Am Ende geht es nur noch um die „Frage der Optik”

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
grünwind_bu
Um eine Versachlichung der Debatte über den Windpark Münsterwald bemüht sind die Grünen (von rechts) Gudrun Meßing, Christa Heners, Gerd Pagnia und Kreisparteichef Dr. Thomas Griese. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. „Was übrig bleibt, ist die Frage der Optik, und die ist immer subjektiv.” Dr. Thomas Griese, Kreisparteichef der Grünen und stellvertretender Städteregionsrat, unterstützte Donnerstagvormittag seine Parteifreunde im Roetgener Rathaus in dem Bemühen, die Diskussion um den möglichen Windpark im Münsterwald zu versachlichen und den Windpark-Gegnern buchstäblich den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Dass ein Windpark das „Todesurteil für den Münsterwald” sei, darüber können die Grünen nur verständnislos den Kopf schütteln. Von dem 172 Hektar großen Münsterwald würden für einen Windpark lediglich 2,5 Hektar der Motorsäge zum Opfer fallen, dazu noch Fichtenbestand, der nicht schützenswert sei. Griese: „Es ist richtig, dass sich die Grünen früher an jeden Baum angekettet haben, wenn er schützenswert war, aber nicht an Fichten-Monokulturen.” Im Nationalpark beispielsweise für einen Windpark Buchenhochwald umzulegen, „das ist Frevel”.

Außerdem, so Gerd Pagnia, Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, „sind bestimmt 98 Prozent aller Roetgener noch nie im Münsterwald gewesen”. Dieser Wald sei kaum vernünftig zugänglich und gehöre nicht zu den Bereichen, in denen der Roetgener, mit oder ohne Hund, gerne spazieren gehe.

Ratsfrau Christa Heners hatte in den vergangenen Wochen die Berichterstattung der Medien intensiv verfolgt, alle Argumente von Bürgern und Politikern gegen den Windpark notiert und für jedes Pöttchen ein Deckelchen gefunden. Schattenwurf beispielsweise gebe es wegen der großen Entfernung zur nächsten Bebauung nicht, die Geräusche des Waldes würden die Geräusche der Windkraftanlagen übertönen und beheizbare Rotorblätter verhinderten Eisschlag.

Vor zehn Jahren schon Thema

Ein so genanntes avifaunistisches Gutachten zur Untersuchung der Vogel- und Fledermausvorkommen sei in Arbeit. Jährlich kämen 200.000 dieser Tiere durch Kollisionen mit Gebäuden und Autos ums Leben, allein 75.000 würden von Katzen gefressen. Die Todesfälle durch Windräder seien da vergleichsweise äußerst gering. Thomas Griese: „Es ist nicht so, dass jährlich tausende Kraniche auf ihrem Vogelzug in die Rotorblätter fliegen und sterben.”

Die Idee eines Windparks im Münsterwald ist nicht neu. Bereits vor etwa zehn Jahren war er ein Thema. Allerdings entschied sich Aachen seinerzeit für einen Windpark in Orsbach im Norden der Stadt. Mit der Möglichkeit, Windräder auch im Wald zu bauen, sofern es sich als geeignet erweise, solle lediglich die Rückständigkeit des Landes NRW in diesem Bereich gegenüber anderen Bundesländern beseitigt werden. Denn beispielsweise in Bayern sei es gang und gäbe, Windparks an geeigneter Stelle mitten in den Wald zu bauen.

Griese holte aus seinen Unterlagen einen Flyer hervor, in welchem dort unter dem Titel „Windnutzung im Wald - ein Beitrag der Bayerischen Staatsforsten zum Klimaschutz” für das geworben werde, was im Münsterwald auf unerwartet großen Widerstand treffe. Deshalb sei es in NRW auch nötig, „diesen Quatsch” zu beenden und Windparks im Wald zuzulassen. Das Verbot stamme noch von der Rüttgers-Regierung und sei lediglich ein „Kniefall vor den Kraftwerksbetreibern” gewesen.

Letztlich, so das Fazit der Grünen, „bleibt als einziges Gegenargument nur die Optik”, und nur dieses Argument reiche vor Gericht nicht mehr aus, weiß Thomas Griese unter Verweis auf aktuelle Rechtsprechung. Außerdem, so die Grünen, könne man nicht nach dem St. Florians-Prinzip verfahren. Eine Ablehnung des Windparks „werden die Anwohner des Braunkohlenkraftwerks in Weisweiler nicht verstehen”.

Sollte Roetgen sich mit zwei bis drei Windmühlen auf Gemeindegebiet beteiligen, könnte die gesamte Gemeinde mit sauberem Strom versorgt werden, die Zusatzeinnahmen für die permanent klamme Gemeindekasse seien beträchtlich und bis zu 5400 Tonnen Kohlendioxid (CO2) würden pro Jahr nicht in die Atmosphäre geblasen.

Maßlos übertrieben

Auch die Notwendigkeit von Hochspannungsleitungen hält Thomas Griese für „erfunden”. Ein Windpark im Münsterwald produziere gerade einmal fünf Prozent des jährlichen Verbrauchs in der Städteregion. Da von „Hochspannung” zu sprechen, sei maßlos übertrieben. Die Höhe der Windmühlen sei ohnehin kein Thema: „Im 21. Jahrhundert ist es nicht ungewöhnlich, dass Sakralbauten nicht mehr die höchsten Bauwerke sind.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert