Eicherscheid - Andenken in Ehren halten: Kapelle muss saniert werden

Andenken in Ehren halten: Kapelle muss saniert werden

Von: M. S.
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Das ramponierte Kapellchen wird saniert: Marie-Luise Offermann und ihre Familie pflegen und bewahren ein Stück Kulturgut. Foto: M. Schmitz

Eicherscheid. „Was unsere Vorfahren an noch so kleinen Stücken Zeitgeschichte und volkskundlichen Symbolen schufen, verdient gepflegt und für künftige Generationen bewahrt zu werden!“ Nach diesem Grundsatz handelte die Eicherscheiderin Marie-Luise Offermann.

Sie schnitt jüngst ein massiv steinernes Kapellchen vor ihrem Dohnscheter Eifelhaus von wucherndem Efeu frei und befreite es so – unter dessen Blätterdach es völlig verschwunden war. Die immergrüne Kletterpflanze hatte dem Gemäuer des Kapellchens mit dem Zahn der Zeit übel zugesetzt, nun muss das arg verwitterte christliche Symbol gründlich saniert werden.

Ihr Vater Paul-Josef Carl hatte die bis zu ihrer Kreuzspitze gut 2,50 Meter hohe Kapelle mit eigenen Händen Stein auf Stein erbaut, 1932 vollendete er sein Werk aus Beton, Muschelkalk, Feuerstein und Kies, Tochter Marie-Luise machte das Ensemble mit Efeupflanzen perfekt, die nach vielen Jahren nun wieder nach radikalem Rückschnitt das Gestein freigaben und so dessen Rückkehr in die umgebende Eifeler Naturkulisse ermöglichten.

„Ich habe das Efeu gepflanzt, da war ich 17“, erinnert sich Marie-Luise Offermann. Und sie ist nicht traurig über die jetzige Entfernung der Ranken: „Sie hatten das Bauwerk im Laufe der Jahre zugewuchert und die Oberfläche mit ihren Wurzeln massiv angegriffen. Das kleine erinnerungsträchtige Denkmal der Steinsäule verschwand einfach.“

Wie oft im Leben steckt im vermeintlich Schlechten auch ein Gutes! So entdeckten die Restauratoren der Denkmalanlage, dass ein Eichhörnchen das Efeugrün samt Mariengrotte dahinter offensichtlich als behaglich gepolsterten Kobel zum Überwintern nutzte; zahllose Nüsse und ihre Schalen kündeten von manchem Überlebensschmaus.

Offermanns Vater hatte mit Mosaik-Steinchen den Leitspruch „Ehre und Sühne“ im Beton markiert. „Er sah angesichts drohender politischer Gefahr in diesem Begriff ein mahnendes Friedenszeichen. Da ist es selbstverständliche Pflicht, sein Andenken in Ehren zu halten“, sagt die Tochter Das wird eine längerfristige und arbeitsintensive Aufgabe.

Steine und Putz des Mini-Monumentes bröckelten bedrohlich faustdick aus der Fassade, der jüngste Sturm rüttelte wütend am Fenster, bis es zerbrach. Marie-Luise Offermann ist zuversichtlich: „Das bringen wir alles wieder in Ordnung.“

Ihre Hege- und Pflegeaktion zur Bewahrung eines Vermächtnisses ihres Vaters sei auch mit christlichem Glauben verbunden: „Als wir 1945 aus dem Krieg ins zerstörte Dorf heimkehrten, war mein Elternhaus, bis auf einen leichten Granatschaden an der Scheune, von Ungemach gottlob verschont geblieben.“

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