Angst vor der Schweinepest geht um

Von: Ernst Schneiders
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Bachen und ihren gerade geborenen Frischlingen darf es seit 1. Februar nicht mehr an die Schwarte. Zum Abschuss freigegeben sind nach höchst ministerieller Anordnung allerdings Frischlinge, die älter als ein Jahr sind. Foto: Andreas Gabbert

Nordeifel. Nach positiven Fällen von Schweinepest im Rhein-Sieg-Kreis Anfang Januar sah NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg offensichtlich Handlungsbedarf. Er hat die Jagd auf Wildschweine freigegeben, die als ständige Infektionsherde für die so genannte „Europäische Schweinepest” gelten.

Bei Schweinezüchtern und Politikern geht die Angst um: Weil es im vergangenen Herbst erstmals seit Jahren keine Eicheln und Bucheckern in den Wäldern gab, haben die Wildschweine auf Fußballplätzen, Friedhöfen, Äckern und in Gärten nach Nahrung gewühlt - und sind dabei erschreckend nahe an die Ställe der Hausschweine herangekommen. Wenn man weiß, welche Millionenbeträge bei der Bekämpfung einer Schweinepest auf die Allgemeinheit zukommen, ist der ministerielle Tatendrang nachvollziehbar.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte der Minister die lokalen und regionalen Behörden angehalten, für eine intensive Jagd auf Schwarzwild zu sorgen, auch wegen der explodierenden Populationen.

Zu 80 Prozent, so das Düsseldorfer Ministerium seinerzeit, sollte die Strecke aus Frischlingen bestehen, gegebenenfalls auch aus solchen Tieren, die „nicht verwertbar” sind, will heißen, bei denen nach dem Zerlegen für die Tiefkühltruhe kaum etwas übrig bleibt.

Bei der Jagd auf Überläufer (nicht mehr ganz Frischling, aber auch noch nicht ganz Schwein) sollen vorrangig nicht Nachwuchs führende Bachen erlegt werden. Außerdem empfahl der Minister revierüberschreitende Drückjagden.

„Asyl gewähren”

Mit Reviernachbarn im Kreis Düren, so Gerd Ahnert, Leiter des Biotop- und Wildtiermanagements, sei der Nationalpark dieser Aufforderung aus Düsseldorf nachgekommen. Im Kreis Aachen hätten die Jagdnachbarn „kein Interesse gezeigt”. In einem Fall habe ein Revierpächter gar erklärt, er wolle den Wildschweinen aus dem Staatswald „Asyl gewähren”.

Im Nationalpark, so Ahnert weiter, seien 2008 mehr als 300 Stück Schwarzwild erlegt worden, „eine deutliche Steigerung gegenüber 2007”. Der Fairness halber dürfe man nicht verschweigen, dass auch in den privaten Jagdrevieren 2008 wesentlich mehr Wildschweine erlegt worden seien als im Jahr zuvor.

„Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass es im Nationalpark zur Zeit nicht mehr als zwei Wildschweine pro 100 Hektar Land gibt”, legt sich Ahnert fest. Große Sorge um seine fünf Finger muss er dabei nicht haben, denn im Nationalpark gibt es zur Zeit kein Futter für die Tiere. Ein ungewöhnlich strenger Winter mit Dauerfrost von Ende November bis Ende Januar und keinerlei Eicheln und Bucheckern im Herbst „lassen die Tiere entweder mager werden, oder sie wandern dorthin ab, wo es Nahrung gibt”.

Nicht zuletzt sind das auch die Kirrplätze am Waldrand, wo die Tiere mit Mais angelockt werden, um sie dann während des Fressens erlegen zu können. Während es eine Fraktion gibt, die auf diese Kirrungen schwört, gehört Gerd Ahnert zu einer anderen Fraktion, die die Meinung vertritt, dass diese Art der Jagd kontraproduktiv ist. Die Bachen gingen dank der Maisportionen wohlgenährt in die Vermehrungsphase und brächten viele gesunde und starke Frischlinge zur Welt.

„Die Vermehrungsrate der Tiere von bis zu 300 Prozent im Jahr ist enorm. So viele Wildschweine werden gar nicht geschossen.” Ahnert geht auch davon aus, dass im Sommer, wenn es wieder genügend Futter gibt, die ministerielle Quote von zwei Tieren pro 100 Hektar Wald überschritten wird, weil die Schweine in den Nationalpark zurückwandern.

Wärmebildkameras

Aufschluss über die Bestände sollen künftig Aufnahmen von Wärmebildkameras geben. Darauf hat der Minister sich für den rechtsrheinischen Bereich mit dem Landesjagdverband geeinigt. Technisch möglich ist dieses Verfahren, wie die Suche nach vermissten Menschen bereits mehrfach gezeigt hat. Wie verlässlich die Bilder sind, muss sich erweisen.

„Wenn ein größerer länglicher Körper zu sehen ist und fünf kleine, dann liegt es auf der Hand, dass es sich um eine Bache mit Frischlingen handelt”, so Gerd Ahnert. Seien aber nur gleich große längliche Körper zu sehen, dann könne es sich ebenso gut um Rehwild handeln.

Eines steht indes fest: Auch die Wildschweine haben seit dem 1. Februar teilweise Schonzeit. Eine Bache und ihre Frischlinge dürfen nicht bejagt werden. Angesessen werden darf hingegen weiterhin auf Frischlinge, die älter als ein Jahr sind, um deren künftiger Produktion von zu viel Nachwuchs zuvorzukommen.
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