Alemannia Ticker

Arbeitslosenprojekt gefährdet: Möbel- und Kleiderbörse hat wenig Kunden

Letzte Aktualisierung:
Gabriele Attemeier und ihr Tea
Gabriele Attemeier und ihr Team von der Möbel- und Kleiderbörse sind am neuen Standort im Imgenbroicher Erlenweg nicht so einfach zu finden. Größere Hinweisschilder sollen bald Abhilfe leisten. Foto: H. Schepp

Imgenbroich. Es war einiges los am Erlenweg 2. Das Sozialwerk Eifeler Christen hatte diese Woche zum Aktionstag in die neuen Räume seiner Möbel- und Kleiderbörse eingeladen. Das ist aber leider seit dem Umzug von der Konzener Blumgasse nach Imgenbroich Ende März nicht immer der Fall gewesen.

„Unsere Kundschaft findet uns am neuen Platz bisher leider nicht so richtig”, hat Gabriele Attemeier, die Leiterin des ambitionierten Eifeler Arbeitslosenprojekts feststellen müssen.

Dies ist umso bedauerlicher, da der Verkaufsladen für gebrauchte Möbel, Kleidung und Haushaltsgegenstände aller Art ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist. Von Montag bis Freitag ist das Geschäft täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet und bietet gut Erhaltenes für kleines Geld. Bücher gibts hier für einen bis drei Euro, eine CD kostet hier auch nur einen Euro, und noch gut tragbare Kleidung wird im Kilopreis für aktuell 9,21 Euro angeboten. Bei größeren Artikeln wie Elektrogeräten, Geschirr, Dekoration oder eben Möbeln variiert der Preis, liegt aber grundsätzlich weit unter normalen Ladenpreisen.

Das lukrative Angebot hat bis Ende März am alten Standort an der Blumgasse in Konzen an die 350 Besucher pro Monat angelockt, „70 Prozent davon sind Stammkundschaft”, wie Mitarbeiterin Martina Hübner überschlägt.

Doch mit dem Umzug hat sich diese Kundenzahl im April und Mai nahezu halbiert. „Trotz Ausschilderung und Wegbeschreibung auf unserer Internetseite sind wir offenbar schwer zu finden, selbst wenn wir den Kunden am Telefon den Weg beschreiben”, weiß Gabriele Attemeier, die deshalb ein größeres Hinweisschild bei der Stadt Monschau beantragen wird. Denn wenn man von der Grünentalstraße an der abknickenden Vorfahrt geradeaus in den Erlenweg eingebogen ist, muss man sich sofort scharf rechts halten und hinter das ehemalige Molkereigebäude fahren, um zur Möbel- und Kleiderbörse zu gelangen.

Diese Wegbeschreibung gilt natürlich nicht nur für potenzielleKäufer, sondern auch für Spender, die ihren Hausrat dem Sozialwerk zur Verfügung stellen. Gabriele Attemeier ist froh und dankbar, wie spendenfreudig die Eifeler sind, wie man auch an den vollen Regalen im Laden sehen kann. Sie bittet aber auch um Verständnis, dass das Sozialwerk manchmal Dinge nicht annehmen kann, weil entweder das Sortiment in einer Sparte gerade überläuft oder aber weil sich Artikel nicht mehr vermarkten lassen.

„Wir haben schon einen qualitativen Standard, da wir nur eine Mini-Werkstatt und beispielsweise keine Nähstube haben”, erläutert die Marktleiterin. Möbel, die verschlissen, defekt oder zerkratzt sind, ein TV-Gerät ohne Scart-Anschluss oder ein Kleid mit kaputtem Reißverschluss bringt auch die Börse nur noch schwer an den Käufer und sollte daher, so Attemeier, besser entsorgt statt wiederverwertet werden.


Verwertbare Dinge aber sind beim Sozialwerk gerne gesehen, werden in geringerem Umfang auch für einen Verkauf hergerichtet und werden auf Wunsch zuhause begutachtet und abgeholt. Dies übernehmen dann die fleißigen Helfer des Projekts, die den Kern des Ende der 90er-Jahre initiierten Projekts darstellen. „Wir bieten Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose, die uns vom Jobcenter zugewiesen werden”, erläutert Gabriele Attemeier, als Betriebsleiterin neben zwei Anleitern und einer Schreibkraft eine von vier Festangestellten des Sozialwerks.

Für die Langzeitarbeitslosen stehen aktuell zwölf Stellen zur Verfügung, leider nur noch bis Ende August laufen drei weitere, geförderte Arbeitsverhältnisse. „Zum 1. April hat die ARGE das bisherige Programm für diese drei Stellen durch das neue namens Qualifizierung und Beschäftigung (QuB) ersetzt, dessen hohe Auflagen für kleine Träger wie uns aber nicht zu leisten sind. Deshalb sind wir schweren Herzens ausgestiegen”, bedauert Gabriele Attemeier und überschlägt: „Durch den Wegfall der Fördermittel vom Jobcenter fehlen 5000 Euro in der Kasse”.

Einnahmequellen neben der Börse sind Fördermittel der AWA Abfallentsorgung für Recycling und vom Bistum für Arbeitslosenarbeit sowie Dienstleistungen, die man für die KAB (Leerung Schuh- und Kleidercontainer) sowie die Stadt Monschau (Annahme Grünabfälle und wöchentliche Reinigung der Container-Stellplätze) erbringt.

Dies alles leisten die Langzeitarbeitslosen, die so für maximal sechs Monate, mit Verlängerung auch schon mal neun Monate nicht im Monatsbericht der Arbeitsagentur auftauchen. „Viel wichtiger”, so Gabriele Attemeier, sei aber „das, was nicht in der Statistik auftaucht”, nämlich die Selbstbestätigung und die Kontakte, die die Beschäftigten durch ihren Job erfahren.

„Mancher kommt wirklich äußerst unmotiviert zu uns, findet aber nach einiger Zeit Spaß an der Arbeit”, so die Betriebsleiterin, die auch darauf verweist, „dass wir nicht nur Beschäftigung bieten, sondern auch Beratung, Betreuung und Bildung”. Immerhin rund 30 Angebote sieht das Bildungsprogramm des Sozialwerks alleine im ersten Halbjahr 2011 vor, schult die Arbeitslosen für Bewerbungsgespräche und Rollenspiele oder macht sie mit Verkaufstraining oder PC-Kursen fit für den ersten Arbeitsmarkt.

Um dieses Angebot, dieses für die Nordeifel einmalige Projekt auch in Zukunft anbieten zu können, sei es wichtig, dass auch die Möbel- und Kleiderbörse möglichst bald wieder den Zulauf hat, den sie vor dem Umzug hatte, hofft Gabriele Attemeier.

Wegbeschreibung und mehr zum Sozialwerk erfährt man auch im Internet oder telefonisch unter Tel. 02472/987675.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.