Auch Eifeler Vereine lehnen „Lauf-Maut“ ab

Von: Anneliese Lauscher
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Haste mal ‘nen Euro? Die meisten Laufveranstalter in der Eifel sind erbost über die Pläne des DLV. Das Foto entstand beim Start zum letzten Rursee-Marathon, wo man bei Umsetzung der DLV-Pläne künftig rund 1500 Euro „abdrücken“ müsste... Foto: A. Lauscher

Mützenich/Nordeifel. Nachdem der Deutsche Leichtathletik-Verband beschlossen hat, ab 2016 für jeden Finisher bei jedem Volkslauf einen Euro als Gebühr zu erheben, regt sich bundesweit Widerstand. Auch bei den Vereinen in unserer Region herrscht größtenteils Unmut und Unverständnis gegenüber dem Beschluss, einige Veranstalter von Volksläufen wollen sich gegen die Pläne wehren.

Wolfgang Poqué von der Leichtathletikgemeinschaft Mützenich hat dazu aufgerufen, sich aktiv zur Wehr zu setzen, und eine Petition verbreitet: „4000 Euro zusätzlich will der DLV (geschätzt) allein von den Volksläufen im Altkreis Monschau abkassieren! 4000 Euro, die unseren Vereinen vor Ort zur Förderung von Sport und Jugend fehlen und stattdessen in der Institution DLV verschwinden. 4000 Euro, die bei uns unter großem persönlichen Einsatz von Ehrenamtlern erwirtschaftet wurden, stehen dann an der Basis nicht mehr zur Verfügung. 4000 Euro, für die es vom DLV so gut wie keine Gegenleistung gibt!“, schimpft Wolfgang Poqué.

Tatsächlich ist es so, dass der Verband bisher schon eine Gebühr erhebt, diese beläuft sich auf 20 Cent je jugendlichem und 50 Cent je erwachsenem Laufteilnehmer. Man hätte eine moderate Erhöhung wahrscheinlich geschluckt, doch dass der DLV nun derart hinlangt, erbost die Veranstalter.

„Was tut der Verband für uns?“ fragt Wolfgang Poqué, „da wird von Terminschutz und Streckenvermessung geredet. Wir können unsere Termine ohne den Verband abstimmen, und für offizielle Streckenvermessung muss man kräftig zahlen.“ Er rechnet vor, dass zum Beispiel die LG Mützenich das Startgeld für ihre Läuferinnen und Läufer übernimmt, so kommen Kosten von ca. 500 Euro jährlich zustande. „Und wenn wir dann noch von unserer Laufveranstaltung, dem sehr beliebten Vennlauf, diesen Euro pro Teilnehmer zahlen müssen, kämen wir insgesamt auf runde tausend Euro im Jahr. Dafür sollen wir ehrenamtlich arbeiten?!“ Ihn regt auch auf, dass nicht gestaffelt wird, und mit dieser Einstellung ist Wolfgang Poqué nicht alleine: „Ich begreife nicht, wie man zum Beispiel den Rohrenern bei ihrem niedrigen Startgeld genau so viel abnehmen will wie einem Marathon-Veranstalter, der 70 Euro nimmt.“

Fazit in Mützenich: „Wir werden unseren Lauf nicht mehr beim Verband anmelden.“

Übrigens ist das Engagement der Mützenicher auch in Berlin aufgefallen: „Monschau ist Spitze!“ kommentiert Horst Milde, Vorsitzender von German Road Races e.V., das eifrige Werben für die gemeinsame Sache, sprich: die Petition. Weit über hundert Interessierte haben im Monschauer Raum die Petition unterschrieben.

Einfach die Startgelder zu erhöhen, das hält man bei der Bergwacht Rohren nicht für die richtige Maßnahme: „Unser Lauf ist eine Veranstaltung für das Dorf und befreundete Sportler“, sagt Diana Scheidt, die hier die Leichtathletikabteilung leitet. Ob man überhaupt im Verband Mitglied sein muss, das wird zurzeit intensiv diskutiert. Mehrere Organisatoren sind der Meinung, dass man den Verband nicht brauche zur Durchführung eines Volkslaufes.

Vom Rursee meldete sich Gerd Hüpgen, Vorstandsmitglied des Rursee-Marathon-e.V. „Wir zählten im letzten Jahr 1500 Teilnehmer, also hätten wir 1500 Euro zu zahlen. Unser Vorstand sieht das sehr kritisch, wir überlegen ernsthaft, ob die Mitgliedschaft im Verband Sinn macht.

Die Erlöse aus dem Rursee-Marathon kommen den Orten Einruhr und Erkensruhr zugute. Außerdem muss man noch berücksichtigen, dass unser kleiner Verein als einzigen Zweck die Durchführung des Marathons hat; wir haben keine Jugendabteilung und keinen Trainingsbetrieb, von einer Talentförderung, die durch die Gebührenerhöhung verstärkt würde, hätten wir also gar nichts.“

Beim TuS Schmidt sieht die Lage etwas anders aus. Axel Wirtz, der hier als Leichtathletiktrainer tägig ist, führt aus: „Man muss beachten, dass der DLV in Zukunft keine „Laufgebühr“ für die Starts von Kindern und Jugendlichen erheben will; dafür soll die Gebühr für die Erwachsenen verdoppelt werden. Hierin sieht man eine indirekte Jugendförderung, was in unseren Augen sinnvoll ist.“

Axel Wirtz ist der Ansicht, dass es eine gute Talentförderung durch den Verband gibt und junge Sportlerinnen und Sportler damit durchaus zu einem gezielten Training ermutigt und motiviert werden.

Zur Gebührenerhöhung hat der Schmidter Leichtathletiktrainer eine eigene Meinung: „Man müsste einen Unterschied machen zwischen Läufern, die in Vereinen organisiert sind und solchen, die es nicht sind. Von den Vereinen wird grundsätzlich ein Verbandsbeitrag gefordert; dadurch sind nicht organisierte Läufer im Vorteil. Man müsste sie, eventuell mittels eines Art Startpass, von den Vereinssportlern unterscheiden können. Und für die nicht vereinsangehörigen Läufer könnte eine höhere Gebühr gefordert werden, während diese für die organisierten Läufer wie bisher konstant bleiben könnte.“

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