Roetgen - Andreas Warler beschert eine kostbare Stunde Orgelmusik

Andreas Warler beschert eine kostbare Stunde Orgelmusik

Von: Josef Schreier
Letzte Aktualisierung:
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Mit einem gelungenen, abgerundeten Programm machte Organist Andreas Warler den Zuhörern in Roetgen große Freude. Foto: J. Schreier

Roetgen. Eine kostbare Stunde Orgelmusik bescherte jetzt der Steinfelder Basilika-Organist Andreas Warler einer zahlreichen Zuhörerschar in der Kirche St. Hubertus in Roetgen. Die Wilbrand-Orgel konnte sich dabei in all ihren Möglichkeiten und zahlreichen Klangfarben präsentieren.

Dr. Marion Behrendt-Höhne begrüße den Gast herzlich und ergänzte das Programm durch zwei lyrische Zugaben mit Gedichten von Theodor Fontane und Joseph von Eichendorff.

Das Programm, wie es von Andreas Warler ausgesucht wurde, zeichnete sich durch Vielseitigkeit und Farbigkeit aus. Es waren besonders exquisite Perlen dabei. So etwa eine von Warler selbst zusammengestellte Folge von fünf kurzen Tänzen verschiedener Komponisten aus der Zeit der Renaissance. Hierbei stach vor allem das letzte Stück, eine „Ungaresca“ des belgischen Musikverlegers und Komponisten Pierre Phalèse heraus. Ebenso wie die anderen vier einprägsamen Stücke war auch dieses sorgsam registriert, und alle diese kurzen „Ohrwürmer“ funkelten jeweils in eigenen, noch an das Mittelalter anklingenden Farben.

Großmeister und Schüler

Ähnlich apart waren die beiden Werke aus der Feder von Johann Sebastian Bach. Hier handelte es sich um Bachs Orgelbearbeitungen von zwei Concerti eines seiner Schüler aus seiner zweiten Weimarer Zeit, nämlich des hochbegabten, im Jahre 1715 19-jährig verstorbenen Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar. Interessant, dass sich der angehende Großmeister der Musik nicht zu schade war, die Stücke dieses vielversprechenden Talents durch seine eigenhändige Bearbeitung zu würdigen und so für die Nachwelt zu erhalten. Andreas Warler wiederum bot diese Bachschen Nebenwerke mit besonderer Sorgfalt und großer Überzeugungskraft dar.

Ebenso überrascht und erfreut waren die Zuhörer über ein anderes selten zu hörendes Werk, das aus einer ganz anderen Zeit stammt, nämlich der Romantik. Von dem dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade, dessen 200. Geburtstag man in diesem Jahr feierte, war ein Choralvorspiel zu hören auf den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.

Dieses bekannte Kirchenlied, eigentlich ein Text mystischer Versenkung in das Geheimnis Gottes, wurde vom Komponisten in genau diesem Sinne musikalisch ausgedeutet und vom Interpreten Andreas Warler in berückender Intensität mit dunklen Registern auf der Roetgener Orgel dargeboten.

Aus der gleichen Zeit stammte das umfangmäßig größte Werk des Abends, die Orgelsonate c-moll (op. 63,2) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieses hochromantische Werk hatte es etwas schwerer, da die klare Durchhörbarkeit der anderen Werke angesichts der akustischen Verhältnisse hier nicht im vollen Maße gegeben war.

„Halleluja“ krönender Abschluss

Ein kurzes Stück eines weniger bekannten Komponisten aus dem frühesten Barock, nämlich Johann Staden aus Nürnberg, hatte zuvor von der „tänzerischen“ Renaissance zum Hochbarock des jungen Bach geführt, während der große Zeitgenosse von Bach, Georg Friedrich Händel, jeweils Anfang und Ende des Programms markierte. Hierbei mochte der Beginn des Programms, die Orgelbearbeitung der Ouverture von Händels „Occasional Oratorio“, noch wenig von der Differenziertheit von Andreas Warlers Orgelspiel haben hören lassen.

Dagegen war der Abschluss durch das berühmte „Halleluja“ aus dem „Messias“ ein wirksamer und krönender Höhepunkt eines intensiven Orgelabends. Insgesamt ein wohlgelungenes und abgerundetes Konzertprogramm mit manchen dankbar aufgenommenen Neuentdeckungen. Sicher werden sich alle Zuhörer auf ein – schon zugesagtes – Wiedersehen mit Andreas Warler freuen.

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