Am neuen Ravel-Radweg knallen die Sektkorken

Von: Peter Stollenwerk
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An die Arbeit: Bei symbolischen Spatenstich für den Vennbahn-Radweg am Bahnhof Roetgen zeigte auch die große Anzahl der Mitwirkenden, wieviele Kräfte für diese grenzüberschreitende Projekt ins Boot geholt werden mussten. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Im Jahr 1885 wurde die Vennbahnstrecke Aachen-Rothe Erde - Montjoie in Betrieb genommen, 1989 wurde der Betrieb eingestellt, 1990 erfolgte eine Wiederbelebung der Teilstrecke durch den touristischen Personenverkehr, ehe im Jahr 2001 die endgültige Stilllegung erfolgte.

Ende 2007 wurde damit begonnen, die Gleise abzubauen, um auf der ehemaligen Trasse auf 130 Kilometer Länge einen Radweg anzulegen.

Das neue Zeitalter der Freizeitnutzung auf der gesamten Stecke wurde am Donnerstagnachmittag durch den ersten Spatenstich für die so genannte Ravel-Route (Réseau Autonome de Voies Lentes) am Bahnhof Roetgen ganz offiziell eingeleitet.

Von Braunkehlchen, Birkhühnern und anderen Hindernissen, die den Bau der Strecke begleiten, war im kleinen Festzelt am abgebauten Gleis aber keine Rede, vielmehr ließen die Beteiligten die Sektkorken knallen und schwärmten in europäischen Dimensionen, die dieses mutige grenzüberschreitende Projekt erst möglich machten. Die zahlreichen Mitwirkenden beim symbolischen gemeinsamen Spatenstich zeigten einmal mehr, wieviele Kräfte für dieses Projekt in ein Boot genommen wurden.

Vor den rund 100 Gästen sprach Roetgens Bürgermeister Manfred Eis als Gastgeber von einem „historischen Tag”. Sein Blick ging zurück auf das Jahr 1882, als der Beschluss fiel, Aachen und die Eifel mit einer Eisenbahnlinie zu verbinden. Nach gut 100 Jahren aber hatte die klassische Vennbahn ausgedient, deshalb, so Eis, sei man jetzt dankbar, dass mit dem Ravel-Radweg eine neue Nutzung gefunden worden sei. Der Radweg sei eine ideale Ergänzung zum bereits sehr gut angenommenen Eifelsteig. Allerdings, so Eis weiter, „müssen die öffentlichen Hände viel in dieses grenzüberschreitende Projekt investieren.”

Isabelle Weykmans, Tourismusministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen, stellte die Besonderheit der Strecke heraus, da eine belgische Bahn zum Teil auf deutschem Staatsgebiet verlaufe. Sie erinnerte daran, dass die Eisenbahnbegeisterten mit „Tränen in den Augen” das Ende des Schienenverkehrs und später den Abbau der Gleise gesehen hätten, nun aber müsse man erkennen, dass diese Investition als Projekt über die Grenzen für den Ravel-Radweg gut angelegtes Geld sei. Der Tourist kenne keine Grenzen mehr. Fahrradfahren als Form des sanften Tourismus liege voll im Trend und spreche alle Menschen an. Nun gelte es wie geplant, die Arbeiten bis 2012 zum Abschluss zu bringen. Weykmans: „Wir sollten den Vorsprung nutzen, nicht dass uns andere Regionen überholen.”

Städteregionsrat Helmut Etschenberg erkannte im Ravel-Radweg ein Projekt „von besonderer Dimension”, „auch weil wir über die Grenzen hinweg schicksalhaft mit dieser Landschaft verbunden sind.” Der Radweg besitze das Potential „für eine touristisch hervorragende Wertschöpfung. Darum beneiden uns andere Regionen.” Etschenberg lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit den belgischen Nachbarn, und sah in dem Projekt einen weiteren Baustein dafür, dass Eifel und Ardennen „die Naturerlebnisregion Nummer eins in Europa werden können.” Etschenberg: „Wir stehen vor ungeahnten Chancen, die wir nutzen sollten.”

Patrick Meyer als Vertreter der wallonischen Region, die sich mit vier Millionen Euro beteiligt, prognostizierte dem Ravel-Radweg eine Erfolgsgeschichte als Beitrag zu einem „echten, naturverbundenen Tourismus.”

Europaabgeordnete Sabine Verheyen sah die 3,7 Millionen Euro der EU gut angelegt und freute sich, im Ravel-Radweg ein positives Beispiel dafür zu sehen, „wie Europapolitik vor Ort konkret wirkt”.

Dann war es Zeit, die Spaten in Hand zu nehmen, obgleich in wenigen hundert Metern Entfernung bereits der auf diesem Teilstück halb fertige Radweg erkennbar ist.
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