie noch einmal.

Damit bestätigt sie das, was bereits Marktmeister Manfred Prinz im Rahmen des diesjährigen Frühjahrsmarktes erklärte, nämlich, dass viele Schausteller dem Traditionsmarkt sozusagen als „Stammkunden” die Treue hielten, und zwar über Jahre hinweg.

Heute noch ein breites Angebot

Prinz erzählt außerdem, dass der Markt schon seit dem sechzehnten Jahrhundert potentielle Käufer anlocke. Offizielle Aufzeichnungen darüber gebe es leider nicht. „Aber klar ist natürlich, dass die Leute früher nicht einfach mal so nach Aachen zum Einkaufen fahren konnten. Da mussten die Waren zu ihnen kommen”, meint er. Daher könne man auch heute noch ein so breites Angebot finden: ob Kleidung, Kurzwaren oder Haushaltsartikel, auf dem Simmerather Markt werden Käufer schnell fündig. Und die kommen inzwischen eigens nach Simmerath, um sich das bunte Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Schlendert man durch die engen, von Buden und kleinen Zelten gesäumten Gassen, dringen nicht nur appetitanregende Gerüche zu den Besuchern durch, sondern auch immer wieder lassen sich niederländische oder französische Sprachfetzen aufschnappen.

Ein echtes Erlebnis sind die Marktschreier. „Die kommen richtig gut an”, ist Manfred Prinz sich sicher. Mit ihren oftmals gewagten Sprüchen garantieren sie für einen unterhaltsamen Einkauf. Deswegen sind ihre Wagen meist von einer Menschentraube umlagert. Heute ist das Wetter dafür allerdings zu schlecht. Voll ist es zwar schon, aber die Besucher drängen sich lieber unter die Zeltdächer, um in Ruhe und trockenen Fußes die Waren begutachten zu können. Trotzdem ist Manfred Prinz der Meinung, ein bisschen Regen sei besser als zu viel Sonne, denn sonst halten sich die Besucher liegen im Garten als auf dem Frühjahrsmarkt auf.

Besonders gut haben es dagegen die Jüngeren: Am überdachten Autoskooter oder an der Raupenbahn stehen sie geschützt vor dem ungemütlichen Frühjahrswetter. Ihr großer Tag war bereits am Samstag, als die ganzen Fahrgeschäfte eröffneten und auch heute ist ihr Rummel in vollem Gange. Sie amüsieren sich offensichtlich prächtig. Bei Katchogat Bandiang sitzt inzwischen Laras Schwester, die vierjährige Emily, um sich eine bunte Haarsträhne einflechten zu lassen.
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