„Anarchie“ und „Chaos“ auf Roetgener Straßen

Von: ag
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Ist die Sicherheit an der Hauptstraße gewährleistet? Aufgrund der Parksituation könne es dort zu gefährlichen Situationen kommen, sagt die FDP. Ein Verkehrskonzept soll Abhilfe schaffen. Foto: Archiv/Stollenwerk

Roetgen. Die Verkehrssituation in der Gemeinde Roetgen ist schwierig. Deshalb hatte die FDP-Fraktion jetzt den Antrag gestellt, ein Verkehrssicherheitskonzept und eine Lösung für die Parksituation in der Ortsmitte zu erarbeiten. Zur Begründung erklärte die FDP, dass die Gemeinde Roetgen im Bereich Hauptstraße/Jennepeterstraße/Feuerwehrhaus vor einigen Jahren mehrere Parkplätze angelegt habe.

Die Parkplätze der dortigen Betriebe seien aber nicht mehr ausreichend und Bürger würden die „regelmäßige und dauerhafte Privatnutzung“ öffentlicher Parkflächen wie zum Beispiel am Feuerwehrhaus durch Angehörige einer nahe gelegenen Schule beklagen.

Die Parksituation an der Hauptstraße zwischen Mittel- und Greppstraße, stelle sich oft so dar, dass die Hauptstraße nur noch einspurig befahrbar und dort ein Gefahrenbereich entstanden sei. Trotz der Einrichtung einer Tempo-30-Zone erscheine die Sicherheit von Kindergartenkindern und Schülern nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Kinder könnten aufgrund der Parksituation den sicheren Weg nicht mehr richtig einschätzen.

Kontrollen des Ordnungsamtes

Die Verwaltung stellte in der letzten Sitzung des Roetgener Bauausschusses jetzt dazu fest, dass die bemängelte Parksituation nicht mehr dem aktuellen Stand entspreche. Auf Vorschlag des Ordnungsamtes sei nach verkehrsrechtlicher Anordnung durch die Städteregion eine Parkscheibenregelung eingeführt worden, die sich dank entsprechender Kontrollen bereits bewährt habe. Der Parkplatz sei inzwischen in einem wünschenswerten Zustand und es stände regelmäßig genügend Parkraum zur Verfügung.

Das Parken auf dem Bürgersteig sei ein Problem. Jedoch werde seit einigen Monaten regelmäßig kontrolliert und geahndet, so dass bereits ein entsprechender Erfolg zu verzeichnen sei. Da das Parken größtenteils nur auf einer Straßenseite möglich sei und durch die vorhandenen Grundstückszufahrten würden sich in der Regel genügend Ausweichmöglichkeiten ergeben.

Die Sicherheit der Kindergartenkinder sei zwar ebenfalls sehr wichtig, sei aber durch das Bringen und Abholen der Eltern gewährleistet. In den kommenden Wochen werde das Ordnungsamt das Geschehen stichprobenartig zu verschiedenen Zeiten beobachten und prüfen, ob sich daraus neue Erkenntnisse ergeben. Voraussichtlich könne auch der Bezirksdienst der Polizei für die Zusammenarbeit gewonnen werden. Zur Verkehrsberuhigung in anderen Ortsbereichen denke die Verwaltung über die Anschaffung einer zusätzlichen Tempoanzeigetafel nach.

Außerdem werde das Thema in der nächsten Besprechung mit den Verkehrsexperten der Städteregion und der Aachener Polizei erörtert. Im Zuge dessen erhoffe man Anregungen zu erhalten, wie ein Verkehrssicherheitskonzept inhaltlich gefüllt werden könne. Aktuell seien keine Vorschläge bekannt, wie im Sinne der Sicherheit Verbesserungen vorgenommen werden können.

Die Privatschule Conventz fühlte sich aufgrund der Formulierung „durch Angehörige einer nahe gelegenen Schule“ zu einer Stellungnahme genötigt. Damit werde der Schule bzw. deren Angehörigen ordnungswidriges Verhalten unterstellt, dem wolle man ausdrücklich widersprechen.

Es würden ausschließlich die genehmigten Parkplätze genutzt. Zu keiner Zeit seien die Plätze im Bereich des Feuerwehrhauses genutzt worden, wie es der Antrag der FDP suggeriere. Man habe der Gemeinde im Jahr 2009 angeboten, eine gemeinsame Parksituation im Bereich der Schule und dem neuen Kindergarten zu planen.

Dies sei mit dem Argument abgelehnt worden, dass der künftige Kindergarten die geplante Haltebucht nicht tangieren würde. Die Entwicklung habe aber gezeigt, dass es regelmäßig zu Problemen komme, da die Haltebucht als Parkbucht genutzt werde, vor allem auch von Eltern des Kindergartens.

Die „wesentlich schlimmere Parksituation“ zeige sich aber im Bereich der Kreuzung Jennepeter-/Hauptstraße. Auch der Bereich der Post sei problematisch, dort könne zu jeder beliebigen Geschäftszeit „ein absolutes Chaos“ beobachtet werden.

„Haarsträubende Zustände“

Gerd Pagnia (Grüne) meinte, diesen Antrag hätte man sich sparen können. Im Prinzip liefe es darauf hinaus, „dass die Verwaltung es eh gemacht hätte“. Er fand die Parksituation an der Poststelle besonders problematisch und wollte wissen, ob dort nicht entsprechende Parkplätze für die Kunden ausgewiesen sein müssten. Außerdem erklärte er, wenn ein Konzept entwickelt werde, müsse man auch die Lammerskreuzstraße dabei einbeziehen.

„Zu bestimmten Zeiten bricht hier die Anarchie aus“, sagte Michael Seidel (CDU) und sprach mit Blick auf die Verkehrssituation an Markttagen, bei Messen sowie bei Schul- und Kindergartenbeginn von „teilweise haarsträubenden“ Zuständen. Auch er sah die Notwendigkeit eines Gesamtkonzeptes. Daher sei aus seiner Sicht der FDP-Antrag nicht falsch. Allerdings werde das eher eine Generationenaufgabe.

Erziehung für Erwachsene

Achim Mathée (UWG) schloss sich Seidel an und bemerkte, man sei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Die ausgewiesenen Parkplätze müssten auch genutzt werden. Die Conventz-Schule beschreibe die Situation in ihrer Stellungnahme genau, wenn auch etwas einseitig.

Frank Martin (SPD) bestätigte den Eindruck von Anarchie ähnlichen Zuständen, Autofahrer würden sogar die Gehwege zum Ausweichen nutzen. „Da kann man ruhig mal die Schraube andrehen, es gibt durchaus Erwachsene, die für Verkehrserziehung zugänglich sind“, sagte Martin.

Bauamtsleiter Dirk Meyer erkannte die Poststelle auch als ein Problem, sah aber keine Handhabe. Meyer erklärte, der Ort sei immer weiter gewachsen, die Straßen hätten sich aber nicht im gleichen Maße entwickelt. Daher sei es schwer, die Situation in den Griff zu bekommen.

Es gelte, einen Mittelweg zu finden. „Entscheidend wird sein, was an der Rosentalstraße passieren wird“, sagte Meyer. Dann würden Verkehrsströme umgeleitet. Das müsse in einem Konzept berücksichtigt werden. Am Ende sprach sich der Ausschuss dafür aus, ein Verkehrskonzept zu erarbeiten, lediglich Günther Severain (UWG) stimmte dagegen.

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