Nordeifel - Auch Premium-Radweg ist nicht ohne Hindernisse

Auch Premium-Radweg ist nicht ohne Hindernisse

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
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Aus der Sicht von Norbert Steffens eines Premium-Radweges nicht würdig: Nicht asphaltierte Teilstücke des Vennbahnweges hinter St. Vith.
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Der Artenschutz bremst die Radfahrer aus: Der von Fledermäusen besiedelte Lengeler Tunnel ist ganzjährige gesperrt.
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Schon weit vor dem Lengeler Tunnel weist ein Umleitungsschild darauf hin, dass man jetzt die Vennbahntrasse für 10 Kilometer verlassen muss.

Nordeifel. Der längste Bahntrassen-Radweg Europas, der Vennbahnradweg, wurde im Herbst 2013 offiziell eröffnet, aber es läuft nicht alles rund auf dem Premium-Radweg, der inzwischen die altehrwürdigen Vennbahnschienen ersetzt.

Nach Ansicht von Norbert Steffens aus Mützenich habe die 125 Kilometer lange Strecke von Aachen bis ins luxemburgische Troisvierges das Prädikat „Premium-Radweg“ nicht durchweg verdient.

Auch wenn die Radfahr-Saison sich so langsam den Ende nähert, hatte der leidenschaftliche Radfahrer dank des milden Novembers bis vor kurzem noch häufig die Gelegenheit, auf dem Vennbahnweg zu kreuzen. Gerade auf dem letzten Drittel erfülle der Radweg nicht die Voraussetzungen, um als familienfreundlich zu gelten.

Kurz vor dem Ziel in Luxemburg haben Fledermäuse bekanntlich den alten Bahntunnel bei Lengeler besiedelt. Aus Naturschutzgründen musste eine Umgehungsstrecke eingerichtet werden. Die Hoffnung, dass eine solche Umgehung nur zeitweise erforderlich sein würde, hat sich bis heute nicht erfüllt, im Gegenteil:

Inzwischen steht fest, dass der 800 Meter lange Tunnel zwischen Lengeler und Wilwerdange wohl niemals mehr für den Menschen geöffnet wird. Stockdunkel, feucht, unwegsam und unheimlich ist es im Tunnel, aber die Fledermäuse fühlen sich dort wohl. Nachdem die Eisenbahnlinie vor mehr als 50 Jahren still gelegt wurde, haben sie dort ein wichtiges Rückzugs-Biotop gefunden.

Laut europäischer Gesetzgebung sind die EU-Mitgliedsstaaten nun verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt seltener Arten zu ergreifen und den Schutz ihrer Lebensräume zu gewährleisten. Zunächst wurde beschlossen, dass die Fledermäuse in der Winterschlafperiode nicht gestört werden dürfen.

Von Oktober bis April sollte also eine Alternativ-Route ausgewiesen werden, im Sommer sollte der Tunnel geöffnet und hergerichtet werden. Daraus ist aber nichts geworden. Inzwischen sind neun geschützte Fledermausarten ausfindig gemacht. Mindestens 300 Tiere finden im Tunnel Unterschlupf.

„Der Tunnel bleibt ganzjährig gesperrt“, bestätigte auf Anfrage der Lokalredaktion auch Andrea Michaelis von der Tourismusagentur Ostbelgien in St. Vith. „Das müssen wir leider so hinnehmen.“

Norbert Steffens kann diese Maßnahme nicht ganz nachvollziehen. „Eine Sperrung des Tunnels in den Wintermonaten wäre ohne weiteres hinnehmbar, nicht aber eine ganzjährige.“ Er spreche bei seinen Ausflügen häufig mit anderen Radfahrern über diese Thematik: „Dafür hat niemand Verständnis.“

Die Sperrung führe im Ergebnis dazu, dass eine alternative Route ausgewiesen worden sei, die zehn Kilometer länger als die Vennbahntrasse sei. Auf der Umgehungsstrecke müssten teilweise Abschnitte von bis zu zehn Prozent Steigung überwunden werden. „Was ist daran noch ein Premium-Radweg?“, fragt sich Steffens, der rund 10.000 Kilometer im Jahr mit dem Rennrad unterwegs ist.

Problematisch sei außerdem, dass in vielen Veröffentlichungen immer noch Bilder vom Lengeler Tunnel kursierten und Vennbahnradweg-Nutzer letztlich von der Sperrung überrascht würden.

Auf Informationsbedarf eingehen

Viel besser, sagt Steffens, habe man das Problem des Naturschutzes zwischen Küchelscheid und Sourbrodt gelöst, wo Braunkehlchen ebenfalls zur einer alternativen Streckenführung zwangen, die aber akzeptabel sei.

Dass möglicherweise nicht alle Information über den Vennbahnradweg auf dem neuesten Stand sind, kann auch Andrea Michaelis nicht von der Hand weisen. Man werde in Zukunft in den Veröffentlichungen der Tourismusagentur noch einmal näher auf diese Fragen eingehen. „Offensichtlich besteht hier Informationsbedarf.“

Des Weiteren findet Norbert Norbert, dass zwischen St. Vith und Neidingen der Vennbahnradweg nicht die zu erwartende Qualität aufweise. Auf einem rund neun Kilometer langen Teilstück sei der Weg nicht asphaltiert, sondern ähnele einem Karrenweg.

„Man glaubt, auf dem falschen Weg zu sein, und gefährlich ist das Befahren auch noch.“ In der Tat seien auf dem südlichen Teil der Strecke zum Teil Beläge, die nicht unbedingt für Rennräder geeignet seien, räumt man bei der Tourismusagentur in St. Vith ein. Auch in diesem Punkt beabsichtige man den Informationsfluss noch zu verbessern.

Informationen zum Vennbahnradweg findet auf der Seite www.vennbahn.eu, die ebenfalls nachgebessert werden soll.

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