Roetgen - Am Thema Aldi scheiden sich erneut die Geister

Am Thema Aldi scheiden sich erneut die Geister

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Auf dieser Brache an der unteren Bundesstraße in Roetgen möchte sich Aldi ansiedeln. Der Standort wurde vor zwei Jahren von den damaligen Mehrheitsfraktionen CDU und Grüne gekippt. Jetzt formiert sich bereits massiver Protest der Anwohner. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Das Nahversorgungszentrum Vennhof bereitete den Roetgener Politikern im Bauausschuss am Dienstag erwartungsgemäß kein Kopfzerbrechen. Das Thema passierte das Gremium einstimmig.

Anders bei der geplanten Aldi-Ansiedlung auf einer Brache an der unteren Bundesstraße. Kaum hatte Ausschussvorsitzender Karsten Knoth (SPD) den Tagesordnungspunkt aufgerufen, begannen CDU und Grüne, keinesfalls überraschend, mit ihrem Lamento.

Viel zu früh, wie Dirk Meyer vom Bauamt der Gemeinde anmerkte, schließlich stehe man erst am Beginn des Verfahrens. Bei den Abstimmungen sorgten SPD, UWG und FDP jedoch für klare Verhältnisse.

Weil quasi die halbe Offermannstraße im Ratssaal die Zuhörerbänke füllte, mussten CDU und Grüne unüberhörbar beweisen, dass sie für ihre Klientel kämpfen. Der Griff in die Argumentationskiste förderte weitgehend Bekanntes zutage.

Mit gezielten Fragen an Planerin Sandra Claßen aus Erkelenz und Appellen an die Moral der Ratsmehrheit wollten sie deren Umdenken herbeiführen. Claudia Ellenbeck von den Grünen sprach von einer „städtebaulichen Todsünde”, die den Bürgern die Lebensqualität nehme. Der Rat sei weder der Aldi-Gruppe noch anderen Investoren verpflichtet, sondern allein den Menschen in Roetgen.

Grüne: „Todesstoß”

Ein Aldi an der unteren Bundesstraße zusätzlich zum Vennhof an der Ecke Bundes-/Faulenbruchstraße „versetzt vielen Einzelhändlern in Roetgen den Todesstoß”.

Dem widersprach Dr. Rainer Kummer von der „futura consult” aus Eschweiler, der die Situation des Handels in der kleinen Eifelgemeinde analysiert hatte, entschieden, auch wenn sich der Gutachter ausschließlich auf das geplante Nahversorgungszentrum bezog: „Das Schicksal des Roetgener Einzelhandels wird nicht am Vennhof entschieden.” Der Vennhof verdränge keine Einzelhändler im Ort. Wenn es dort Probleme gebe, dann seien andere Marktmechanismen dafür verantwortlich. Kummer empfahl der Politik, im Vennhof nur Einzelhandel zuzulassen, der die Kriterien der Nahversorgung erfülle.

Das bedeutet für den ausgesprochen eloquenten Fachmann, dass der Drogeriemarkt sich nur bei einer verkleinerten Verkaufsfläche rechnet, dass ein Bekleidungsmarkt dort nichts zu suchen hat, und dass in der Sparte Lebensmittel ein Discounter und der Edeka-Markt als Vollsortimenter angesiedelt werden sollten, zumal Edeka nach Kummers Worten am bisherigen Standort Rosenthalstraße absehbar chancenlos ist und sich nicht wird halten können.

Bürgermeister „geschockt”

Nach aktuellen Erkenntnissen und Berechnungen seien die Marktchancen am bisherigen Standort „so problematisch, dass Edeka über kurz oder lang dort vom Markt geht”. Deshalb sei es nur recht und billig, einem im Ort bereits ansässigen Vollsortimenter die Chance zu geben, an einem neuen Standort seine Marktchance zu nutzen. Die vorhandenen Räumlichkeiten an der Rosenthalstraße könnten künftig für kleinteiligen Einzelhandel oder anderweitig genutzt werden. Vom Markt verschwinden wird nach Kummers Worten „mit hoher Wahrscheinlichkeit” auch der Norma-Markt an der Bundesstraße, weil er sich als „schwächstes Glied in der Kette” wohl nicht werde halten können.

„Geschockt” war Bürgermeister Manfred Eis und seine Urlaubsbräune wich einer gewissen Blässe. Wenn man im Ort Edeka und Norma verliere, dann „kann man doch gleich auswandern”, dann „gibt es keine Lebensqualität mehr”, griff der Verwaltungschef zu starken Formulierungen. „Edeka sagt, dass der Laden brummt und sich trägt. Woher haben Sie Ihre Erkenntnisse?”, zweifelte Eis die Ausführungen des Gutachters an.

Die Politiker nahmen Kummers Ausführungen gefasster auf als der Bürgermeister und leiteten einstimmig die notwendigen Verfahrensschritte für den Vennhof ein.

Günther Severain von der UWG kam ob der klaren Ansagen der Fachmanns zu der Einsicht: „Ich glaube, wir haben in Roetgen die Dinge bisher besser gesehen, als sie in Wirklichkeit sind.”
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