Angeblich Toter betrügt Versicherungen um 150.000 Euro

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Roetgen. Ralf K. (44) aus Roetgen ist eigentlich tot. Jedenfalls hatte sich der am Donnerstag vor dem Aachener Landgericht wegen Betrugs und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung angeklagte Mann im November 2006 selber einen Totenschein ausgestellt.

Damals wollte er laut Staatsanwalt mit der unter dem Namen eines nicht existenten Arztes ausgestellten Bescheinigung einer Haftstrafe entgehen. Das klappte offenbar fantastisch. Der inzwischen im grenznahen Belgien lebende Mann blieb unbehelligt. Der Bundesgerichtshof stellte das Revisionsverfahren ein, er entging einer dreijährigen Haftstrafe. Die erfolgreiche Masche setzte er in verschiedenen Varianten fort, erst später flog auf, dass es einen Arzt dieses Namens gar nicht gab.

ArtikelInzwischen soll der Angeklagte nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter einem Alias-Namen und mit einem gefälschten Personalausweis bei der Deutschen Bank ein Konto eröffnet haben, angegebener Beruf: Rechtsanwalt. Auf dieses Konto habe er sich dann ab 2007 per gefälschter Überweisungsträger von anderen Rechtsanwälten, die meistens im Köln-Bonner-Raum beheimatet sind, Gelder überweisen lassen.

Die Beträge lagen meist bei knapp unter 3000 Euro, insgesamt kassierte er so rund 45.000 Euro. Doch der „vermeintlich Tote”, so titulierte ihn Staatsanwalt Michael Jung, trieb es noch dreister. Er erklärte sich 2009 erneut für tot und reichte bei einer Hamburger Berufsgenossenschaft Ansprüche seiner in Wahrheit nicht existenten Witwe ein. Diese forderte Sterbegeld und Rentenansprüche ein, alle Bescheinigungen waren laut Anklage gefälscht. Die Berufsgenossenschaft zahlte, der Schaden: rund 81.000 Euro.

Makaber dann ein weiteres Betrugsmanöver. So soll er im Jahr 2009 die Existenz eines 2003 geborenen Mädchens erfunden haben. Um Geld zu machen, behauptete er gegenüber seiner gerade abgeschlossenen Haftpflichtversicherung, er habe das Mädchen auf einem Zebrastreifen mit dem Fahrrad angefahren. Dabei sei ein Auge des Kindes verletzt worden. Mit einer gefälschten Arztbescheinigung agierte er sodann unter falschem Namen als Vater des Mädchens und forderte Schmerzensgeld für den Verlust ihres Auges. 10.000 Euro flossen auf das Konto. Danach bescheinigte er sogar den Tod des Mädchens. Dafür überwies die Versicherung nochmals 17.000 Euro an die vermeintlichen Eltern.

Insgesamt angeklagt sind 21 Fälle, bei fünf Fällen blieb es laut Staatsanwaltschaft beim Versuch. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 150.000 Euro.
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