Amtsgericht Monschau: Zwischen Digitalität und Gerichts-TV

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Nein, Peter Lüttgen ist nicht in der EDV-Abteilung des Amtsgerichtes Monschau tätig. Der Direktor und Richter zeigt im Technikraum, warum sich das Gericht in Monschau nicht mehr viel von größeren unterscheidet. Der digitale Wandel im Justizwesen ist auch noch nicht abgeschlossen. Foto: Rose

Monschau. Über Köln und Düren nach Monschau: Peter Lüttgen ist seit Mai des vergangenen Jahres leitender Direktor und Richter des Amtsgerichtes. Im Gespräch mit Carsten Rose erklärt der 47-Jährige unter anderem, wie sich seine Mitarbeiter durch die Digitalisierung mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können, sprich: die Behandlung von Rechtsangelegenheiten.

Herr Lüttgen, was machen Sie jeden Morgen um 9.40 Uhr?

Lüttgen: Da steht das Frühstück mit den Kolleginnen und Kollegen an, das ist ein wichtiger Termin im Amtsgericht. Wir tauschen uns aus, was für den Tag ansteht. Es herrscht eine positive Atmosphäre, die sich auf den weiteren Arbeitstag überträgt.

Ihr Vorgänger, Robert Plastrotman, hat gesagt, dass man von außerhalb oft einen „folkloristischen Blick“ auf die Eifel hat.

Lüttgen: Folklore ist ja prinzipiell nichts Schlechtes, wenn sie auf echten Traditionen beruht. Und da hat die Eifel zweifelsohne einiges zu bieten. Man darf sich aber nicht nur von dem vordergründigen Bild der Eifel leiten lassen. Hinter der vielbeschworenen Fachwerkromantik hat die Eifel in den letzten Jahren einen massiven Modernisierungsschub erlebt. Das gilt auch für das Amtsgericht Monschau. Hinter der historischen Fassade wird heute weitgehend digitalisiert gearbeitet. Früher war es ein Standortnachteil der kleinen Amtsgerichte, dass ihnen eine umfassende Bibliothek fehlte. Heute haben wir online Zugriff auf alle maßgeblichen juristischen Datenbanken, so dass sich der Arbeitsplatz der Richter und Rechtspfleger in Monschau kaum noch von dem größerer Gerichte unterscheidet. Im digitalen Zeitalter sind eben auch die Kollegen in Aachen oder Köln nur noch einen Mausklick weit entfernt.

Wie macht sich die Digitalisierung noch bemerkbar?

Lüttgen: Sie schreitet äußerst zügig voran. Der nächste große Umbruch wird der elektronische Rechtsverkehr sein, der ab dem Jahre 2018 richtig in Gang kommt. Dann kann man nicht nur schriftlich, sondern auch in elektronischer Form mit dem Gericht kommunizieren. Erfahrungen haben wir insoweit bereits mit dem Grundbuch, das bei uns für alle Grundstücke von Monschau und Simmerath elektronisch geführt wird.

Digitalisierung heißt in gewissem Sinne übersetzt: einfacher, schneller, besser. Fallen dadurch Arbeitsplätze weg?

Lüttgen: Davon gehe ich nicht aus. Wir sind gut ausgelastet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen jedoch Freiräume, die sie in ihre Kernkompetenzen investieren können: die Dienstleistung für die Bürgerinnen und Bürger.

Zum Beispiel?

Lüttgen: In Nachlasssachen kommen Menschen zu uns, die Zuspruch und Hilfe benötigen. Das gleiche gilt für Betreuungssachen, in denen die Ortsnähe des Amtsgerichts Monschau für die Betroffenen besonders wichtig ist. Ohne moderne Technik geht es nicht. Aber der Mensch wird in der Justiz nie ersetzbar sein. Nur durch persönliche Ansprechpartner kann man auf die individuellen Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger adäquat eingehen.

Beschreiben Sie, was die Arbeit in Monschau von Ihren vorherigen Stellen unterscheidet.

Lüttgen: Wir arbeiten hier in einem kleinen, sehr gut funktionierenden Team, der Kontakt ist persönlicher. Die Mitarbeiter greifen sich gegenseitig unter die Arme. In dieser Hinsicht zeichnet sich das Amtsgericht Monschau besonders aus.

Kommen wir zu Ihrer Arbeit als Richter. Welche Rolle spielt der erste Eindruck von Prozessbeteiligten?

Lüttgen: Nach mehr als 15 Jahren Richtertätigkeit hat man schon vieles gesehen und lässt sich nicht mehr so schnell aufs Glatteis führen. Der erste Eindruck trügt nicht selten. Entscheidend ist, dass man sich die Zeit nimmt, einer Sache auf den Grund zu gehen. Als Richter darf man sich nie von Vorurteilen leiten lassen.

Es gibt sicher eine Verhandlung, die Sie nicht vergessen werden.

Lüttgen: Ja, Anfang des letzten Jahres war ich Vorsitzender des Schöffengerichts in Düren. Es ging um Bandenkriminalität im Rockermilieu. Dabei hat quasi ein Rollkommando mit Äxten einen Überfall gestartet – man ist fassungslos, dass solch eine Brutalität bei uns möglich ist. Glücklicherweise konnte der Täter durch die Polizei schnell aus dem Verkehr gezogen und schließlich verurteilt werden.

Vor einigen Jahren gab es eine regelrechte Flut an Gerichtsshows, vornehmlich im Privatfernsehen. Wie stehen Sie dazu?

Lüttgen: Der inszenierte Klamauk dieser Shows vermittelt kein realistisches Bild gerichtlicher Verfahren. Leider ist das manchen Prozessbeteiligten nicht bewusst und sie meinen, wie im Fernsehen einfach das Wort ergreifen oder dazwischenrufen zu können. Glücklicherweise haben wir die nötigen prozessualen Mittel, um im Gerichtssaal für Ordnung zu sorgen. Die Shows zeigen aber auch, dass die Menschen Interesse an der Justiz haben. Unsere Aufgabe ist es, die Ernsthaftigkeit dieser Arbeit deutlich zu machen. Denn bei uns geht es nicht um Einschaltquoten, sondern um ein funktionierendes Rechtswesen und damit die individuellen Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Übrigens sind die meisten Verhandlungen öffentlich, so dass man sich über unsere Arbeit auch ein eigenes Bild machen kann.

Welchen Spruch im Gerichtssaal können Sie nicht mehr hören?

Lüttgen: „Der hat aber angefangen.“ Das ist manchmal wie im Kindergarten.

Stichwort: Berufskrankheit.

Lüttgen: Man sollte den Richter mit der Robe ablegen und nicht mit nach Hause nehmen. Sonst hört man von seinen Töchtern: „Papa, wir sind hier nicht vor Gericht.“

Sind Sie Raucher?

Lüttgen: Nein.

Gut, dann ist Nikotin für Sie nicht das Heilmittel gegen Stress. Wie kommen Sie nach aufreibenden Verhandlungen wieder zur Ruhe?

Lüttgen: Da habe ich zwei Varianten. Entweder ich suche die Ruhe und gehe in die Natur, vor meiner Haustür liegt der Nationalpark Eifel. Oder ich setze mich an mein Schlagzeug und haue auf die Pauke. Egal wie – den Kopf muss man wieder frei kriegen.

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