Simmerath - Anleinpflicht außerhalb des Ortes ist Auslegungssache

Anleinpflicht außerhalb des Ortes ist Auslegungssache

Von: hes
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Simmerath. Nachdem in Simmerath ein Kind verletzt wurde, räumt die Hundeführerin einen Fehler ein und schildert den Vorfall aus ihrer Sicht.

„Ich hätte Askan zumindest kurz an die Leine nehmen müssen“, sagt Anja Weckmann und gibt unumwunden zu: „Dass ich das nicht getan habe, war mein Fehler und tut mir sehr Leid. Aber ich habe mich auch mehrfach dafür entschuldigt“, sagt die Paustenbacherin, die am Wochenende unvermittelt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Denn Anja Weckmann war die Hundeführerin, die am vorletzten Freitag mit dem jungen Neufundländer in der Nähe der Simmerather Grillhütte unterwegs war, als es dort zu einem Zwischenfall kam.

Wie in der Samstagausgabe berichtet, hatte sich ein siebenjähriger Junge beim Anblick des Tieres derart erschrocken, dass er weglief, dabei stürzte und sich leichte Verletzungen zuzog.

Weder gebellt, noch geschnappt

Allerdings stellte sich der Vorfall aus Sicht der Hundeführerin, die sich seit Jahren um den Hund ihrer Nachbarin kümmert, ein wenig anders dar, als der Vater des Jungen es geschildert hatte. „Es klang im Zeitungsbericht so, als habe der Hund das Kind regelrecht bedroht. Das war nicht so. Auch wenn das abgedroschen klingt: Aber Askan ist gerade ein Jahr alt und noch total verspielt, auch in dieser Situation. Aber er hat weder gebellt, noch nach dem Jungen geschnappt, geschweige denn gebissen.“ Das hatte allerdings auch der Vater des Jungen bestätigt: „Es war kein Beißhund. Aber ein Kind kann nicht unterscheiden, ob der Hund nur spielen will oder es tatsächlich bedroht“, hatte der Simmerather gegenüber unserer Zeitung erklärt und eine – in der Eifel für ihn häufig – zu lasch gehandhabte Anleinpflicht kritisiert.

Die Pflicht, das Tier an die Leine zu nehmen, ist aber in diesem konkreten Fall eher Auslegungssache, hat die Besitzerin des Hundes beim Ordnungsamt in Simmerath erfahren. Denn eine Anleinpflicht gilt nach dem Landesgesetz NRW nur für große Hunde und gemäß ordnungsbehördlicher Verordnung der Gemeinde Simmerath auch für kleine Hunde innerhalb geschlossener Bebauung. Außerhalb der Wohnbebauung aber gilt eine generelle Anleinpflicht nur für bestimmte Rassen, die als gefährlich eingestuft werden und in einer gesonderten Liste aufgeführt sind. Der Neufundländer steht nicht auf dieser Liste. „Das ist eine total ruhige, gemütliche Rasse, die auch keine anderen Hunde oder den Briefträger ankläfft und beispielsweise auch als Wachhund total ungeeignet ist“, erzählt die Hundehalterin, die nach eigenen Angaben „seit 40 Jahren Hunde verschiedener Rassen hält“.

Im Gesetz gibt es aber auch noch die Formulierung, dass man Hunde auch im Gelände anleinen muss, wenn sie, so die behördliche Formulierung, „nicht im Gehorsam stehen“. Da Askan bei der Begegnung mit dem Kind aufgrund seiner noch welpenartigen Freude nicht auf die Hundeführerin hörte, stand er in dieser Situation nicht im Gehorsam und wäre besser an die Leine genommen worden. „Das habe ich aber falsch eingeschätzt“, gibt Anja Weckmann zu, die bedauert, dass der Vater des Kindes derart aufgebracht gewesen sei, dass er ihre Entschuldigung nicht angenommen habe.

„Ich wollte dem Jungen zeigen, wie harmlos Askan ist, der nach dem Vorfall von einem halben Dutzend anderer Kinder umlagert war und mit ihnen spielte. Leider war mit dem Vater aber nicht zu reden“, schildert die „Hundesitterin“ die Situation aus ihrer Sicht. Darüber habe sie sich so geärgert, dass sie dem Vater nicht ihre Personalien nannte, sondern darauf verwies, dass sie nicht die Halterin, sondern nur die Hundeführerin sei. Am Abend rief Anja Weckmann dann aber doch bei der Polizei an und hinterlegte ihre Personalien, die aber zunächst nicht den Weg zur Familie des Jungen und auch nicht zum Ordnungsamt fanden. „Deshalb war ich dann etwas überrascht, als ich letzten Samstag quasi die ‚Fahndung‘ in der Zeitung las“, sagt Weckmann.

Der „Fall“ liegt nun beim Ordnungsamt, auch wenn die Familie des Siebenjährige keine Anzeige erstattet, sondern den Zwischenfall lediglich gemeldet hat. „Askan ist gut versichert; wenn etwas zu regulieren ist, wird das geschehen“, sagt die Besitzerin des Hundes.

Anja Weckmann und ihrer Familie war es wichtig, den Sachverhalt auch aus ihrer Sicht zu schildern, denn man möchte auch in Zukunft mit dem prächtigen Neufundländer in und um Simmerath spazieren gehen, ohne dass es heißt: „Da kommt der böse Hund, nach dem gesucht wurde!“ Im Ort geht der junge Hund sowieso immer brav an der Leine. Und bis auf weiteres auch im Gelände.

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