Anno Schreiers Eisprinzessin begeistert alle

Von: Anno Schreier
Letzte Aktualisierung:
6880542.jpg
Auch pelzige Darsteller gibt es in der Polarkomödie von Anno Schreier (Mitte), der mit Regisseurin Anna Malunat (re.) und dem musikalischen Leiter Christoph Breidler (li.) gute Partner für seine Musik fand. Foto: St. Rauh
6880011.jpg
Auch das Ensemble (links Hauptdarstellerin Katharina Hagopian bei der Uraufführung) passt. Foto: C. Brunn

Nordeifel. „Anno Schreier ist ein Fuchs. Ein Bühnenfuchs. So scheu und schüchtern der 34-Jährige vors jubelnde Publikum tritt, so faustdick hinter den Ohren hat es seine Musik, jedenfalls das, was Schreier mit Musik anstellt. Dieser junge Mann ... hat die kostbare Begabung, witzig zu sein.“

So lobte unsere Zeitung das Musiktheater „Prinzessin im Eis“ nach der Uraufführung am 8. Dezember im Aachener Stadttheater. Inzwischen sind vier weitere Vorstellungen über die Bühne des renommierten Theaters gegangen und die Begeisterung der Uraufführung, die mit tosendem Beifall für die Darsteller und auch für den anwesenden Komponisten Anno Schreier endete, hat sich fortgesetzt: „Wir erleben eine – vor allem für eine Uraufführung, also für ein unbekanntes Stück – enorme Resonanz“, freut sich Michael Dühn, seit der Spielzeit 2011/12 Dramaturg am Theater Aachen mit dem Schwerpunkt Musiktheater und Konzert. „Wir erfahren fast durchweg positive Reaktionen bei allen Besuchergruppen, denn das Stück funktioniert bei Kindern und Erwachsenen“, so Dühn.

Für Kinder und Erwachsene

Die Kinder erleben nach den Worten des Dramaturgs „Die Prinzessin im Eis“ als moderne Adaption des Märchens vom Dornröschen, das hier aber nicht hinter einer Dornenhecke, sondern im ewigen Eis schlummert und auf seinen Prinzen wartet. Den erwachsenen Besuchern gefällt die spielerisch-ironische Art des Stücks und vor allem die Musik von Anno Schreier, der die gewohnte bedeutungsschwere, ernste Ecke der modernen Oper verlassen hat“, analysiert Michael Dühn.

Die Geschichte des Stücks begann nach den Worten von Anno Schreier schon 2007, als er gemeinsam mit der Regisseurin Anna Malunat überlegt habe, gemeinsam eine Märchenoper zu machen. „An dem Dornröschen-Märchen fanden wir die Frage interessant: Was passiert mit einer Person, die aus einer völlig anderen Zeit stammt und plötzlich in unserer Gegenwart auftaucht? Hier stoßen zwei Welten aufeinander, und das fand ich als musikalische Grundidee spannend“, erzählt der 34-Jährige, der in Aachen geboren wurde, aber vom ersten Lebensjahr an in Imgenbroich lebte und das Monschauer St.-Michael-Gymnasium besuchte.

Früh erhielt Anno Unterricht in Klavier, Violine, Orgel und Musiktheorie. Nach dem Abitur studierte er von 1999 bis 2005 Komposition bei Manfred Trojahn an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, ergänzt durch einen Studienauf­enthalt am Royal College of Music in London. Von 2005 bis 2007 war Anno Schreier Meisterschüler von Hans-Jürgen von Bose an der Hochschule für Musik und Theater in München. Seit 2008 unterrichtet er Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Bereits während des Studiums entstanden erste große Orchesterwerke, es folgten zahlreiche Aufträge und Aufführungen durch namhafte Orchester und Ensembles in Deutschland und Belgien. Im Oktober 2006 hatte Anno Schreiers Oper „Kein Ort. Nirgends.“ in Mainz Premiere, mit dem szenischen Liederzyklus „Wunderhorn“ war er 2008/09 am Mainfranken Theater Würzburg sowie 2010 an der Oper Halle vertreten. Im November 2011 wurde seine Oper „Die Stadt der Blinden“ am Opernhaus Zürich uraufgeführt. Im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein entstand die Kammeroper „Mörder Kaspar Brand“ in Düsseldorf (2012). Anno Schreier erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, 2012 wurde er mit dem Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler des Landes NRW ausgezeichnet.

„Ich habe meistens eine Anfangsidee im Kopf, damit setze ich mich dann hin und versuche sie zu Papier zu bringen. Manchmal entwickelt sich daraus dann etwas ganz Unvorhergesehenes – so als hätte das Stück ein Eigenleben. Es ist manchmal sehr schwierig, sich darauf einzulassen, besonders dann, wenn das Stück sich von meiner Anfangsintention entfernt. Ans Klavier gehe ich erst hinterher, wenn schon etwas auf dem Papier steht. Dann korrigiere ich die Stellen, die mir nicht gefallen“, erklärt Schreier seine Art des Komponierens.

Ein schneller Komponist

Das im Kopf fertige Projekt „Die Prinzessin im Eis“ stellten er und die Regisseurin dem Theater Aachen vor und stießen auf großes Interesse. „Anderen Häusern habe ich es nicht angeboten, weil es bald klar war, dass es in Aachen stattfinden würde“, erinnert sich Anno Schreier.

Aufgrund der Kaspar-Brand-Komposition für Düsseldorf verschob sich das Projekt dann zwar nach den Worten von Michael Dühn noch etwas nach hinten, gelangte aber auch dank Schreiers sprudelnder Kreativität und Einfallsvielfalt (Dühn: „Anno ist ein sehr konzentrierter und schneller Komponist“) in weniger als drei Jahren zur Aufführungsreife.

Dass seine Prinzessin nicht nur bei den Theaterverantwortlichen, sondern nun auch beim Publikum so gut ankommt, freut den 34-Jährigen sehr. „Es war ja auch unsere Absicht, ein Stück zu machen, dass unterhaltsam ist und den Leuten Spaß macht.“

Rechnen dürfe man mit Erfolg aber nicht: „Da sind zu viele Faktoren im Spiel, auf die ich zum Teil gar keinen Einfluss habe. Ich kann nur versuchen, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen“, sagt Anno Schreier, und verrät seine Pläne für dieses Jahr – zumindest ansatzweise: „Im Mai 2014 gibt es noch ein Stück von mir in Aachen, ein Werk für Chor und Orchester anlässlich des Karlsjahres. Danach stehen zwei große Opernprojekte an sehr renommierten Häusern an – aber darüber darf ich eigentlich noch nichts verraten...“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert