Apotheker Leo Mangartz will Waisenkindern in Honduras helfen

Von: Max Stollenwerk
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Leo Mangartz im Hamburger Uniklinikum, wo er sein praktisches Jahr absolviert hat. Der junge Apotheker aus Roetgen möchte seine Kenntnisse aus dem Pharmaziestudium nun in Honduras anwenden

Roetgen. Circa 9000 Kilometer weit weg von der Heimat, zurzeit blauer Himmel und traumhafte Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius, an der Südküste der Nordpazifik, im Norden das Karibische Meer: Was sich anhört wie ein idyllischer Strandurlaub wird für Leo Mangartz, einen angehenden jungen Apotheker aus Roetgen, alles andere als eine Urlaubsreise mit Entspannungsgarantie.

„Vor dem Einstieg in das Berufsleben, liegt es mir am Herzen, noch etwas Gemeinnütziges zu tun“, sagt er und nennt damit schon die wichtigste Motivation für sein 14-monatiges Hilfsprojekt in Honduras, das am 16. Dezember beginnt. Dann wird er sich auf die Reise in den zentralamerikanischen Staat machen, um dort in einem Kinderdorf mit circa 560 Waisenkindern zu arbeiten, diese zu unterstützen, sie auf das Leben vorzubereiten und medizinisch zu betreuen.

Da ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Arzneimitteln habe, sei es ihm wichtig, in diesem Bereich etwas Gutes zu tun und sein Wissen dort einzubringen. Die Vergütung für seine Arbeit sei nur minimal, was für ihn jedoch nebensächlich sei, da das Projekt und dessen Nachhaltigkeit für ihn im Vordergrund stünden. „Das Studium war ziemlich straff und es blieb nur wenig Zeit, Dinge zu tun, auf die man Lust hat. Außerdem konnte ich das Gelernte nicht so oft anwenden“, erklärt er.

Ärzte vor Ort beraten

„Ich will in Honduras frei von der Bürokratie des Gesundheitssystems nah an den Menschen sein und mich dabei hauptsächlich um die Waisenkinder kümmern“, betont er. Leo Mangartz wird in Honduras als Apotheker in einer Klinik tätig sein, um den Ärzten vor Ort beratend zur Seite zu stehen. Daneben wird er zusätzlich eine eigene Gruppe von Kindern betreuen und diese beispielsweise bei den Hausaufgaben unterstützen oder Spiele mit ihnen machen.

2011 hat Mangartz, der in seiner Freizeit gerne Volleyball spielt und joggen geht, am Inda-Gymnasium in Kornelimünster sein Abitur gemacht, anschließend Pharmazie in Erlangen studiert und bis vor kurzem ein praktisches Jahr in Hamburg absolviert. Dort hat er sechs Monate in einer Apotheke gearbeitet sowie sechs Monate im Uniklinikum. „Nächste Woche muss ich noch mein drittes Examen ablegen, bevor ich dann Apotheker bin“, lässt der 25-jährige wissen, dass er vor seinem Abflug noch eine wichtige Sache zu erledigen hat.

Weitere Helfer aus Europa

Anschließend beginnt für ihn dann das spannende Projekt, dessen Träger die Organisation nph deutschland e. V. ist. Diese ist Teil des christlichen Kinderhilfswerks in Deutschland und kümmert sich in ihren Kinderdörfern in Lateinamerika hauptsächlich um Waisenkinder. Zurzeit leben in den neun Kinderdörfern von nph deutschland circa 3400 Kinder. „Jedes Jahr werden Freiwillige in die Kinderdörfer entsendet. Aus Europa werde ich in diesem Jahr zusammen mit sieben weiteren Helfern nach Honduras fliegen“, schildert Mangartz. Neben ihm seien beispielsweise auch Krankenschwestern oder Physiotherapeuten vor Ort.

Sein Arbeitstag beginnt täglich um 7.30 Uhr mit der Arbeit in der Klinik. Er kümmere sich dann zunächst um die Versorgung der Waisenkinder, die zwischen acht Monaten und 30 Jahren alt und „teilweise schwerstbehindert sind“, bevor anschließend die ambulanten Patienten und deren Medikation auf dem Plan stünden. „Von 16 bis 20 Uhr widme ich mich dann der Kinderbetreuung“, beschreibt er seinen langen Arbeitstag. Frei habe er lediglich an einem Tag in der Woche. „Ich kann mir aussuchen, ob Samstag oder Sonntag.“ Für die Mahlzeiten und die Übernachtungen ist Leo Mangartz, gemeinsam mit 20 weiteren Helfern, in einem Freiwilligenhaus untergebracht.

Dass Leo Mangartz nun ausgerechnet 14 Monate in Honduras verbringen wird, ist eher einem Zufall entsprungen. „Ursprünglich hatte ich mich eigentlich für einen Aufenthalt in der Dominikanischen Republik beworben“, verrät er. Doch auf einem Bewerber-Wochenende im Juni in Fulda sei ihm erklärt worden, dass ein Aufenthalt in Honduras mehr Sinn ergebe, da der Bedarf und die Not dort größer seien.

„Junge, das ist aber gefährlich da“, sei die erste Reaktion seines Vaters gewesen. Und auch Leo Mangartz selbst war zunächst skeptisch, „da in Honduras die zweithöchste Mordrate weltweit verzeichnet wird“. Doch die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort konnten ihn überzeugen, so dass er sich „mit einem guten Gefühl“ für Honduras entschieden habe und dort, eine Autostunde entfernt von der Hauptstadt Tegucigalpa, seine Zelte aufschlagen wird.

Mehr Vorfreude als Nervosität

„Falls nach meinem Aufenthalt in Honduras kein Nachfolger als Apotheker kommt, wäre es toll, wenn die Medikation eigenständig funktioniert und die Ärzte bei jedem Patienten wissen, auf was sie achten müssen“, äußert Leo Mangartz noch einen Wunsch zur Nachhaltigkeit des Projektes.

Wenige Tage bevor Leo Mangartz seine Mission startet, gibt er dann doch zu: „Natürlich bin ich schon etwas nervös vor dieser Zeit, weil ich vielleicht in der einen oder anderen Situation mit meinem Wissen an die Grenzen stoßen werde, aber bei mir überwiegt doch eindeutig die Vorfreude.“

An der Verständigung dürfte es indes nicht scheitern, denn Leo Mangartz erzählt schmunzelnd, dass er noch einen fünfwöchigen Einzelsprachkurs in Spanisch belegt hat.

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