Rott - Alte Eiche im Neubaugebiet: Gutachter fällt eindeutiges Urteil

Alte Eiche im Neubaugebiet: Gutachter fällt eindeutiges Urteil

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
13816277.jpg
Die Tage der alten Stieleiche im Baugebiet Hahnbruch in Rott sind gezählt, auch wenn es so manchen Anwohner schmerzt. Grundstückseigentümer Stephan Speitkamp sieht nach der Erstellung eines Gutachtens keine Chance, den markanten Baum zu erhalten. Foto: P. Stollenwerk

Rott. Die knorrige Stieleiche am Ortsrand von Rott hat bestimmt schon bessere Tage gesehen. An dem 100 bis 140 Jahre alten gedrungenen Baum mit seiner ausladenden Krone sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Das bringt das Alter halt so mit sich. Jetzt aber sind seine Tage vorzeitig gezählt.

Bis Ende Februar 2017 wird der markante Baum an der Straße Hahnbruch fallen. Hier entsteht gerade ein neues Baugebiet. Rechts und links der bereits vor einem Jahr fertiggestellten Baustraße sind rund ein Dutzend Parzellen ausgewiesen. Die Stieleiche steht exakt auf der Grenze zum Innenbereich.

Diese Situation in der Nähe zur künftigen Bebauung war Grundstückseigentümer Stephan Speitkamp aus Roetgen nun zu heikel, so dass er sich mit dem Gedanken beschäftigte, den Baum zu fällen. Das hätte er umgehend erledigen können, denn „Satzungshindernisse“ hätte es nicht gegeben. Aber da ihm bewusst ist, wie emotional die Beziehung vieler Bürger aus Rott zu diesem auf grüner Wiese frei stehenden Baum ist, beschloss er, in die Offensive zu gehen.

„Normalerweise ist es so, dass die Motorsäge angesetzt wird und dann liegt der Baum plötzlich da“, sagt Speitkamp. Er wählt aber nun den anderen Weg und möchte vorab offen kommunizieren, was ihn bewogen hat, seine Entscheidung zu fällen. Da ihm als Eigentümer die Haftung und Verkehrssicherungspflichtpflicht auferlegt sei, habe er auf Nummer sicher gehen wollen und daher einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Baumgutachtens für den elf Meter hohen Baum beauftragt.

Einen ganzen Tag lang beschäftigte sich Gutachter Alexander Lehnen aus Aachen mit der Rotter Stieleiche bis hin zur Impulstomographie. Ähnlich einer Computertomographie wird mit dieser differenzierten Messmethode der Erhaltungszustand von Holz überprüft. Am Ende des Tages fällte der Gutachter dann ein unzweifelhaftes Urteil für die Stieleiche: Durch die geplante Bebauung in Verbindung mit steigenden Sicherheitserwartungen und der direkten Nähe zu einem künftigen Gebäude sei der Baum „nicht erhaltensfähig“. Nach Abwägung aller Fakten und Daten empfiehlt der Sachverständige „die Fällung des Baumes“.

Damit wurden auch bei Stephan Speitkamp letzte Zweifel ausgeräumt: „Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leichtgemacht und mich auch intensiv mit der Thematik beschäftigt, aber durch das Gutachten habe ich keine andere Wahl mehr.“

Er habe großes Verständnis für die Reaktionen der Bürger, die mit diesem Baum auch ein Stück Heimat verbinden würden: „Die Sensibilität ist sehr hoch.“ Ein beliebter Spazierweg führt an der exponierten Eiche vorbei, und die Trauer und Wut von einigen Anwohner hat sich inzwischen auch vor Ort Luft verschafft: „Er muss weg. Betongeld füllt die Lücke“, ist auf einem kleinen Plakat zu lesen, das in die Wiese gepflanzt wurde und sich offensichtlich auch dagegen richtet, dass an dieser Stelle überhaupt Bauland ausgewiesen wird.

Einige Bürger wandten sich in der Angelegenheit auch an Bürgermeister Jorma Klauss (SPD), der den Verlust des Baumes ebenfalls als bedauerlich empfindet, aber anderseits auf die eindeutige Bewertung im Gutachten verweist. Löblich findet er das Vorgehen des Eigentümers, „der die Sache nicht auf die leichte Schulter genommen hat“.

Rein rechtlich sei gegen die Baumfällung ohnehin nichts einzuwenden, da es sich weder um ein Naturdenkmal noch den geschützten Bestandteil eines Bebauungsplans handele, betont Klauss. Auch alle bislang in Roetgen diskutierten Modelle einer Baumschutzsatzung hätten im übrigen die Rotter Eiche nicht schützen können.

In den nächsten Wochen wird die Eiche also fallen und die weitere Erschließung des Baugebiets Hahnbruch, das von der Roetgener Bauland GmbH vermarktet wird, kann erfolgen. Die Bauherren stehen bereits in den Startlöchern.

Ersatzpflanzung zugesagt

Stephan Speitkamp hofft unterdessen, dass er mit seiner Offensive nun auf Verständnis stößt. Einen kleinen Trost kann er den Kritikern mitgeben: „Ich werde in unmittelbarer Nähe der Eiche eine Ersatzpflanzung vornehmen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert