Lammersdorf - Anregendes Konzert im evangelischen Gemeindehaus Lammersdorf

Anregendes Konzert im evangelischen Gemeindehaus Lammersdorf

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Ein musikalischer Vortrag mit viel Abwechslung: Ingeborg und Uwe Gäb im „Kaffeehaus Lammersdorf”. Foto: Josef Schreier

Lammersdorf. Eine kühne, aber sehr anregende Mischung erlebten die Gottesdienst- und Konzertbesucher am Neujahrstag im evangelischen Gemeindezentrum in Lammersdorf am Neujahrstag. Nach dem Neujahrsgottesdienst von Pfarrer Volker Böhm wurden die Zuhörer mit leichter Kost in Wiener Kaffeehausatmosphäre entführt.

Ingeborg und Uwe Gäb - Mitglieder der evangelischen Gemeinde und beide Berufsmusiker - präsentierten einen bunten Strauß populärer Melodien in gekonnter Darbietung, mit Violine und Klavier.

„Logistische Probleme” deutete Pfarrer Böhm bereits im Gottesdienst an. Denn in der Tat musste der Gottesdienstraum in Windeseile in ein Wiener Kaffeehaus verwandelt werden, um die dort entstandenen oder uraufgeführten Werke von Haydn, Schubert, Johann Strauß und Brahms in originaler Atmosphäre erleben zu können.

Da störte es auch keineswegs - vielmehr gehörte es zum „Ambiente” dazu -, dass, nicht ganz ohne Geräusch, Kaffee und Gebäck serviert wurde und auch einmal ein Kind laut seine Kommentare abgab.

Denn genau so ging es auch in den Kaffeehäusern zu. Die Musik war dort kein Anlass andachtsvoll zuhörenden Schweigens, sondern Bestandteil einer pulsierenden Aktivität. Uwe Gäb erläuterte kurzweilig und präzise die Entstehung des Wiener Kaffeehauses, überhaupt der dortigen Kaffeekultur, die sich seit der zurückgeschlagenen türkischen Belagerung in Wien nach 1683 entwickelt hatte.

Die musikalischen Beiträge konnten diese kulturgeschichtlichen Zusammenhänge sehr gut erläutern. Sicherlich waren nun nicht gerade kompositorische Spitzenwerke zu hören. Aber gut wurde klar, dass diese Art Musik eben weniger für eine elitäre Rezeption gedacht war, sondern als Basis diente für gehobene gesellschaftliche Kommunikation. Die Kaffeehäuser in Wien - und später auch anderswo - waren tatsächlich Aufenthalts- und Begegnungsorte für Künstler, Musiker und Literaten und überhaupt Menschen aller Art.

Den ausführenden Künstlern an diesem ungewöhnlichen Abend ging es auch genau darum. Neben dem virtuosen Geigenspiel von Uwe Gäb ist die solide Begleitung von Ingeborg Gäb am Klavier hervorzuheben, die auch einzelne Solostücke (von Schubert und Schumann) zu Gehör brachte.

Aus der Fülle der überwiegend gut bekannten und eingängigen Stücke können vielleicht besonders erwähnt werden der „Csárdás” von Vittorio Monti (besonders begeistert applaudiert) oder ein melancholisches Stück des berühmtesten „Salongeigers” zwischen den Weltkriegen, Georges Boulanger.

Beinahe zum Mitsingen (leider fehlte es offenbar am Text!) hätten einige Schlagermelodien der Nachkriegszeit eingeladen, so etwa die „kleine Konditorei” von Fred Raimund oder das „Mütterlein” von Gerhard Winkler, die vor allem die älteren Zuhörer immerhin zum Mitsummen animierten.

Große Zustimmung aber gab es insgesamt zu einem im kirchlichen Rahmen sicherlich ungewohnten Neujahrskonzert.
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